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Betrug in Perleberg : Das Geschäft mit der Einsamkeit

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Perlebergerin wird Opfer einer vermeintlichen Partnervermittlung

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erstellt am 08.Dez.2015 | 08:00 Uhr

Mit der Einsamkeit von alten Menschen in der Prignitz wollen Betrüger offensichtlich ein Geschäft machen und Geld verdienen. Zu diesem Schluss kommt Kriminaltechniker Jens Nering.  Er berichtet von einem Vorfall in Perleberg, bei dem die 67-Jährige Helga M. (Name von der Red. geändert) viel Geld verloren hat.

„Helga M. bekam einen Anruf, obwohl ihre Nummer gar nicht im Telefonbuch steht“, schildert Nering. Die Frau hatte sich privat an ihn gewandt.  Offensichtlich wusste die Anruferin, dass Helga M. geschieden oder verwitwet ist, aber in jedem Fall alleinstehend. Ob sie auf Partnersuche sei, wurde sie gefragt. Als sie das bejahte, schlug die Anruferin ein persönliches Treffen vor.

Kurios: „Nur wenige Minuten später stand die Anruferin vor der Haustür“, so Nering. Sie habe auch gleich einen Vertrag dabei gehabt. Mittlerweile kennt Nering dessen Inhalt und warnt: „Als einzige Leistung steht darin die Herstellung eines Freizeitkontakts.“ Das habe nichts mit einer Partnervermittlung zu tun, das könne auch der Kontakt zu einem Sportverein sein.

Die finanzielle Forderung lautet 1800 Euro für eine sechsmonatige Betreuung. Im Gegenzug würde die Firma  Kontakte zuschicken. „Es steht aber nicht im Vertrag, auf welche Weise das erfolgt“, sagt Nering. Auch die vorgeschriebene Widerrufsbelehrung gebe es offensichtlich nicht.

Damit nicht genug. Parallel zu diesem Vertrag wurde Helga M. ein zweiter Vertrag vorgelegt. Dieser beinhaltet ein Schuldanerkenntnis: 75 Euro monatlich, Laufzeit 24 Monate.  Sollte der Schuldner mit einer Rate in Verzug sein, würde der Gesamtbetrag sofort fällig. Beide Verträge zusammen ergeben eine Summe von 3600 Euro. Dann habe die Vermittlerin Helga M.  aufgefordert, sechs Überweisungsträger zu unterschreiben, ohne jedoch eine Summe einzutragen, so Nering.

Vor allem das Schuldanerkenntnis sei ein Problem. Dieses müsse losgelöst vom ersten Vertrag gesehen werden und sei kaum aufkündbar. Den ersten Vertrag könnte man per Widerruf im Nachhinein kündigen. „Eine 14-tägige Frist schreibt der Gesetzgeber vor. Wenn aber wie in diesem Fall geschehen nicht darauf hingewiesen wird, verlängert sich die Frist auf zwei Jahre“, erklärt der Polizist.

Er warnt eindringlich vor dieser Masche und geht davon aus, dass es noch mehr Opfer in der Prignitz gibt. „Keine solchen Verträge unterschreiben, keinesfalls ein Schuldeingeständnis und auch keine Überweisungsträger“, fasst er zusammen.

Unsere Redaktion hat gestern die  Firma mit einer Mail angeschrieben. Darin haben wir  die Geschäftsführerin mit den Vorwürfen konfrontiert und gefragt, ob sie tatsächlich u. a. mit Schuldanerkenntnissen und nicht ausgefüllten Überweisungsformularen arbeitet. Bis Redaktionsschluss hatten wir weder eine Abwesenheitsnotiz noch eine schriftliche oder telefonische Reaktion zu den Fragen bekommen.

Die Polizei ermittelt nicht, da keine Anzeige vorliegt.    Im Internet listet die Rechtsanwaltskanzlei Thomas Hollweck diese Partnervermittlung  als gegnerische Partei auf, das sei aber kein Hinweis, dass dieses Unternehmen unlautere Geschäfte mache. Nering rät Betroffenen, sich an einen Anwalt  bzw. die Polizei zu wenden. Auch unsere Redaktion können Sie informieren.

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