zur Navigation springen

Oldtimermuseum Perleberg : Das kleinste Radio der DDR

vom

Um zwei wahre Schätze reicher ist jetzt das Oldtimermuseum Perleberg. Noch dazu sind diese von ihren Ausmaßen her das kleinste und das größte Exponat, das man fortan den Besuchern im Ziegeleiweg präsentieren kann.

svz.de von
erstellt am 19.Dez.2011 | 07:26 Uhr

Perleberg | Um zwei wahre Schätze reicher ist jetzt das Oldtimermuseum. Noch dazu sind diese von ihren Ausmaßen her das kleinste und das größte Exponat, das man fortan den Besuchern im Ziegeleiweg präsentieren kann, betont Vereinsvorsitzender Frank Brauer.

Einen absoluten Knirps unter den Radios hat Rolf Decker dem Oldtimermuseum übergeben. "Es ist das kleinste Radio, das in der DDR verkauft wurde." Nur halb so groß wie eine Streichholzschachtel wurde "Mikro", so der Name, einst in der damaligen Sowjetunion produziert. "Ich habe mir schon den Kopf zerbrochen, wann und wo ich es gekauft habe", fügt der Perleberger an. Sicher sei er sich aber, dass er es hier erworben habe "und das muss Ende der 60er, Anfang der 70er Jahre gewesen sein". 1972 sei er nach Perleberg an die Unteroffiziersschule gekommen. "Ich weiß noch, bei einem Marsch von Sükow nach Schilde hatte ich das Radio unterm Stahlhelm und die Ohrhörer in den Ohren." All die Jahre habe ihn das "Mikro" bei der Truppe begleitet, wenn es ins Gelände ging. Dem Offizier gegenüber sagte er, er sei schwerhörig. Allerdings folgte die Retourkutsche auf dem Fuße. Decker musste zum Hörtest. "Doch auch da konnte man tricksen", gesteht er spitzbübisch.

Funktionstüchtig ist das Radio, das über Mittel- und Langwelle verfügte, nicht mehr. "Irgendwann ist es nass geworden", erzählt der heute 70-Jährige. Eine Rarität ist es dennoch. Schon in jener Zeit wurde es mit einem Knopfzellen-Akku betrieben. Und Rolf Decker plaudert ein wenig aus dem Nähkästchen: 1963 war ich zum Lehrgang im Grubenlampenwerk, erwarb hier die Befähigung zum Laden und zur Pflege von sogenannten Sammlern, wie Akkus bei uns hießen. Und da hatten wir auch schon diese Knopfzellen. Einige davon landeten in der Hosentasche. Pech nur, eine war undicht, die Kalilauge lief aus und zerfraß mir die Hosentasche."

So um die 65 Mark habe das Radio in Miniaturausgabe damals gekostet, erinnert sich Decker, der schon immer ein Faible für alles Kleine hatte. Daher auch seine Leidenschaft für die Modelleisenbahn und für Postautos. 1068 dieser Gefährte im Maßstab 1:87 aus Deutschland nennt er inzwischen sein Eigen. Übrigens, ein Teil ist auch im Oldtimermuseum ausgestellt.

Auf den größten Neuzugang fürs Museum stieß Vereinsmitglied Josef Gareis in einer alten Scheune in Burow. Hier stand ein alter Dreschkasten der Marke Claars. Auch die Firmierung der Vertriebsfirma Richter aus Pritzwalk ist noch deutlich zu erkennen. "Alles noch im Original, selbst die Farben und Zierlinien", betont Gareis. An dem Ende, wo die Säcke hingen, wurde einst mit Bleistift notiert, wie viele Säcke voll gedroschen wurden. "Auch das ist noch deutlich zu erkennen."

Hans-Peter Brinkmann hat das gute alte Stück, das schätzungsweise Ende der 20er Jahre gebaut wurde und noch voll funktionstüchtig ist, dem Oldtimermuseum geschenkt. Eigentlich war es schon fürs nächste Osterfeuer vorgesehen, doch bei den Oldtimerfreunden ist es zweifelsohne besser aufgehoben.

An die zwei Tonnen hievten Vereinsmitglied Fred Hamann und seine Helfer mittels elektrischer Winde auf den Hänger und transportierten den Dreschkasten nach Perleberg. Hier wird er nun zum Oldtimertreffen am 14. und 15. Juli 2012 seine Premiere haben. Angetrieben von einem Lanz Bulldog über einen Flachriemen aus Leder soll auf dem Areal am Radarhügel dann wieder ein Schaudreschen stattfinden, "dieses Mal aber mit unserem vereinseigenen Dreschkasten", fügt Frank Brauer an. Bis dato übernahmen das die Freunde aus Söllenthin. Mit großem Aufwand musste für zwei Tage ihre alte Technik nach Perleberg geschafft werden.

Bis der Dreschkasten längst vergangenen Zeiten wieder lebendig werden lässt, wird das historische Stück sprichwörtlich noch einmal auf Herz und Nieren durchgecheckt und aufgearbeitet.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen