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Bahnbetriebswerk Wittenberge : Das „Jahr der Eisenbahner“ naht

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Aus der Redaktion des Prignitzers

Alle zwei Jahre treffen sich die früheren Mitarbeiter des Wittenberger Bahnbetriebswerkes / 2016 ist großes Jubiläumsjahr

svz.de von
erstellt am 19.Okt.2015 | 12:00 Uhr

Im Jahr 1997 wurde das alte Bahnbetriebswerk dicht gemacht. Kontakt halten die ehemaligen Kollegen aber immer noch. Alle zwei Jahre treffen sie sich in lockerer Runde. Am Freitag bereits zum siebten Mal.

Mario Sembritzki, selbst noch im Ausbesserungswerk für Materialwirtschaft und Qualitätsmanagement zuständig, hatte in die Wittenberger Gaststätte „Zum Fuchsbau“ eingeladen. „Wir haben hier alle Berufe vertreten: Schlosser, Lokführer, Buchhalter, Lagermitarbeiter“, informiert er, während er durch die Reihen schaut. Angemeldet waren 50 Teilnehmer, aufgrund von Krankheit habe sich diese Zahl leider etwas reduziert. Dazu komme laut Sembritzki, dass einige jüngere Kollegen, die heute noch im Raw beschäftigt sind, Spätschicht hätten und nicht teilnehmen können. Die Stimmung leidet darunter jedoch nicht, man fachsimpelt, plaudert und lässt bei dem ein oder anderen Bier alte Zeiten wieder aufleben. Gerade flimmern Fotos der neuesten Generation von Hilfszügen über die Leinwand. Für die älteren Kollegen sei es immer wieder spannend, die neue Technik in Augenschein zu nehmen. Dafür biete sich dieses Treffen an. Man wolle laut Sembritzki mit den Abenden nicht nur die alten Kontakte lebendig halten, sondern auch ein Stück Eisenbahngeschichte bewahren, vieles ginge sonst im Laufe der Zeit immer weiter verloren.

Gudrun Wessalowski ist eine der wenigen Frauen, die sich in die Herrenrunde eingereiht haben. Sie selbst sei zum ersten Mal hier dabei. „Im Januar 92 musste ich aufhören beim BW. Mir hat die Arbeit immer gefallen. 1970 fing ich an bei den Lokputzern. Wir waren da alles Frauen, vier oder fünf Kolleginnen und eine Chefin – haben Dampfzüge gereinigt.“

Später habe sie in der Kantine vom Werk gearbeitet, seit 1975 im Lager. Ob sie heute ihre ehemaligen Kollegen auf der Straße trifft? „Viele kenne ich, aber manche erkenne ich heute nicht mehr“, spielt sie schmunzelnd auf das Alter an. Dann vertieft sie sich wieder in ein Gespräch.

Nächstes Jahr stehen mehrere Jubiläen an. 170 Jahre ist es dann her, dass die Eisenbahnstrecke der Berlin-Hamburger Bahn fertiggestellt wurde. Dem Bahnhof Wittenberge kam dabei auf halber Strecke immer eine besondere Bedeutung zu. Auch als Standort eines Ausbesserungswerkes kann Wittenberge dann auf 140 Jahre Tradition blicken. Wie wird das gefeiert? „Man kann sagen, nächstes Jahr wird das Jahr der Eisenbahner“, ist sich Mario Sembritzki sicher. „Früher war überall zu lesen, Wittenberge sei die Stadt der Nähmaschinen. Die Eisenbahner sind da immer zu kurz gekommen, obwohl es über 5000 Mitarbeiter in den Betrieben gab. Die ganze industrielle Entwicklung der Stadt ist mit der Eisenbahn verbunden. Selbst heute gehört die Bahn immer noch zu den größten Arbeitgebern.“

Und einiges an Aktionen ist für das Jubiläumsjahr auch schon geplant. So werde es einen Tag der offenen Tür beim Ausbesserungswerk geben. Außerdem sei eine Ausstellung im Stadtmuseum mit der Traditionsgemeinschaft Deutsche Reichsbahn angesetzt, die in Zusammenarbeit mit Birka Stöwesand vom Museum erstellt wird.

Als Mario Sembritzki kurz um Ruhe im Saal bittet und fragt, wer von den Kollegen Lust hätte, dass Treffen außerplanmäßig im nächsten Jahr gleich wieder stattfinden zulassen, kommt die Antwort: „Gerne öfter“. Die Eisenbahner genießen das Treffen sichtlich. „Die älteren Kollegen gehen gegen 22 Uhr, der harte Kern bleibt sicher bis nach Mitternacht“, ist sich Mario Sembritzki sicher.

 

 

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