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Imkern in der Prignitz : Das Standesamt für Bienen

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Aus der Redaktion des Prignitzers

Imker Helmut Nohr erklärt die Bedeutung und Notwendigkeit von Belegstellen

svz.de von
erstellt am 18.Aug.2017 | 21:00 Uhr

Helmut Nohr ist ein Kuppler. Doch er bringt nicht Menschen zusammen, sondern Bienen. Seine Künste sind nahe Bollbrück gefragt, wo sich das „Standesamt für Bienen“, wie es am Wegweiser zu lesen ist, befindet. Offiziell handelt es sich weniger romantisch um die Belegstation für die Bienenzucht.

Hier werden mindestens fünf Bienenvölker aufgestellt. Darum verteilt befinden sich 50 bis 60 Schutzhäuser. „Maximal können 150 Schutzhäuser aufgestellt werden“, sagt Imker Helmut Nohr. In diese Schutzhäuser kommen Ein-Waben-Kästchen mit je zwei Königinnen zur Begattung sowie mit Futter für die Königin.

Interessierte Imker bringen also ihre Königinnen in eines dieser Schutzhäuser und holen sie nach zehn bis 14 Tagen wieder ab. „Die Begattungserfolge liegen zwischen 90 und 60 Prozent“, sagt Helmut Nohr. Es wird genau Buch geführt, denn bei der Zucht geht es um die „Reinhaltung der Rasse. Bei uns ist es die Carnica“, weiß der Imker.

Die Begattung findet in einem verhältnismäßig kurzen Zeitraum statt. Im Mai und Juni ist die Zeit der sogenannten Weiselzucht (Königinnenzucht). „Die Samenblase der Königin wird auf mehreren Ausflügen von zehn und mehr Drohnen gefüllt. Die Königin selbst ist in der Lage die Befruchtung der Eier zu steuern. Aus den befruchteten Eiern werden die Königinnen oder die Arbeitsbienen. Das hängt vom Futter ab. Und aus den unbefruchteten Eiern werden Drohnen“, erklärt Helmut Nohr den Prozess.

Der eigentliche Akt der Paarung findet nicht im Bienenstock statt, sondern in der Luft. Die Drohnen, die eine Königin begatten wollen, fliegen zu sogenannten Drohnensammelplätzen. Daher musste der Landkreis die Verordnung verabschieden, denn um die Belegstelle gibt es einen Schutzbereich mit einem Radius von zehn Kilometern. Dies ist ein „bienenfreier Bereich“. Das heißt, es sind fast keine Fremdbienen in der Schutzzone. „Die hundertprozentige Sicherheit hat man nie. Aber der Anteil an Fremddrohnen ist relativ gering“, meint Nohr.

Dass bei den Bienen an den Belegstellen Zucht und somit eine Auslese erfolgt, hat seinen Grund. „Wir wollen Bienen mit bestimmten Eigenschaften haben. Sie sollen sanftmütig sein, das ist ganz wichtig. Sie sollen eine entsprechende Honigleistung sowie eine gute Bestäubungsleistung bringen“, beschreibt der Imker die Kriterien. Ganz wichtig sei aber auch die wirtschaftliche Handhabbarkeit. Letztlich steht auch die Frage der Effektivität der Völker. „Diese dürfen nicht zu groß und nicht zu klein sein. Und die Honigleistung muss stimmen.“

Die Zucht ist eine Dienstleistung. Dafür gibt es Zuchtrichtlinien, -datenbanken und natürlich auch entsprechende gesetzliche Regelungen. Auf Grund des brandenburgischen Bienenzuchtgesetzes erfolgte letztlich auch der Kreistagsbeschluss zur „Ordnungsbehördlichen Verordnung zum Schutz der Bienenbelegstellen im Landkreis Prignitz“, wonach die Belegstellen zwischen dem 15. Mai und dem 15. August besonderen Schutz genießen.

In dieser Zeit dürfen Bienenvölker nur mit Genehmigung der Kreisordnungsbehörde aufgestellt werden. Helmut Nohr vergleicht dies mit einer Art „Einfahrtsverbot“. Verantwortlich im Landkreis Prignitz ist dafür der Sachbereich Veterinäraufsicht und Verbraucherschutz.

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