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Wittenberger Wahrzeichen im miniformat : Das Rathaus aus Kunstharz

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Siegfried Brehmer fertigte Ehrenpreise, Erinnerungsplaketten und Verkaufsschlager für den Kunstgewerbeladen

svz.de von
erstellt am 08.Apr.2014 | 12:00 Uhr

Mit einem Augenzwinkern kann der Wittenberger Siegfried Brehmer von sich sagen, dass auch er eine Art Baumeister des Rathauses ist. Sein Baustoff hieß Polyurethan. Es handelt sich um ein Kunstharz, das weiß er noch sehr genau.

Der 100. Geburtstag des monumentalen Gebäudes hat den Rassegeflügelzüchter veranlasst, dem „Prignitzer“ seine ganz persönliche Rathaus-Geschichte zu erzählen. Und diese ist eng verbunden mit Brehmers Hobby. „Es war zu DDR-Zeiten. Wir brauchten für die besten Züchter Ehrenpreise. Das war nicht immer einfach“, erzählt Brehmer. „Da kam ich auf die Idee, selbst Ehrenplaketten zu entwerfen.“ Nicht irgendwelche, sagt Brehmer. Angemessen schien eine Abbildung des Rathauses. „Also machte ich mich an die Arbeit. Aus Knete habe ich das Rathaus als Relief angefertigt“, erzählt Brehmer und schmunzelt. Er muss daran denken, wie er sich mühen musste, bis er das Haus richtig ins Bild gebracht hatte. „Davon habe ich dann eine Form hergestellt.“ Nun stand der Herstellung von Ehrenpreisen eigentlich nichts mehr im Wege. Brehmer arbeitete zu jener Zeit im Raw. Dort bekam er Unterstützung. „Aus irgendeinem Material musste ich ja die Ehrenpreise gießen. Bei uns im Betrieb haben wir für die Nachfertigung von kleinen Bauteilen Polyurethan verwendet. Das Kunstharz erwies sich auch für die „Produktion“ der Rathausplakette als geeignet. Quasi als Beleg dafür hat Brehmer sein Erinnerungsstück mitgebracht, das er noch Zuhause in Ehren hält. Der Wittenberger hatte mit seinem Rathaus eine Marktlücke geschlossen. Das sprach sich ’rum. „Als die Zivilverteidigung für eine große Tagung noch Erinnerungsgeschenke brauchte, haben die Zuständigen bei mir nachgefragt. Ich hab’ gesagt: Klar, mach’ ich, ihr müsst mir aber das Kunstharz besorgen.“ Denn für derartige Mengen habe das Raw natürlich nicht aufkommen können.

Das mit dem Besorgen klappte. Im Gepäck der Tagungsteilnehmer reiste das Rathaus aus Polyurethan quer durch die DDR. Die Fingerfertigkeit von Siegfried Brehmer hatte sich herumgesprochen. Eines Tages kam sogar aus dem HO-Kunstgewerbegeschäft eine Anfrage, ob er nicht die Rathaus-Plaketten als Souvenir fertigen könne. „Dass es solchen Bedarf gibt, hätte ich nie gedacht“, sagt Brehmer und wundert sich noch heute darüber.

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