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Der Prignitzer

14. Dezember 2017 | 05:30 Uhr

Das Paradies im japanischen Stil

vom

svz.de von
erstellt am 16.Aug.2013 | 05:51 Uhr

Perleberg | Roswitha Neumann sitzt in dem kleinen Erker ihres Hauses. "Den hat mein Mann extra angebaut, damit wir auf den Garten blicken können", fügt die 82-Jährige an.

1976 kamen Reimund und Roswitha Neumann nach Perleberg. Er, Landwirt, übernahm die Leitung der LPG Pflanzenproduktion. Das Metier seiner Frau waren die Bücher. "Ich war Bibliothekarin." Als solche durfte sie sich zur Silberhochzeit ein Buch wünschen. "Ich habe mir eins über Japan ausgesucht", erzählt sie, damals wohl schon ahnend, dass es eines ihrer Lieblingsbücher werden würde.

In der Waldsiedlung bauten die Neumanns. Ein Haus ohne Garten, einfach nicht vorstellbar. An der Stepenitz legte Roswitha Neumann sich ihren englischen Garten an, hinterm Haus in den Wald hinein ihr Mann ein Paradies im japanischen Stil: Heute noch etwas Besonderes in der Gartenlandschaft, doch zu DDR-Zeiten ein absoluter Exot.

Fach- und Kunstbücher wurden gewälzt, Reimund Neumann lernte gar Japanisch an der Fachschule in Stendal. "Ein japanischer Garten ist eine Wissenschaft. Alles hat eine ganz bestimmte Bedeutung", weiß Roswitha Neumann. Berge werden beispielsweise von Steinen und kleinen Hügeln dargestellt, ein Teich repräsentiert das Meer. Es sei faktisch eine Miniaturlandschaft, die sich harmonisch in die Umgebung einpasse.

Auf dem 2000 Quadratmeter großem Grundstück sind so neben dem Haus verschiedene Gartenlandschaften entstanden, die für sich und zugleich im Ensemble den Betrachter förmlich fesseln. Der Bildhauer Guntram Kretschmar, ein enger Freund der Familie, schuf für den japanischen Garten nach einem Foto eine Laterne aus Sandstein, "so wie man sie in Kyoto im Original findet". Eine kleine Pagode, ein Torii, sprich ein hölzernes zinnoberrotes Tor, das in der japanisches Architektur die Grenze vom Profanen zum Sakralen markiert, kleine Teiche, Rhododendron, wie er seit altersher im Gebirge wächst, und Hybride - immer wieder entdeckt man etwas Neues, bedingt vor allem auch durch die asymmetrische, dezentrale Anordnung, was typisch ist für einen japanischen Garten. Holperige, unebene Wege zwingen einen zudem, nicht wahrnehmungslos durch den Garten zu gehen. Ein kleines Teehaus lädt zum Verweilen ein. "Hier treffen wir uns auch einmal im Jahr zur Teezeremonie", fügt die Hausherrin an.

Japanische Studenten, Freunde, Kenner der japanischen Landschaftsarchitektur sind dann Roswitha Neumanns Gäste und immer wieder beeindruckt von dem, was sich hier am Waldesrand ihrem Auge bietet. Sand, Kies und speziell Granitkies symbolisieren Wasser. Ein Muster aus Linien täuscht Wellen vor, Steine und Pflanzen, stets in ungerader Zahl, werden in der Mitte zu kleinen Inseln. Und dann das landschaftliche Pendant - Little Wade Blue Garden - "mein kleiner englischer Garten". Denn den an der Stepenitz habe sie längst aufgegeben, der riesige Garten hinterm Haus forderte auch das Händchen einer Frau. Seit ihr Mann vor fünf Jahren verstarb, schultert sie nun allein diesen. "Ab und an hole ich mir Hilfe." Ihn ab- oder gar aufgeben? "So lange ich es kann, werde ich ihn hegen und pflegen. Das habe ich meinem Mann versprochen. Zudem hält mich der Garten auch fit", sagt die 82-Jährige und stellt den Sprenger an. "Unter der Hitze leiden nicht nur wir Menschen."

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