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Sturmfolgen im Landkreis Prignitz : Das große Aufräumen nach „Xavier“

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Aus der Redaktion des Prignitzers

Friedhof, beide Parks und der Stadtwald in Wittenberge bis auf Widerruf gesperrt. Wasserversorgung in Quitzöbel fiel aus. Tierpark geschlossen.

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erstellt am 06.Okt.2017 | 17:15 Uhr

Zahlreiche Einsatzkräfte der Feuerwehr und des Technischen Hilfswerkes, des Landesbetriebs Straßenwesen sowie der Kommunen waren gestern weiter mit dem Beheben der Sturmfolgen beschäftigt. Im Vordergrund stehe die Einschätzung der Schäden und die Beseitigung akuter Gefahren, sagte der Leiter des Katastrophenschutzes des Landkreises Prignitz, Erich Schlotthauer. Alle Bundes-, Landes- und Kreisstraßen seien wieder befahrbar, wenn auch zum Teil mit Einschränkungen. Eine Ausnahme bildet die Landesstraße 12 zwischen Lenzersilge und Laaslich. „Dort sind 29 Eichen umgestürzt. Die Straße ist komplett gesperrt“, informierte Ingo Matthaes vom Landesbetrieb Straßenwesen in Quitzow. Die Mitarbeiter werden heute die Schäden beseitigen, so dass die L12 im Laufe des Tages wieder befahrbar sei. Der Landesbetrieb war seit Donnerstagnachmittag mit allen verfügbaren Kräften „14, 15 Mann im Einsatz“. Sie werden auch die nächsten Tage mit Aufräumarbeiten tun zu haben.


Montag wieder Schule


An der Jahn-Schule Pritzwalk, deren Dach beschädigt wurde, beginnt am Montag wieder der Schulbetrieb. „Handwerker und Fachfirmen haben alle losen Teile am Dach beseitigt und provisorische Reparaturen vorgenommen. Es besteht keine Gefahr mehr“, sagte Fachbereichsleiter Daniel Sachs gestern. Bisher sei keine Feuchtigkeit ins Gebäude eingedrungen. Das Dach müsse erneuert werden, eine Reparatur sei nicht möglich. Das gehe nur in Absprache mit der Versicherung.


Massive Stromausfälle


Im Bereich des Westprignitzer Trink- und Abwasserzweckverbandes (WTAZV) fiel in mehreren Wasserwerken der Strom aus. In Bendelin, Groß Warnow, Bad Wilsnack, Seetz, Nebelin und Glöwen wurde der Betrieb durch Notstromaggregate gesichert. In Glöwen fiel dieses gestern Morgen aus, da der Treibstoff verbraucht war und neuer herangeschafft werden musste. Dadurch hatten große Teile Glöwens zeitweise kein Wasser. In der Oberschule mit Grundschulteil Glöwen fiel daher der Unterricht aus.

Die größten Probleme hatte der WTAZV mit dem Wasserwerk Quitzöbel. Dort war der Strom ausgefallen und die Anlage verfügt über kein Notstromaggregat, die Wasserversorgung fiel aus. Gestern Vormittag war die Wemag dabei, die Stromversorgung für die Anlage wiederherzustellen.

Genauso wie in vielen anderen Bereichen der Prignitz. Wie Wemag-Pressesprecherin Diana Kuhrau vormittags mitteilte, sei die Lage in der Prignitz noch angespannt. Besonders betroffen waren die Bereiche um Glöwen, Lübzow, Boberow, Bentwisch und Lenzen. „Hier sind auf einigen Stromtrassen zum Teil sehr große Bäume gefallen. Dazu wird die Störungsbeseitigung durch die sehr feuchte Witterung und die Zuwegung zum Schadensort durch Baumumbrüche teils massiv beeinträchtigt“, so Kuhrau. Die Wemag habe einen Krisenstab eingerichtet. Wie sie weiter mitteilte, sollten in der vergangenen Nacht voraussichtlich noch Kleinow Ausbau, Groß und Klein Warnow, Bootz, Lenzersilge und Bendelin Ausbau ohne Strom gewesen sein.

Bei der EDIS waren am Freitag noch Teile der Prignitz in den Versorgungsbereichen Kyritz und Heiligengrabe von Stromausfällen betroffen.

Große Probleme gab es gestern beim Bahnverkehr. Bahnmitarbeiter beseitigten zwischen Groß Warnow und Karstädt Schäden an der Bahnstrecke. Die Odeg meldete viele Oberleitungsschäden, der RE 2 verkehrte bis Freitagabend nicht zwischen Wismar und Berlin.


Fahrgäste gestrandet


In Karstädt waren am Donnerstag 130 Fahrgäste des RE 2 gestrandet. Sie wurden versorgt und setzten später nach Angaben der Odeg mit Taxen den Weg zu ihren Zielen fort. Auch in Glöwen mussten festsitzende Fahrgäste betreut werden, die dann mit anderen Verkehrsmitteln weiterfuhren. Einem Teil wurden Schlafmöglichkeiten in der Karstädter Löcknitz-Halle und in der Feuerwehr Glöwen zur Verfügung gestellt. In Wittenberge hatte der Sturm 400 Quadratmeter Dachpappe vom Denkmal-Lokschuppen gerissen und auf die Gleise der Magdeburger Strecke geschleudert. Bahnmitarbeiter, Stadtbetriebshof und Vereinsmitglieder räumten gestern die Schienen.


Dank an Kameraden


Für die Kameraden der freiwilligen Feuerwehr gingen nach der kurzen Nacht und 69 Alarmierungen am Donnerstag die Einsätze weiter. Insgesamt 99 standen mittags zu Buche. „Ich bedanke mich bei den Kameraden, den Mitarbeitern unseres Betriebshofs und allen anderen Einsatzkräften für ihr großes Engagement“, so Wittenberges Bürgermeister Oliver Hermann. Schadenssichtung und -behebung bestimmten den Tag der Betriebshofsmitarbeiter. Bis Mittag hatten sie auf dem Friedhof 40 fast oder ganz umgestürzte Bäume erfasst. „Der Friedhof muss in der nächsten Woche noch gesperrt bleiben“, sagt Betriebshofchef Andreas Grieswald. „Die Bestattungen sichern wir ab“, verspricht er. Verboten ist in der Elbestadt bis auf Widerruf das Betreten beider Parks und des Stadtwalds. Es besteht Lebensgefahr, so Bauamtsleiter Martin Hahn. Und auch das eine Sturmfolge: In zahlreichen Straßen der Elbestadt war der Kabelempfang ausgefallen. Der Betreiber Telekabel Nord wollte die Schäden weitgehend bis zum gestrigen Abend beheben.


Tierpark geschlossen


Eine Spur der Verwüstung hinterließ der Sturm auch in Perleberg. Auf dem Grahlplatz und am Einkaufsmarkt in der Lindenstraße bot sich ein Bild von umgestürzten Bäumen und abgebrochenen dicken Ästen. Folgende Straßen sind bis auf weiteres gesperrt: Neuer Hennings Hof bis Quitzow, von Sükow nach Quitzow, die Wittenberger Straße/Wittenberger Chaussee von Kreuzung Bahnübergang bis Einmündung Eichhölzer Chaussee. Die Zufahrt der Anlieger bis zur Aufhebung der Sperrung wird gewährleistet, hieß es aus der Stadtverwaltung.

Geschlossen bleibt der Tierpark am Wochenende und wohl auch die nächste Woche. „Selbst dann werden wir erst die wichtigsten Wege beräumt haben “, schätzt Tierparkleiter Michael Niesler. Stadtbetriebshof und gestern die Dittmer GbR sind im Einsatz „und auch alle meine Mitarbeiter. Wir ziehen am Wochenende durch“, betont Niesler. Das Ausmaß an Schäden könne er noch gar nicht einschätzen, „es ist enorm“. Die Stadtverwaltung weist nachdrücklich darauf hin, besondere Aufmerksamkeit in öffentlichen Grünanlagen walten zu lassen. Denn auch der Hagen und die Parks sind vom Sturm gezeichnet. Perlebergs Stadtförster Stefan Koepp unterstreicht, dass der Wald nicht betreten werden darf. „So ein Sturm wirkt bis zu vier Wochen nach. Bäume können immer noch umstürzen, Kronen herunterkommen.“

 

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