Mehr als ein Schulprojekt : Das Scherbenkleid nimmt Form an

Millimeterarbeit leisten die Schülerinnen an der Litfaßsäule auf dem Schulvorplatz. Jede Keramikscherbe wird einzeln per Hand aufgeklebt.
Millimeterarbeit leisten die Schülerinnen an der Litfaßsäule auf dem Schulvorplatz. Jede Keramikscherbe wird einzeln per Hand aufgeklebt.

Konzept zur Umgestaltung des Vorplatzes an der Oberschule steht / Schülerinnen beweisen Fingerspitzengefühl an der Litfaßsäule

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21. Juni 2017, 12:00 Uhr

Ein Scherbenhaufen muss nicht immer etwas Schlechtes sein. Das beweisen 16 Mädchen der Oberschule in der Scheunenstraße. Sie gestalten die Litfaßsäule auf der Freifläche vor dem Schulgebäude derzeit um, indem sie die Säule mit bunten Keramikscherben in einer Art Mosaik verzieren. Jedes Teil wird einzeln angebracht. „Wir benötigen 150 Kilogramm Ton dafür. Die Scherben werden in unseren beiden Öfen im Keller gebrannt“, erklärt Lehrer Eyk Mencke, der die Zehntklässler im Wahlunterricht Kunst betreut, in dem das Projekt angesiedelt ist.

Dabei ist das Vorhaben mehr als „nur“ ein Schulprojekt. Denn die Mädchen wurden in die Umgestaltung des Platzes von Beginn an einbezogen. Als Bindeglied zwischen ihnen und der Stadt fungiert Hagen Roßmann, der das Gestaltungskonzept erstellt hat. Demnach ist vorgesehen, auf dem Platz drei grüne Inseln zu errichten. „Auf ihnen werden Zierapfelbäume gepflanzt, aber auch Gräser, kleine Stauden und Frühblüher“, erläutert Peggy Heyneck vom Sachgebiet Umwelt bei der Stadt. Die Grünflächen werden leicht erhöht, „maximal knöchelhoch“ installiert. So soll verhindert werden, dass künftig Autos auf den kleinen Platz vor der Oberschule fahren. Weit hergeholt ist das nicht, schließlich dient er seit Jahren als Parkplatz. Nach der Umgestaltung, die im Herbst beginnen und noch in diesem Jahr abgeschlossen sein soll, ist damit Schluss. Als Ausweichstellfläche hat die Stadt bereits auf der ehemaligen Brachfläche zwischen Mohren- und Scheunenstraße, die sich gegenüber der Schule befindet, 18 Stellplätze eingerichtet. Auch das ist ein Teil des Projektes Schulvorgarten.

Bei der Gestaltung des Platzes hatten die 16 Schülerinnen ein Wörtchen mitzureden. „Sie wünschten sich, dass die neuen Bäume nicht zu groß werden. Und Bänke sollte es auch geben, damit man dort verweilen kann“, zählt Peggy Heyneck einige Schülerwünsche auf, die sich in dem Entwurf wiederfinden. Außerdem wird auch eine Stele errichtet, die an die in der Zellwolle geschundenen Gefangenen des KZ-Außenlagers erinnert. Vor drei Jahren hatten sich Oberschüler mit diesem Thema beschäftigt und herausgefunden, dass Häftlinge auf dem Weg zur Arbeit in der Mohrenstraße an der Schule vorbei mussten.

Lehrer Eyk Mencke gesteht ein, dass seine Schülerinnen dem Zeitplan etwas hinterher hängen, was die „Einkleidung“ der etwa drei Meter hohen Litfaßsäule betrifft. „Eigentlich wollten wir zum Schuljahresende schon fertig sein. Aber der Winter hat sich dann doch hingezogen, so dass wir nicht kleben konnten.“ Die Zeit ist begrenzt, da die kreativen Zehntklässler während ihres Kunst-Wahlunterrichts Hand an die Säule anlegen. Das sind pro Woche zwei Unterrichtsstunden. „Ich denke nicht, dass wir das schaffen, weil die Mädchen bald auch Prüfungen haben. Die nächsten Schüler des Wahlunterrichts werden das Projekt weiterführen“, sagt Eyk Mencke. Das sehen die Mädchen anders. „Wir kriegen das hin“, sind sie sich einig. Die Truppe teilt sich die Arbeit. Im Wechsel brennen die einen die Scherben, die anderen kleben, was eine gewisse Übung erfordert. „Das Kleben macht natürlich mehr Spaß“, meint Sofie Dreyer und erntet Zustimmung von ihren Klassenkameradinnen.

Warum ist Mencke so pessimistisch, was den Zeitplan betrifft? „Wir haben noch ein zweites Projekt, das bald beginnt. Zusammen mit zwei Künstlern wollen wir über ein Bundesprogramm zwei Wände nahe der Schule neu bemalen.“ Dabei handelt es sich um eine Hauswand an dem neu geschaffenen Parkplatz zwischen Mohren- und Scheunenstraße und eine Mauer in der Scheunenstraße. Wie genau die Wände gestaltet werden, darüber wollen sich die Künstler und die Schüler kommende Woche beraten. „Ich denke aber, es wird in die abstrakte Richtung gehen“, so Mencke. Die Farbe würde eine Firma stellen.  

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