Karrieretag in Pritzwalk : Das Ringen um die Lehrlinge

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Erster Karrieretag in Pritzwalk: Betriebe und Schüler nehmen das neue Angebot an. Manche Ausbilder finden keine Lehrlinge.

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29. Januar 2018, 08:00 Uhr

Für Edeka Nord ist es eine Premiere. Bisher war der Lebensmittelvermarkter auf regionalen Ausbildungsmessen nicht vertreten. „Aber das Nachwuchsproblem geht auch an uns nicht vorbei“, sagt Stefan Saal, zuständig für Ausbildungsmarketing. Auf dem Karrieretag in Pritzwalk werben er und Vincent Maaß für eine Lehre in ihrer Branche.

Messen seien populär, meistens gut besucht, deshalb seien sie optimistisch. „Die Zahl der Bewerbungen geht spürbar zurück, dabei bieten wir viele verschiedene Berufe an“, erklärt Stefan Saal: Verkäufer, Kaufmann im Einzelhandel, Fachverkäufer für Wurst- und Fleischwaren.

Darüber hinaus biete Edeka Spezialseminare für Frischespezialisten an. Sie seien die Experten für Obst, Molkereiprodukte oder werden zum Weinkenner. Aufstiegsprogramme eröffnen Perspektiven bis hin zum Filialleiter oder gar zum selbstständigen Kaufmann, wie es Vincent Maaß geschafft hat. Er betreibt selbstständig einen Edeka-Markt in Pritzwalk.

Keinen Mangel an Bewerbern haben die Meyenburger Möbelwerke, sagt Personalchefin Annett Rusch. Die Größe des Unternehmens und die Verbindung zu IKEA machen den Betrieb attraktiv. Der große Ausbildungstruck sei regelmäßig an Prignitzer Schulen. Ausgebildet wird in verschiedenen Berufen: Holztechniker, Mechatroniker, Maschinenanlagen-Führer. Wer Industriekaufmann werden möchte, sollte gute Schulnoten vorweisen. Gleiches gilt für die dualen Studien, die die Möbelwerke ebenfalls anbieten, fasst Annett Rusch zusammen.

Solche positive Nachrichten hat die Kreisverwaltung nicht. Den dualen Studiengang Bachelor of Laws konnte der Kreis in diesem Jahr nicht besetzen, sagt Elke Rose, zuständig für Ausbildung. Seit bald 20 Jahren besucht sie Ausbildungsmessen, hätte selbst nicht vermutet, wie schwer es wird, ausreichend Bewerber zu finden.

„Die Industrie lockt mit Tablets, gewährt Wohnkostenzuschüsse, Fahrscheine oder gar ein Fahrzeug für den Weg zur Schule. Da können wir als Verwaltung nicht mithalten“, sagt sie. Große Hoffnungen hatte der Landkreis in den dualen Studiengang Verwaltungsinformatik gesetzt. „Doch es gab nicht einen einzigen Bewerber“, so Jean Haker-Böwe, Sachbereichsleiterin Personal.

Das Zahnradwerk Pritzwalk sei nach seiner zwischenzeitlichen Insolvenz wieder gut aufgestellt und setz auf eigene Nachwuchskräfte, führt der technische Leiter Bernd Kontak an. Mechatroniker und Industriemechaniker werden gesucht. „Unsere neue Geschäftsführung legt sehr großen Wert auf die Ausbildung“, betont Kontak. Die Arbeit sei interessant. Zur Messe mitgebracht hat er ziemlich kleine Zahnräder. Wer mag, kann sie anfassen und anheben. Der Stückpreis liegt bei etwa zehn Euro. „Wir produzieren aber auch Räder, die so viel wie ein Mittelklassewagen kosten“, sagt Kontak. Sie wiegen bis zu drei Tonnen.

Schüler nutzen den Tag in der Sporthalle der Oberschule Pritzwalk und lassen sich beraten. „Das ist sehr gut und hat mir geholfen“, sagt Tim Engelbrecht. Er besucht die elfte Klasse am Gymnasium Pritzwalk, möchte Industriekaufmann werden. Das Gespräch mit den Möbelwerken habe ihn darin noch bestärkt. Er ist überzeugt: „Das ist ein Betrieb mit Zukunft.“

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