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Der Prignitzer

18. November 2017 | 07:49 Uhr

Das Glück auf der Mühlentreppe

vom

svz.de von
erstellt am 31.Aug.2012 | 10:12 Uhr

Wolfshagen | Das Glück auf der Treppe zur Wolfshagener Mühle - zumindest in Buchstabenform ist es vorhanden. Die Horster Künstlerin Katja Martin hat die Buchstaben für das Foto auf den Stufen angeordnet. Gedacht ist das goldene Glück aber viel mehr für ein altes Möbelstück, ein Bord aus DDR-Zeiten. Auf der Rückseite fand die Horsterin noch ein Informationsblatt, das darauf verweist: Das Bord stammt aus dem Jugendmöbelprogramm. Die goldenen Buchstaben will sie nun wie eine Art Leuchtreklame auf dem Bord befestigen. Und aus dem Innenleben soll dann so einiges herausquellen. Aber halt, das ist schon ein Vorgriff auf das Wochenende, denn da nimmt Katja Martin gemeinsam mit ihrem Lebenspartner, dem Horster Künstler Jost Löber, am Brandenburgtag in Lübbenau teil.

Sie hatten sich an einer entsprechenden Ausschreibung beteiligt und die Einladung erhalten. Katja für ihr Projekt des Umwandlungsbüros, mit dem sie im vergangenen Jahr schon erfolgreich an der Kunstausstellung Art-Brandenburg teilgenommen hatte. Umwandlungsbüro steht für die Umgestaltung alter, ungeliebter Möbelstücke in Kunstobjekte.

Im vergangenen Jahr hatte sie ihre performative Kunstaktion im Wolfshagener Mühlengebäude eröffnet, hatte so einigen ausrangierten Möbeln ein völlig neues Leben eingehaucht. Ob die grüne Wiese auf dem ehemaligen Stuhl, der Schrank, der zu Nautilus wurde, oder das Kinderbett mit dem jetzt ganz anderen Innenleben - der künstlerischen Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.

Doch noch etwas anderes fasziniert die Künstlerin an diesem Projekt. Und zwar die gute Möglichkeit, darüber mit den Menschen ins Gespräch zu kommen. Die Möbelspender erzählen Geschichten, die sich mit den nun ausrangierten, nicht mehr benötigten Stücken verbinden, Kunstinteressierte wiederum interpretieren, was daraus entstanden ist. "Sich Gedanken über Gegenstände zu machen, hat etwas mit Nachhaltigkeit zu tun, es passt zur Situation in der Region", beschreibt Katja Martin. Denn es verändere sich so viel, gerade auf dem Lande, der demografische Wandel, die Dörfer, die teilweise ein neues Bild erhielten, die Probleme, die damit verbunden seien. Gerade am Ort Wolfshagen ließe sich das gut nachvollziehen. Einst Gutsdorf, dann zu DDR-Zeiten neben der Landwirtschaft die Industriealisierung, heute wieder teilweise beschaulich mit Rückbesinnung auf alte Traditionen aber auch mit den Problemen, die die Erhaltung gerade der alten Bausubstanz mit sich bringe.

Katja Martin ist der festen Ansicht, dass man kreativ mit solchen Entwicklungen umgehen müsse, "das 100. Museum mit den gleichen Stücken aus bäuerlicher Zeit bringt es nicht, für mich muss Geschichte lebendig bleiben, das ist mir wichtig". Ihr Umwandlungsbüro soll ein Beitrag dafür sein. Allerdings ist das Atelier in dem Wolfshagener Mühlengebäude in diesem Jahr bislang eher sporadisch besetzt, denn die studierte Bildhauerin ist derzeit auftragsmäßig sehr gefragt.

Doch in Vorbereitung des Brandenburgtages zog die Horsterin wieder in die Mühle ein, zumindest für ein paar Tage, um alles für ihren Stand in Lübbenau vorzubereiten. Mit dabei dann auch die so genannten Hilfsobjekte. Hinter diesem Begriff verbergen sich kleine Materialcollagen der Künstlerin. Ähnlich wie die Möbel-Metamorphosen gehe es ihr dabei um den Dialog mit dem Betrachter.

Vor allem aber "bin ich ein Freund davon, dass jeder Kunst haben sollte", gesteht sie. Doch sie wisse auch, dass nicht jeder sich Kunstobjekte leisten könne. Deshalb will Katja Martin mit den Hilfsobjekten ein Angebot machen, das auch für den kleineren Geldbeutel geeignet sei.

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