Natur : Das war wohl kein Wolf

Wolf oder Sibirischer Husky? Der Wolfsbeauftragte Uwe Roese glaubt nicht, dass es sich um einen Wolf handelt.
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Wolf oder Sibirischer Husky? Der Wolfsbeauftragte Uwe Roese glaubt nicht, dass es sich um einen Wolf handelt.

Leser gelingt Foto von einem unbekannten Tier: Experte Uwe Roese erkennt darin keinen Nachweis

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24. August 2015, 22:00 Uhr

Ist es ein Wolf oder nicht? Heiko Trocha schickte uns das nebenstehende Bild. Es entstand am vergangenen Freitag um kurz vor neun Uhr. „Ich fuhr mit meinem Lkw in Richtung Dömitz. Auf der L  137 zwischen Seedorf und Breetz sah ich plötzlich ein Tier am Straßenrand. Mir kam sofort der Gedanke, dass dies ein Wolf sein könnte“, erzählt Heiko Trocha.

Er hielt an und schnappte sich sein Handy. „Ich war mir zwar nicht sicher, ob es wirklich ein Wolf ist , habe aber trotzdem mehrfach abgedrückt“, berichtet der Kraftfahrer aus Legde. „Das Tier war überhaupt nicht ängstlich und ist auch nicht davon gelaufen, sondern hat seine Futtersuche unbeeindruckt fortgesetzt.“ Aussteigen mochte Trocha, der einen Wolf zuvor noch nie in freier Wildbahn gesehen hatte, aber nicht. „Das war mir nicht geheuer“, gesteht er. Er sandte die Fotos auch an den Jäger Peter Gebhard, der ebenfalls einen Wolf vermutet.

Wir wandten uns gestern an Uwe Roese, Revierförster und offizieller Wolfsbeauftragter. „Ich kann und möchte nicht ausschließen, dass das Tier auf dem Foto ein Wolf ist, aber ich glaube es nicht“, sagt er. Roese tippt eher auf einen Sibirischen Husky. „Wenn man das Bild mit dieser Hunderasse vergleicht, sind die Ähnlichkeiten auffallend, vor allem die Zeichnung“, erklärt er. Auch die Schulterhöhe komme hin. Die Sichtung abseits des Waldes sei eigenartig. Auch dass das Tier keine Scheu zeigte, spreche nicht für einen Wolf.

Offiziell sind Nachweise in drei Stufen eingeteilt. Am stärksten fallen ein Totfund oder ein genetischer Nachweis ins Gewicht. „Das wäre ein C1-Nachweis. Für C2 muss eine ausgebildete Person die Losung, Spuren oder den Riss eines Wolfes dokumentieren.“ Das Foto von Heiko Trocha müsse der Kategorie C3 zugeordnet werden: unbestätigte Hinweise, die nicht vom Fachmann kommen. „Ein Bild allein genügt nicht“, so Roese. Offiziell gibt es bis jetzt keinen bestätigten Wolfsnachweis in der Prignitz. „Unstrittig ist, dass Tiere durchziehen, für die Existenz eines Rudels oder eines territorialen Tieres gibt es jedoch keine Hinweise“, stellt Roese klar.

Wenn ein oder mehrere Tiere in den Prignitzer Wäldern leben würden, würde das nicht unbemerkt bleiben. Wölfe würden den Bestand des Muffelwildes reduzieren, doch dafür gebe es bis jetzt keine Anzeichen, sagt Uwe Roese. Auch die untere Naturschutzbehörde bestätigt diese Aussagen. „Vor zwei Jahren gab es einen Riss bei Marienfließ, der einem Wolf zugeordnet wurde“, so Behördenleiter Bernd Lindow. Für die gesamte Thematik ist das Landesumweltamt zuständig einschließlich möglicher Schadensausgleiche.

Die Kreisbehörde müsste aktiv werden, falls es ein Problemtier in der Region geben sollte. „In diesem Fall müssten wir über einen Abschuss entscheiden“, so Lindow. Er verweist auf den hohen internationalen Schutzstatus des Wolfes. Eine Aufnahme in das Jagdrecht sehe er persönlich nicht. Das Schweriner Ministerium erteilte solchen Plänen in Mecklenburg eine klare Absage. 

Update:

Das Rätselraten ist beendet: Auf dem Foto ist kein Wolf zu sehen. Es handelt sich um einen Husky. Darüber informierte heute der Wolfsbeauftragte Uwe Roesel. Er hatte gleich diese Vermutung geäußert, jetzt folgte die Gewissheit. Die Hundehalter meldeten sich, erklärten, dass ihr Husky davongelaufen war. Damit gibt es weiterhin keine bestätigten Wolfssichtung im Landkreis.

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