Clara-Zetkin-Park Wittenberge : „Das Grün für Zukunft bewahren“

Veronika Krause (l). mit Kerstin Meierholz vom Awo-Pflegezentrum.
Veronika Krause (l). mit Kerstin Meierholz vom Awo-Pflegezentrum.

Seniorin Veronika Krause hat genaue Vorstellungen, wie der Clara-Zetkin-Park sich entwickeln soll

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14. März 2018, 12:00 Uhr

Dass der Clara-Zetkin-Park umgestaltet werden soll, freut auch Veronika Krause. „Er war zu meiner Kinder- und Jugendzeit ein wichtiger Treffpunkt in der Stadt“, erinnert sich die heute 85-Jährige, die im Awo-Seniorenzentrum „Am Clara-Zetkin-Park“ lebt. Von ihrem Zimmer aus hat sie einen direkten Blick auf den Park.

„Mein Opa saß dort mit seinen Freunden. Sie haben Karten gespielt oder sich einfach unterhalten“, berichtet die rüstige Seniorin. Sie kennt den Park aus der Zeit, als er noch ein Friedhof war. „Zu meiner Kindheit wurden dort noch Bestattungen vorgenommen, auch wenn es nicht mehr viele waren, weil es ja schon den anderen Friedhof gab.“ Das schöne Grün von damals solle auch künftig bewahrt werden. „Ich habe mal das Wort ,dschungelich’ gebraucht“, erzählt Veronika Krause lachend. Bäume, Hecken und Sträucher sollten gepflanzt werden, „und zwar so, dass auch lauschige kleine Bereiche entstehen“. Früher seien die Wege fester gewesen, erinnert sich die Seniorin. „Da konnte ich noch mit dem Kinderwagen durch den Park.“ Das solle auch künftig wieder möglich sein, regt sie an. Ein fester Boden sei auch besser für Rollatoren und Rollstühle, ergänzt Veronika Krause. Außerdem sei es wichtig, genug Bänke am Spielplatz aufzustellen. „Ein WC wäre auch schön.“

Eines liegt ihr besonders am Herzen: Die Erinnerung an die Juden, die einst im KZ-Außenlager in den Zellstoff- und Zellwollewerken unter größtenteils unmenschlichen Bedingungen schuften mussten. Veronika Krause weiß, wovon sie spricht. Sie machte in der Zellwolle ab 1949 eine Ausbildung zur Laborantin. „Wir waren in den Baracken untergebracht, in denen vorher die Juden lebten. Das erzählte damals ein Kollege.“ Und einige Jahre zuvor, 1943/44, hatte sie ein einschneidendes Erlebnis auf dem Raw-Gelände. „Ich sollte dort jemanden abholen und neugierig wie ich war, schaute ich in eine der Baracken. Da blickten mich viele Augen an, Mütter mit ihren Babys, die unter schlimmen Bedingungen zusammen waren. Da begann ich, den Faschismus zu hassen“, sagt Veronika Krause mit fester Stimme. Sie sei sehr katholisch erzogen worden. Wie mit den Juden umgegangen wurde, war für sie ein Schock.

Im Clara-Zetkin-Park befindet sich auf der Seite zur Perleberger Straße und angrenzend an die Krausestraße eine jüdische Begräbnisstätte. Diese bleibt von der Umgestaltung des Parkgeländes unberührt, sagt Peggy Heyneck, im Bauamt zuständig für das Projekt. Wie sie erklärt, handelt es sich um jenen Begräbnisplatz, den die jüdische Gemeinde von Wittenberge für Beisetzungen ihrer Mitglieder hatte zugewiesen bekommen.

Für das Parkgelände beginnt jetzt nach der jüngsten Vorstellungs- und Austauschrunde mit Bürgern die konkrete Planung. Auf dieser Grundlage, so Heyneck, können genauere Aussagen zu den Kosten getroffen werden. Das sei dann auch die Basis, um die Fördermittel dann zu beantragen.

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