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Der Prignitzer

22. November 2017 | 17:53 Uhr

Das Schöne der Region ganz neu entdecken

vom

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erstellt am 19.Jul.2013 | 09:06 Uhr

prignitz | Mit hohem persönlichen Einsatz der Mitarbeiter strampelt der Tourismusverband Prignitz mit Sitz in Perleberg gegen die Umsatzeinbrüche während des Hochwassers an. Ob das Kilometer-Radeln, neue Werbefilme (siehe gesonderte Berichte auf dieser Seite) und Sonderangebote jedoch die Verluste der Gastronomen und Beherbergungsbetriebe noch ausgleichen können werden, bleibt fraglich. Wie nämlich eine Umfrage des "Prignitzers" bei den touristischen Anbietern zwischen Lenzen und Wittstock deutlich macht, gibt es Häuser, die Verluste in sechsstelliger Höhe verkraften müssen.

Gleich vorweg: Viele sind auch völlig ungeschoren davongekommen. Wie die Inhaber der Künstler-Kate in Breetz. "Gott sei Dank", sagt Horst Oppenhäuser. Er rechnet damit, seinen Umsatz dieses Jahr sogar steigern zu können, denn er hat ein neues Ferienhaus eröffnet.

Für einen Moment - kurz vor dem höchsten Wasserstand - hatte Christine Schumacher überlegt, ihr Café Löcknitzterrassen in Seedorf vorübergehend zu schließen. Offensiv, wie sie ihr Geschäft betreibt, hat sie sich dagegen entschieden und so auch in der schlimmsten Woche noch gute Geschäfte gemacht. "Andere hat es weiß Gott schlimmer getroffen, da fallen wir aus der Norm", erzählt sie und verweist auf die Deichrückverlegung im Raum Lenzen. "Wir haben hier den schönsten und stärksten Deich." Jetzt gelte es, auf allen möglichen Plattformen Werbung für die Region zu machen. Sie lobt dabei besonders die Aktivitäten des Tourismusverbandes Prignitz.

Ganz anders fällt die Beurteilung der Hochwasser-Schäden im Hotel und Brauhaus "Alte Ölmühle" in Wittenberge aus. Dort wird übers Jahr mit einem Umsatzverlust von 250 000 Euro gerechnet. Lag die Auslastung der Betten im Juni 2012 bei 80 Prozent, fiel sie im Juni dieses Jahres auf 62. In der Gastronomie wird der Verlust mit 40 Prozent beziffert. Cornelia Leue in der Marketing-Abteilung spürt jedoch jetzt einen leichten Aufschwung. So laufen auch die Fahrten mit dem Ausflugsschiff "Wels" wieder an. "Touristen wie Einheimische erinnern sich wieder an das Tolle, was die Elbe zu bieten hat."

Beispielsweise reiste diese Woche eine Familie aus der Schweiz durch. Sie kamen von Hamburg und wollen noch bis Dresden. Beatrice und Marc Cueni mit ihren Kindern Florian und Selina schwärmten bei ihrem Aufenthalt im Hotel und Brauhaus "Alte Ölmühle" von der "schönen Landschaft, den freundlichen Menschen und der gemütlichen Gastronomie." Angesprochen auf die Flutfolgen fügte der Familienvater hinzu: "Jetzt kommen wir erst recht, wir wollen die Region unterstützen."

Optimistisch ans Werk gehen auch Maika Srajer und Florian Völchner im Landgasthof "Dörpkrog an Diek" in Abbendorf. Und das, obwohl auch sie noch immer Umsatzeinbrüche zu verzeichnen haben. So halten aktuell auf ihrem Stellplatz für Wohnmobile nur Stammgäste, die Landschaft und Lokal schätzen gelernt haben - was aber nur 20 Prozent ihres Umsatzes am Stellplatz ausmacht. 80 Prozent Durchreisende fehlten in der Bilanz. Auffangen wollen sie es mit ihrem gastronomischen Angebot. Sie setzen mit 90 Prozent auf der Speisekarte voll auf Fisch, frisch geliefert von Havelfischer Wolfgang Schröder. Er brachte, just als der "Prignitzer" vor Ort recherchierte, einen kapitalen Silberkarpfen herbei. Küchenchef Völchner strahlte: Genau das Richtige für seine Küche, in der er auf Fische aus der Region setzt, wie den Silberkarpfen und Brassen, Plötz oder Schlei. Mitten im Netz der Radfern- und -rundstrecken ist Maika Srajer und Florian Völchner jedenfalls nicht bange um die Zukunft.

"Die Radler sind wieder im Kommen", meldet auch Katja Kiefer im Gästehaus Perleberg. "Hier ist wieder alles okay." Sie stand in den Wochen der Not mitten im Geschehen, hatte bei sich Mitarbeiter des Katastrophenschutzes einquartiert.

Bilder von der Flut vergessen machen will Uwe Neumann, Geschäftsführer des Tourismusverbandes Prignitz, auch wenn er die Folgen keineswegs leugnet. Er zeigt sich fasziniert vom Zusammenhalt unter den touristischen Anbietern in der Region, von der Unterstützung durch das Land und verweist dabei unter anderem auf die von der TMB bezahlten Videos. Mit ihnen werde gezeigt, "dass man die Region wieder jederzeit bereisen kann."

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