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ODEG machtlos : Das ist der Bummelzug Deutschlands

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Der Regionalexpress 2 über Wittenberge ist das größte Sorgenkind des Nahverkehrs in Brandenburg. Die IHK schaltet sich in die Debatte ein.

Im Schnitt nur jeder zweite Zug ist pünktlich. Der mit den gelb-weißen Triebwagen der Ostdeutschen Eisenbahn gefahrene Regionalexpress 2 ist eine der am meisten verspäteten Bahnlinien der Region. „Zwischen zwei und 45 Minuten, im Einzelfall sogar zwei Stunden“ kämen die von Wismar über Schwerin, Wittenberge und Berlin nach Cottbus fahrenden Züge zu spät, sagt Wolfgang Krüger. Der Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Cottbus stellte gestern eine Studie zur Pünktlichkeit der ODEG-Züge vor.

„Diese Linie hat eine große Bedeutung für die Wirtschaft“, sagte Krüger. Denn zwischen Wismar und Cottbus fahren täglich gut 25 000 Menschen mit dem RE 2. Die Meisten davon pendeln zur Schule oder Arbeit. „Und es ist die Frage, wie lange es sich ein Unternehmen leisten kann, dass Angestellte regelmäßig zu spät zur Arbeit kommen“, begründet Krüger den ungewöhnlichen Schritt, dass sich eine IHK beim Thema Nahverkehr einmischt.

Wichtigste Ursache der andauernden Verspätung ist der Studie zufolge ein zu enger Fahrplan für die 389 Kilometer lange Nahverkehrslinie. „Zwischen Wittenberge und Berlin gibt es eine hohe Zahl verspäteter Fernverkehrszüge“, sagt der Sprecher des Fahrgastverbands „Pro Bahn“,  Prof. Ulrich Knauer, der im Auftrag der Cottbuser IHK für die Studie verantwortlich zeichnete. Dazu ist die Strecke zwischen Lübbenau und Cottbus nur eingleisig und manche Bahnhöfe, wie Berlin-Spandau seien an der Grenze ihrer Kapazität. Kaum Schuld an dem Debakel habe dagegen der Bahnbetreiber ODEG, dessen Züge von Studienautor Dieter Doege sogar als „spurtstark“ gelobt wurden.

Die in der Studie gemachten Vorschläge zur Verbesserung der Pünktlichkeit sind allerdings nicht ohne Weiteres umsetzbar: Genannt wird etwa eine Verschiebung der An- und Abfahrtzeit in Cottbus, die dann aber die Anschlüsse in Bad Kleinen platzen lassen würde. Denkbar sei es, die Züge aus Wismar künftig nach Ludwigsfelde statt nach Cottbus fahren zu lassen, um die Streckenlänge zu verkürzen. Oder der RE 2 wird in einen westlichen und einen östlichen Teil gespalten, und die Züge enden beide in Berlin.

Nötig sind der Studie zufolge auch bauliche Veränderungen. Das unterstützt auch Arnulf Schuchmann, Sprecher der Geschäftsführung der ODEG. Von den 1300 monatlichen Zügen des RE 2 seien im Januar bereits etwa 300 verspätet gewesen. Der Bereichsleiter Nahverkehr des Verkehrsverbunds Berlin-Brandenburg, Hans Leister, dementierte dagegen, dass es überhaupt ein Pünktlichkeitsproblem gebe. Schon seit November, als die durchs Hochwasser bedingten Umleiterzüge wieder von der Strecke verschwanden, habe sich die Püntklichkeit des RE2 deutlich verbessert. Zudem werde es im Dezember 2015 einen neuen Fahrplan geben, der die Situation nochmals voranbringe.

Der Brandenburger CDU-Verkehrspolitiker Rainer Genilke forderte einen „realistischen Fahrplan“ für den RE2. Neubauten, wie die Ausweiche in Kunersdorf, oder ein zusätzliches Gleis in Königs Wusterhausen, seien inzwischen dringend erforderlich. „Es kann nicht sein, dass zunächst die Bahnstrecke Berlin-Cottbus für Unsummen ertüchtigt wird, und der Zug dann eine der am stärksten verspäteten Linien der ganzen Region wird.“



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erstellt am 24.Jan.2014 | 00:34 Uhr

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