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Der Prignitzer

19. September 2017 | 13:50 Uhr

Das Wasser bedroht jetzt Havelberg

vom

svz.de von
erstellt am 12.Jun.2013 | 08:29 Uhr

Prignitz/Havelberg | "Der Deichbau in Breese hat absolute Priorität." Das sagte Innenminister Dietmar Woidke (SPD) gestern bei seinem Besuch der vom Hochwasser betroffenen Bewohner des Stepenitzgrundes in Breese. Ihre Verärgerung über die jahrelange Verzögerung sei verständlich, "aber wir hatten Breese immer auf dem Schirm". Die gleichen Worte an exakt dem gleichen Ort sagte Woidke unserer Zeitung im April 2006 als Umweltminister. Auch damals standen die Gehöfte unter Wasser, genau wie 2002 und 2011.

Das Planverfahren sei relativ weit gediehen, das Potsdamer Kabinett werde sich am kommenden Dienstag positionieren. Und während Woidke beim Betreten eines Hauses nasse Hosenbeine bekam, sagte er: "Ich habe keine Lust, ein viertes Mal hier zu stehen." Die Betroffenen wie Ronny Schulz haben dieses erneute Versprechen registriert und hoffen, dass den Worten endlich Taten folgen.

Abgesehen von dieser Notsituation in Breese und den drei betroffenen Gehöften in Bälow blieb die Gesamtlage in der Prignitz stabil. Der Elbpegel Wittenberge lag am Morgen bei 7,60 Meter und sank bis 18 Uhr auf 7,47 Meter. Für heute werden 7,40 Meter erwartet. Am Sonntag könnte der Pegel unter die sieben Meter fallen. "Das ist eine sehr erfreuliche Entwicklung", kommentierte Landrat Hans Lange, aber "die Lage bleibt angespannt, der Druck auf die Deiche ist enorm".

Aber sie halten bis jetzt. Weder in der Nacht noch am gestrigen Tag habe es ernsthafte Zwischenfälle gegeben. Auch der kritische Rehwischdeich bei Wittenberge habe keine neuen Probleme bereitet. Hier, wie auch in Breese, seien rund um die Uhr 30 Einsatzkräfte vor Ort, um im Ernstfall sofort reagieren zu können. Am Nachmittag war im gesamten Einsatzgebiet der Elbe eine Reserve an gefüllten Sandsäcken in Höhe von 350 000 Stück vorhanden. Daher konnten die Aktivitäten auf den Sandsackfüllplätzen reduziert bzw. eingestellt werden.

Während sich die Lage in der Prignitz nicht verschlimmert, heißt es in der benachbarten Altmark "Land unter". Durch den Deichbruch bei Fischbeck strömt Elbwasser ungehindert in Richtung Havelberg. Die Orte Wust, Klietz, Sandau und Havelberg selbst seien bedroht. Die Bundesstraße 107 wurde gesperrt, wie ein Sprecher im Potsdamer Innenministerium sagte. Damit gibt es quasi keine Landverbindungen mehr zu der Region. Auch die gesperrte ICE-Strecke an der Landesgrenze zu Brandenburg sei überflutet. Mehrere ICE-Verbindungen der Bahn sind lahmgelegt.

"Für Teile der Altstadt Havelbergs und die Ortschaften ist eine Evakuierung nicht auszuschließen", sagte gestern Bürgermeister Bernd Poloski. Durch den Deichbruch bei Fischbeck könne niemand sagen, wieviel Wasser in die Havel fließe und welche Auswirkungen das auf den Havelpegel habe. Ausgerichtet sind die Schutzmaßnahmen auf eine Höhe von 4,80 Meter. Diese Höhe gebe aber keine Sicherheit, wenn ein Elbdeich bricht. "Wir haben jetzt eine Situation, die relativ unberechenbar ist", so Poloski. Bis zu 3000 Menschen müssten eventuell evakuiert werden. Brandenburg hat Hilfe zugesagt und gestern die ersten Betroffenen mit Fahrzeugen der Armee abgeholt.

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