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Gerichtsbericht Prignitz : Dealer handelte aus Gutmütigkeit

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Zeuge belastete Angeklagten aus Bad Wilsnack

Der Fall: Seit Januar steht der 54-jährige Thomas V. aus dem Amt Bad Wilsnack wegen Drogenhandels vor dem Landgericht Neuruppin.


Als könne er nicht fassen, was der Zeuge Michael M. so von sich gibt, schüttelt Thomas V. immer wieder ungläubig den Kopf. Der Angeklagte hatte zwar am vergangenen Verhandlungstag die ihm vorgeworfenen Taten größtenteils gestanden. Doch sie erscheinen nach der Aussage von Michael M. in einem anderen Licht. Der 41-Jährige hat seit Ende 2012 bis zu seiner Festnahme im April 2014 um die 50 Kilogramm Marihuana von dem Angeklagten bezogen und weiter verkauft. Er will sich aus Gutmütigkeit dazu bereit erklärt haben, weil ihn Thomas V. um einen Gefallen gebeten habe. Er habe bereits seit Jahren nicht mehr mit Drogen zu tun gehabt, so Michael M. Der Angeklagte wiederum wollte nach eigenen Angaben seinem späteren Lieferanten Maik S. helfen, der mehrere Cannabis-Plantagen betrieb. Maik S. habe Todesangst ausgestanden, weil er wegen Drogenschulden von Russen bedroht wurde, hatte Thomas V. gesagt.

Michael M. beschrieb gestern den Angeklagten jedoch weniger als edlen Samariter, sondern als geldgierig. „Ich wollte nie eine Million haben, aber Thomas V. wollte immer mehr und mehr.“ Bei einem ihrer Treffen habe dieser erzählt, dass er monatlich 50 Kilogramm Marihuana, 10 Kilogramm Amphetamine und 500 Gramm Kokain unter die Leute bringen würde. Ob das stimme, könne er nicht sagen, so Michael M. Normalerweise sei ein Treffen schnell über die Bühne gegangen, die Drogen wurden übergeben und die letzte Lieferung bezahlt. Doch manchmal habe Thomas V. zwei Stunden bei ihm gesessen und geredet. So habe er sich einmal aufgeregt, dass seine drei Lieferanten nicht die geforderten Mengen heranschaffen könnten. Bei anderer Gelegenheit habe sich Thomas V. damit gebrüstet, sich in zwei Jahren bis an die Spitze gearbeitet und 400 000 Euro gemacht zu haben. Ob das der Wahrheit entspricht, konnte Michael M. nicht sagen. Nach seinen Angaben entwickelte sich nach dem ersten Gefälligkeitsdienst zwischen ihm und Thomas V. eine regelmäßige Geschäftsbeziehung, die dieser noch ausbauen wollte, wenn nicht seine Verhaftung dazwischen gekommen wäre. Demnach wollte Thomas V. seinen Lieferanten befördern. Michael M. sollte seinen Platz übernehmen. Geködert wurde dieser mit der Aussicht, nur noch zwei Mal im Monat Ware holen und das Geld bei V. abliefern zu müssen. „Du bist der richtige Mann“, habe V. ihm gesagt. Auf Nachfrage des Richters gab Michael M. zu, Angst vor dem Angeklagten zu haben. „Thomas V. hat Macht, Geld und Beziehungen.“ Er selbst sei froh, dass alles nun ein Ende hat.

Am 3. März wird weiter verhandelt. Es sind weitere Termine bis in den April geplant.

 

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