Perleberger Ortswehr feiert Geburtstag : Dat Schiethus brennt

Vom Schiethus bleibt nur ein kläglicher Rest. Zum Händewärmen reicht es aber.
Vom Schiethus bleibt nur ein kläglicher Rest. Zum Händewärmen reicht es aber.

Einsatz live samt Models in bekleidungsmäßigem Outfit und auch mit einem Augenzwickern.

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15. September 2019, 20:00 Uhr

Wie eine 150-Jährige gibt sie sich am Sonnabend wahrlich nicht – die Perleberger Ortswehr. Auch wenn der Einsatz der Altvorderen etwas verstaubt und unwirklich erscheint und nicht zuletzt deshalb für ganz viele Lacher sorgt. Mitten in Perlebergs guter Stube, dem Großen Markt, brennt das Schiethus. Bis sich die Kameraden so in ihre Jacken sortiert, nach Dienstgrad und Größe geordnet haben und schließlich mit dem alten, per Muskelkraft gezogenen Spritzenwagen ernsthaft das Löschen ins Auge fassen, hat sich die Sache schon erledigt. Heute würde man sagen – heiß saniert oder kontrolliert abbrennen lassen.

Das Publikum jedenfalls ist begeistert von dem unerwarteten schauspielerischen Talent jener Kameraden der aktiven Wehr bzw. der Seniorenkameradschaft. Allerdings hofft jeder, dass im E-Fall doch alles viel schneller und geordneter zugeht.

Daran lassen die Perleberger Blauröcke keinen Zweifel aufkommen. Verkehrsunfall mit eingeklemmter Person – so lautet die Alarmierung. Letztere muss man sich zwar denken, doch alles andere ist live. Sie verstehen ihr Handwerk und jeder Griff sitzt. Die Seitenscheibe des Pkw wird abgeklebt, ein Federkörner lässt sie sekundenschnell wie Kandiszucker zerbröseln. Mit dem Spreizer wird nun versucht, die Tür zu öffnen. Stop: Hier endet die Arbeit der Perleberger Kameraden. Mutige aus dem Publikum sind gefragt, sollen im wahrsten Sinne des Wortes, die Tür aus den Angeln heben. BB-Moderator Christian Schulze legt vor und ihm zieht der Perleberger Chris Gerloff gleich. Feuerwehrmäßig angehost und von zwei Fachmännern unterstützt, legen sie sich ins Zeug. Schweißperlen stehen ihnen auf der Stirn. Ihr anschließender Kommentar: Echt harte und vom Gerät her allein schon schwere Arbeit. Der Perleberger gesteht anschließend, dass er auf seinen Sohnemann jetzt noch mal so stolz sei. Denn der ist bereits Mitglied der Jugendwehr. Und Papa? „Ich glaube, es wird Zeit mal ernsthaft darüber nachzudenken.“

Was Feuerwehr ist und was sie alles leistet, das offerieren dann die wehreigenen Models. Denn entsprechend des Einsatzes fällt die Bekleidung aus. Stahlkappen in den Schuhen, das ist Satz schon bei normaler Einsatzbekleidung. Atemschutzgeräteträger haben hingegen noch 30 Kilo Ausrüstung am Mann. Auch gegen Bienen, Wespen und kleine bissige Reptilien wie Vogelspinne oder Schlange – alles schon gehabt – sind sie gerüstet in ihrem speziellen Schutzanzug, wie sie ihn von den Kameraden der polnischen Partnerstadt übernommen haben. Ob Schnittschutzanzug mit hunderten Meter Faden, die jede Säge zum Stehen bringen, leichten nur einmal verwendbaren Chemikalienschutzanzug für „hygienisch bedenkliche Umgebung“, Chemieschutzanzug für gefährliche Stoffe, der 240 Minuten 98-prozentige Schwefelsäure widersteht, oder der schon spacig anmutende Wärmestrahlenschutzanzug, der eine Minute bis zu 1200 Grad aushält – all das macht deutlich, wofür die Feuerwehr ausrückt. „Ist schon beeindruckend, was die Kameraden leisten“, bringt es Edith Bönkendorf aus Grabow auf den Punkt.

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