zur Navigation springen

Hilfe für Opfer von Straftaten : „Das lässt einen nicht so leicht los“

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Der Weiße Ring betreut seit Jahren in der Prignitz Opfer von Straftaten. Henk van Essen ist von Anfang an dabei

svz.de von
erstellt am 20.Feb.2016 | 10:00 Uhr

Zuhören, aufmuntern, Mut machen – das gehört für Henk van Essen zur täglichen Arbeit. Der 64-Jährige engagiert sich ehrenamtlich beim Weißen Ring in Perleberg und kümmert sich derzeit um vier Opfer von Straftaten. „In einem Fall betreue ich die Mutter eines Drogenabhängigen, der gerade im Gefängnis sitzt. Für die Frau ist es eine schwierige Situation, unter der sie leidet. Ihr Sohn hat große Probleme und sie kann nicht viel tun“, berichtet van Essen.

Er hat über die Jahre gelernt, von seiner Arbeit abzuschalten, wenn er nach Hause geht. Doch die Helfer werden mit ihren Gedanken nicht alleingelassen. „Einmal im Monat treffen wir uns zur sogenannten kollegialen Fallberatung, in der wir über die aktuellen Themen reden und uns gegenseitig Tipps geben.“ Aber einfach sei das Abschalten nicht immer. „In Wittenberge wurden zwei Kinder von einem Bekannten der Familie misshandelt. Nun betreue ich die Eltern und die Opfer. Das lässt einen nicht so leicht los.“

Neben zahlreichen Gesprächen ist es auch van Essens Aufgabe, die Betroffenen bei Ämtergängen zu unterstützen, mit ihnen zum Arzt zu gehen – oder zum Anwalt. „Wir können auf Juristen zurückgreifen, die beim Weißen Ring angestellt sind“, so van Essen. Die Helfer hören sich jeden Fall an, machen gegebenenfalls einen Termin bei der Polizei. Das Netzwerk des Weißen Rings ist beachtlich – wie auch die Finanzen, ohne die die umfassende Betreuung von Opfern nicht möglich wäre. „Der Gesamtetat beträgt bundesweit 15 Millionen Euro. Wir finanzieren uns durch Mitgliedsbeiträge oder Spenden. Außerdem bekommen wir auch einen Teil eines Bußgeldes, wenn der Richter dies in seinem Urteilsspruch festhält“, erklärt van Essen. Die Ehrenamtler bekommen nur Spesen erstattet.

Der gebürtige Niederländer lebt seit mehreren Jahren in der Prignitz. „Ich habe mit meiner Frau einige Jahre in Ostfriesland gelebt. Nach einigen Urlauben an der Elbe hat es uns vor sechs Jahren nach Perleberg verschlagen. Ich sage aber nicht, dass wir für immer hier bleiben“, meint van Essen und lacht.

Warum hat er sich für das Ehrenamt beim Weißen Ring entschieden? „Ich bin Wirtschaftsökonom und habe früher Betriebe saniert. Da musste ich schwierige Personalgespräche führen. Daher weiß ich, wie man auf Menschen eingeht.“ Zum Weißen Ring kam der 64-Jährige letztlich durch eine Zeitungsanzeige, in der Mitwirkende für eine Niederlassung in der Prignitz gesucht wurden.Zu seinen Kollegen gehören Hausfrauen oder auch ehemalige Polizisten. Wer mitmachen will, muss ein kostenloses Ausbildungsseminar besuchen. In diesem geht es um rechtliche Grundlagen und verschiedene Tatbestände wie Körperverletzung, Missbrauch oder Mobbing. „Später kann man sich durch weitere Wochenendseminare spezialisieren“, so van Essen, der die Perleberger Außenstelle des Weißen Rings stellvertretend leitet.

Besonders freut er sich über ein neues Projekt, bei dem Betroffene bei jeder Anzeige auf einem Polizeirevier ein Infoblatt des Weißen Rings mit den wichtigsten Angaben erhalten. „Ab Ende des Monats macht auch das Krankenhaus Perleberg bei dieser Aktion mit“, so van Essen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen