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Der Prignitzer

24. November 2017 | 16:16 Uhr

Das Königsgrab dreidimensional

vom

svz.de von
erstellt am 27.Feb.2013 | 09:26 Uhr

Seddin | Hoher Besuch gestern am Seddiner Königsgrab: Der Direktor des Brandenburger Landesamtes für Denkmalpflege und archäologischen Landesmuseums, Dr. Franz Schopper, sah sich gemeinsam mit Fachleuten der Beuth Hochschule für Technik Berlin die archäologische Stätte an. Fachleute des Berliner Labors für Photogrammetrie machten dabei erste Aufnahmen von der Grabkammer. Denn bei der Photogrammetrie handelt es sich um eine Gruppe von Messmethoden und Auswerteverfahren der Fernerkundung, um aus Fotografien und genauen Messbildern eines Objektes seine räumliche Lage oder dreidimensionale Form zu bestimmen.

Auf diese Weise, so erklärte Dr. Schopper auf "Prignitzer"-Nachfrage, seien bereits die Funde aus der Seddiner Grabkammer, die sich im Märkischen Museum Berlin befinden, "in einem ganz feinen Scannverfahren bildlich erfasst worden". Vorgesehen ist, so den eigentlichen Grabhügel mit der Kammer und den Funden einmal in dreidimensionaler Form darstellen zu können. Die wissenschaftliche Arbeit diene also durchaus auch einem kulturtouristischen Zweck, verdeutlicht Dr. Schopper. Denn mit den Forschungsergebnissen ergäben sich ganz neue Möglichkeiten, die alte Geschichte dieses Königsgrabes aus der jüngeren Bronzezeit um 800 vor Christi, das zu den bedeutendsten europäischen Fürstengräbern gehört, zu erzählen, den Besuchern nahe bringen zu können.

Denjenigen, die Sorge haben, mit den jetzt begonnenen archäologischen Untersuchungen und der touristischen Aufwertung des Königsgrabes werde dem Grabhügel seine ganz eigene Mystik genommen, hält Dr. Schopper entgegen: "Ich glaube viel mehr, dass der Hügel danach noch mystischer und prägnanter erscheinen wird".

Es sei ein großer Erfolg, mit dem Seddiner Königsgrab in das Exzellenzcluster-Programm des Bundes und der Länder zur Förderung von Wissenschaft und Forschung an deutschen Hochschulen gekommen zu sein, und zwar konkret mit dem Topoi-Projekt, das sich der Formation und Transformation von Raum und Wissen in den antiken Kulturen widmet. "Wir sind die einzigen aus Brandenburg, die mit aufgenommen wurden", sagt Dr. Schopper und verweist in dem Zusammenhang beispielsweise auf die Forschung über die skythischen Gräber, wie sie vor allem im heutigen Südrussland entdeckt wurden.

"1999, als wir den 100. Jahrestag der Entdeckung des Seddiner Königsgrabes begangen haben, wurde der Denkanstoß für das heutige wissenschaftliche und kulturhistorische Projekt gegeben", erinnert der Direktor des Landesdenkmalamtes. Und der Landkreis Prignitz habe mit seinen jährlichen Forschungsscheiben einen wesentlichen Beitrag geleistet, wie Ortrud Effenberger von der unteren Denkmalschutzbehörde betont.

Bis zur Fertigstellung ist es aber noch ein weiter Weg. Doch mit dem gestrigen Tag und den Arbeiten am Grabhügel sind die Forscher ein Stück weiter.

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