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Der Prignitzer

23. August 2017 | 08:29 Uhr

Das OSZ bangt um Schulklassen

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Drei Ausbildungsgänge sind akut bedroht, weil es zu wenig Schüler gibt / Lösungssuche auf einem Krisentreffen

Die Lage ist ernst und daran mochte gestern niemand der Beteiligten etwas beschönigen. Die Wirtschaftsinitiative Westprignitz (WIW) hatte zusammen mit dem Oberstufenzentrum (OSZ) zu einem Unternehmerfrühstück in die Wittenberger Bildungseinrichtung eingeladen und Schulleiter Jan Meyerhoff leistete einen Offenbarungseid.

Die Schulklassen für die Berufe „Kaufmann für Büromanagement, Kfz-Mechatroniker und Industriemechaniker seien akut bedroht. Ihr Fortbestand sei an Mindestschülerzahlen gebunden, die das OSZ schon im laufenden Schuljahr nicht erreicht hat. 16 Schüler pro Klasse sei die unterste Grenze, der Richtwert sind 24 Schüler. „Wir haben zwölf Mechatroniker, 13 Bürokaufleute und beim Industriemechaniker liegen wir zwischen acht und zehn Schülern“, sagt Meyerhoff.

Bisher habe das Staatliche Schulamt die Augen zugedrückt, aber darauf könne sich das OSZ nicht verlassen. Und mit der Verlagerung des Schulamtes von Perleberg nach Neuruppin wachse nicht nur die räumliche Distanz. „Es wird nicht leichter werden, ich befürchte, man wird kritisch hinschauen“, sagt der Schulleiter.

Werde eine Klasse und damit ein Ausbildungsgang geschlossen, sei der definitiv weg. Ihn nach ein oder zwei Jahren wieder zu eröffnen, halte er für nicht realistisch. Das müsse verhindert werden, so Tom Buchholz, Geschäftsführer der Lebenshilfe und WIW-Vorstandsmitglied. „Wir erleben einen schleichenden Niedergang der Berufsausbildung in der Prignitz“, sagt Buchholz. Vielen Betrieben sei das noch nicht bewusst, aber langfristig werden sie das spüren.

Machen die Jugendlichen ihre mehrjährige Ausbildung woanders, steige die Gefahr, dass sie nicht zurückkehren. Die Prignitz würde noch mehr junge Leute, junge Familien verlieren. Ein Teufelskreis drohe. Gefragt seien die Unternehmen, sie müssen ausbilden, so Buchholz.

Rund 30 Ausbilder sowie Vertreter aus der Politik hatten die Einladung angenommen. Die Diskussion zeigte, dass beispielsweise die neu strukturierte Ausbildung zum Kaufmann für Büromanagement nahezu unbekannt ist. Niemand in der Runde konnte die Frage beantworten, welche konkreten Einsatzmöglichkeiten ein Absolvent mit diesem Abschluss hätte, welchen Nutzen der auszubildende Betrieb. Weder das OSZ noch die IHK konnten Antworten geben, die IHK wolle die Information nachreichen.

Einig war man sich darin, dass Schüler noch umfassender und konstanter über Ausbildungsmöglichkeiten informiert werden müssen. Das Berufliche Bildungszentrum erarbeitet ein Model mit neuen Angeboten, informierte Heidemarie Sappock und bat um Anregungen. Sie regte an, mehr Übernachtungsmöglichkeiten für Azubis zu schaffen, weil nicht jeder in der ländlichen Prignitz täglich fahren könne. Auch das sei ein Nachteil gegenüber Regionen mit einem großen ÖPNV-Angebot.

Fazit war gestern der Appell an die Betriebe, möglichst mehr Jugendliche in diesen drei Bereichen auszubilden bzw. den neuen Ausbildungsgang zum Büromanagement überhaupt erst einmal anzubieten.

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erstellt am 12.Jun.2014 | 22:18 Uhr

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