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Der Prignitzer

18. November 2017 | 15:18 Uhr

Prozess : Dealer zeigt sich geständig

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Perleberger räumte Drogenhandel ein und liefert Polizei Hinweise, die zu weiteren Tatverdächtigen führen.

svz.de von
erstellt am 23.Okt.2014 | 22:00 Uhr

Der Fall: Seit dem 9. Oktober sitzt ein 40-jähriger Perleberger auf der Anklagebank. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm 29 Fälle des gewerbsmäßigen unerlaubten Handels mit Cannabis, Kokain und Amphetamine vor.

Der Verteidiger nannte es gestern Lebensgeständnis und Aufklärungshilfe. Damit meinte er zum einen das Geständnis seines Mandanten Michael M. Der 40-Jährige muss sich seit dem 9. Oktober wegen Drogenhandels vor dem Landgericht Neuruppin verantworten. 29 Fälle wirft die Staatsanwaltschaft dem Perleberger vor. Er hatte am ersten Verhandlungstag reinen Tisch gemacht. „Das hat er auf freiwilliger Basis gemacht, nicht aufgrund erdrückender Beweise“, sagte sein Verteidiger gestern. Michael M. bereut nach eigenen Angaben sehr, was er gemacht hat. Der ganze Umfang seines strafrechtlichen Handelns werde ihm erst jetzt klar, hatte er gegenüber der Haftrichterin gesagt.
Gestern ging es jedoch um die Frage, ob er über sein Geständnis hinaus Angaben gemacht hat, die die Ermittlungsbehörden zu anderen Lieferanten oder Abnehmern geführt haben. Dann könnte Michael M. in den Genuss des §31 Betäubungsmittelgesetz kommen. Dieser verspricht eine Strafmilderung, wenn der Täter wesentlich dazu beiträgt, dass eine Straftat, die mit seiner im Zusammenhang steht, aufgedeckt werden kann. Viele Namen hatte Michael M. im Vorfeld genannt. Bei mindestens zwei Personen geht das Gericht davon aus, dass sie durch die Angaben des Angeklagten ins Visier der Ermittler gerieten, so wie Thomas V. „Ich hätte mich nicht mit dem einlassen sollen“, so Michael M. vor der Haftrichterin. Von diesem soll er von Oktober vergangenen Jahres bis März dieses Jahres insgesamt 19 Kilogramm Marihuana für fünf Euro pro Gramm gekauft haben. Gegen Thomas V. liegt mittlerweile eine Anklage vor, die teilweise auf den Angaben des Angeklagten beruht. So hatte dieser der Polizei einen Tipp gegeben, wo Thomas V. auf seinem Grundstück Drogen versteckt hatte. In einem Erdloch fanden die Beamten Kokain, Marihuana und Amphetamine. „Es gab bereits im Vorfeld Ermittlungen. Die Durchsuchung war aber erst durch den Angeklagten möglich“, sagte gestern der Kriminalbeamte Jens M. Auch Dennis R. konnte aufgrund der Aussage von Michael M. angeklagt werden. Er war einer der Abnehmer des Angeklagten und hatte von diesem wöchentlich unter anderem Marihuana bezogen. „Wir gehen davon aus, dass Michael M. ihn ans Messer geliefert hat“, sagte der Vorsitzende Richter Gert Wegner.
Bereits 2002 war der Angeklagte wegen Drogen mit dem Gesetz in Konflikt gekommen. Wegen Rauschgifthandels wurde er damals vom Landgericht Stendal zu einer dreijährigen Haftstrafe verurteilt. Auch hier hatte er ein umfassendes Geständnis abgelegt. Deshalb hat er eine milde Strafe bekommen, sagte Richter Wegner. Diese Meinung teilte der Verteidiger allerdings nicht. Bis 2004 saß er im Gefängnis. Danach führte er ein straffreies Leben, ging einer geregelten Tätigkeit nach. 2007 wurde er krank, konnte nicht mehr arbeiten. Die Geldsorgen drückten, da er noch viel Geld in das Haus seiner Mutter gesteckt hatte, in das er mit seiner Familie eingezogen war. Erst seit 2012 habe er wieder etwas mit Drogen zu tun gehabt, so Michael M. Dann aber im großen Stil.

Bei zwei Hausdurchsuchungen fand die Polizei rund 90000 Euro, Geld, das nach seinen Angaben aus Drogengeldern stammte. Zum Drogenhandel kam er durch einen Bekannten, der seine Vergangenheit kannte. Er hätte sich nicht wieder mit Drogen einlassen sollen, zeigte sich Michael M. bereits bei der Haftrichterin in Perleberg reuig. Doch offenbar lockte das schnelle Geld.
Eigentlich waren für diesen Prozess nur zwei Verhandlungstage eingeplant. Gestern sollte eigentlich ein Urteil verkündet werden. Das musste verschoben werden. Jetzt soll am 12. November weiter verhandelt werden.



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