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Der Prignitzer

14. Dezember 2017 | 14:10 Uhr

„Das ist wie bei einer Hexenjagd“

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Aida-Elefant sorgt für Riesen-Wirbel / Frankellos wehren sich gegen Vorwürfe / Vor Entscheidung Dialog auf Augenhöhe gefordert

svz.de von
erstellt am 22.Feb.2016 | 16:11 Uhr

Frankellos können es noch immer nicht fassen. Selbst beim Frühstück lässt sie eine Geschichte nicht los, die ihnen seit Tagen schmerzlich an die Nieren geht. Nachdem sich in der vergangenen Woche die Meldung „Intendant probt mit Elefanten“ wie ein Lauffeuer in ganz Deutschland verbreitet hatte, löste das in den Medien und vor allem in Sozialen Netzwerken einen Riesen-Wirbel aus.

„Dass unsere Elefantendame Mala bei Verdis Oper Aida im Rahmen der Schweriner Schlossfestspiele den Triumphmarsch anführen soll, hat uns schon ein wenig stolz gemacht“, meint Sonni Frankello. Doch aus seinem Traum wurde über Nacht ein Albtraum.

Befürworter eines Wildtierverbotes für Zirkusse, denen sich erst wenige Tage zuvor auch die Schweriner Stadtvertreter mehrheitlich angeschlossen haben, finden die Idee des scheidenden Theater-Intendaten Joachim Kümmritz, große Tiere auf die Schweriner Sommerbühne zu holen, nicht lustig und laufen dagegen Sturm.

„Das ist wie bei einer Hexenjagd“, ringen Frankellos im Gespräch mit unserer Zeitung um Fassung. Schon vor rund vier Jahren war Kümmritz auf der Suche nach tierischen Statisten für sein großes Theaterprojekt nach Platschow – seit Ende der 1990er Jahre Wahlheimat der Zirkusfamilie Frankello – gefahren. Dabei hat er die Elefanten, Kamele, Seelöwen, Pferde, Lamas und Laufenten hautnah erlebt, die Lebensgeschichte der Dickhäuter erfahren und die 31-jährige Elefantenkuh Mala offensichtlich ins Herz geschlossen.

Mala kam 1987, kurz vor dem Inkrafttreten des Washingtoner Artenschutzabkommens, das die Einfuhr von Wildtieren nach Europa streng regelt, zu den Frankellos. „Sie ist mit unseren Kindern zusammen aufgewachsen.“ Nicht nur der etwa gleichaltrige Sohn Erwin, der als Dompteur längst in die Fußstapfen seines berühmten Vaters getreten ist, hat mit Mala ganz selbstverständlich gespielt.

„Tiere und vor allem Elefanten gehören seit Generation bei uns zur Familie. Wir leben, leiden und freuen uns mit ihnen“, betont Sonni Frankello. Da bekommt der Begriff „Wildtier“ eine ganz andere Bedeutung.

Nachdem Frankellos zunächst wie bis dato fast alle Zirkusse mit ihren Tieren auf Tournee gingen, reifte vor zwölf Jahren der Entschluss, neue Wege zu gehen und auf dem Elefantenhof im heimischen Platschow für jedermann ein Naturerlebnis mit Elefanten und anderen Tieren ins Leben zu rufen. Die Zirkuswelt beäugte das Projekt ebenso wie Tierschützer zunächst skeptisch.

Experten, darunter Verhaltensforscher, Tierpsychologen, Biologen mit Wildtierspezialisierung, zahlreiche Behördenmitarbeiter und Tiermediziner gaben sich in Platschow seitdem die Klinke in die Hand. Es wurden die Haltungsbedingungen genau unter die Lupe genommen, Tieruntersuchungen vorgenommen, unzählige Auflagen erteilt und sogar Stresstests während der Fahrt der Dickhäuter im Spezialtransporter gemacht. Zu den Experten gehörte beispielsweise der international anerkannte Verhaltensbiologe Dr. Immanuel Birmelin, der nach eigener Aussage „weiß, wie Tiere denken und fühlen“ und damit ihren Bedarf und ihre Bedürfnisse einschätzen kann.

„Es gab stets positive Bewertungen“, sagt Sonni Frankello, der selbst seit rund 45 Jahren mit Elefanten arbeitet. Danach ist er sich sicher: „Für Mala wäre der Auftritt auf der Opernbühne nichts Besonderes. Ganz im Gegenteil, sie ist mit Begeisterung bei der Sache und hat mehrere Aida-Aufführungen in Stuttgart und Belgien problemlos gemeistert.“

Das Echo aus Schwerin und darüber hinaus – wie Sonni Frankello meint, von Leuten denen Sachkenntnis vielfach fehlt – überrascht ihn sehr. Immer wieder wurde er in den zurückliegenden Jahren mit den Elefanten in die Landeshauptstadt geholt. Da gab es 2005 die Imagekampagne der Landesregierung „Einfach anfangen“. Da waren die Dickhäuter aus Platschow wieder einmal die gefragten Fotoobjekte. Auch der Schweriner Zoo wollte seit 2001 auf regelmäßige Gastauftritte der grauen Riesen aus Platschow nicht verzichten. „Wir waren mit den Elefanten bei fünf europäischen Königshäusern zu Gast und durften 2010 sogar die Weltbühne beim Internationalen Zirkusfestival in Monaco betreten“, erinnert Sonni Frankello.

Dort wurde er als weltbester Elefantendompteur ausgezeichnet. „Millionen Leute haben uns begeistert gefeiert, mehr als 250 000 Besucher waren schon in Platschow, um den großen Tieren einmal ganz nahe zu sein. Wir haben Todkranken ihren Wunsch erfüllt, auf einem Elefanten zu reiten und behinderten Kindern einen Erlebnistag organisiert. Da sind die Vorwürfe unbegreiflich“, meint der Dompteur.

Unakzeptabel sei für Frankellos die Tatsache, dass der Aida-Auftritt nun sogar für die Profilierung von Lokalpolitikern herhalten muss. „Der Schweriner Stadtvertreter Silvio Horn, der auch neuer Oberbürgermeister werden will, spricht davon, dass der Elefantenauftritt dem Tierschutz mitten in Gesicht tritt. Gleichzeitig ist der Mann Aufsichtsratsvorsitzender des Schweriner Zoos, der Wildtiere in Gehegen ausstellt“, sagt Sonni Frankello und ist stinksauer.

„Ich maße mir nicht an, über politische Entscheidungen in Schwerin zu richten. Wir stellen uns dem Dialog und erwarten, dass zeitnah Gespräche auf Augenhöhe stattfinden. Danach wird es eine Entscheidung geben. Das Wohl unserer Tiere hat unabhängig vom wirtschaftlichen Schaden, der uns bei einer Absage droht, Priorität“, stellt Sonni Frankello klar.  

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