Bad Wilsnacker vor Gericht : Dealer muss hinter Gitter

Drogenhandel und nicht Eigenbedarf befinden Gericht und Staatsanwalt

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12. September 2019, 20:00 Uhr

Als einen „modernen Hippie“ bezeichnete der Verteidiger seinen Mandanten Florian S. Der 39-Jährige aus dem Amtsbezirk Bad Wilsnack stand wegen Drogenhandels vor dem Landgericht Neuruppin. Bei einer Durchsuchung seines Hauses im Februar 2018 hatte die Polizei 30 Kilogramm Marihuana, etwa drei Kilogramm Haschisch, über 500 Gramm halluzinogene Pilze, 608 LSD-Trips, Amphetamin und DMT (eine natürlich vorkommende, halluzinogen wirkende Substanz) entdeckt.

Gestern nun verhängte das Landgericht Neuruppin eine dreijährige Freiheitsstrafe gegen Florian S. Dieser hatte einen ausufernden Konsum von Cannabis zugegeben, nachdem seine Mutter im Jahr 2016 schwer erkrankte und schließlich starb. Das habe ihn aus der Bahn geworfen. Um die tägliche Drogenration bezahlen zu können, habe er einen Großteil des Haschischs verkauft. Aber nur das, alles andere nicht, sagte der Verteidiger. „Der Lebensstandard meines Mandanten bewegt sich auf niedrigem Hippie-Niveau. Hätten wir es mit einem maximal gewinnorientierten Dealer zu tun, müsste irgendwo Geld sein.“ Was aber nirgendwo festgestellt wurde.

Auch das Gericht ging zu Gunsten des Angeklagten davon aus, dass er nur das Haschisch verkauft hat – und das LSD. Dafür spreche die Anzahl von 608 Trips. Die müssen irgendwann gekauft und bezahlt worden sein, sagte der Vorsitzende Richter Udo Lechtermann.

„Wir halten den Angeklagten für einen Lebenskünstler mit dem Hang zum Chaoten, der sich so durchs Leben schlägt“, sagte Lechtermann. Das alles ist nicht strafbar. Schon im Alter von 17 Jahren kam Florian S. mit Drogen in Kontakt und geriet mit dem Gesetz in Konflikt. Er habe viel Glück gehabt, dass er bisher nicht ins Gefängnis musste, so der Richter. Er fand deutliche Worte. „Sie neigen dazu, äußere Umstände, die nicht so sind, wie Sie sie sich vorstellen, zu nutzen, um sich über Gesetze hinwegzusetzen. Das ist eine innere Einstellung.“

Florian S. ist nicht nur wegen Drogendelikten vorbestraft, sondern wurde auch beim Fahren ohne Fahrerlaubnis erwischt. Dass es so nicht geht, will das Gericht mit dem Urteil zeigen. Es billigte dem Angeklagten allerdings eine „gewisse Einsicht und Reue“ zu. In seinem Schlusswort hatte er noch einmal sein tiefes Bedauern über die Tat ausgedrückt.

Sein Verteidiger sagte, er persönlich habe es als authentisch gefunden, dass Florian S. über die bei ihm gefundene Menge an Drogen überrascht war. „Es ist ein Zeichen, dass ihm damals vieles aus dem Ruder gelaufen ist.“ Auch, dass S. keinen Überblick über die Menge an LSD-Trips hatte, was aus Sicht des Verteidigers gegen einen Drogenhandel sprach. Das sahen Gericht und Staatsanwalt anders. „Das ist eine erhebliche Anzahl. Die wird nicht nur für den Eigenbedarf gewesen sein, auch wenn noch so schöne Bildchen darauf waren“, sagte der Staatsanwalt. Florian S. hatte sich dahingehend eingelassen, diese mit LSD versehenen Papierstreifen wegen der darauf abgebildeten Comicfiguren gesammelt zu haben. Sie wären seiner Meinung nach ohne Wirkstoff gewesen. Das hat das Landeskriminalamt widerlegt.

Gegen das Urteil kann Florian S. in Revision gehen.

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