Beliebter Flohmarkt : Das Geheimnis von Haaren

Jörg Mensfeld (l.) hat Interesse an der Marionette von Roland Mengel. Beide werden sich einig.
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Jörg Mensfeld (l.) hat Interesse an der Marionette von Roland Mengel. Beide werden sich einig.

Ein Bummel über den beliebten Flohmarkt in einem kleinen Dorf mit ganz viel Herz

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14. Mai 2017, 21:00 Uhr

Stau in Haaren. Wer am Sonnabend zum Flohmarkt des winzig kleinen Dorfes will, braucht Geduld in mehrfacher Hinsicht. Da kann es passieren, dass Anreisende minutenlang warten müssen, weil ein Schwung Autos vom Parkplatz rollt. Wer sich vor dem Bummel mit einer Bockwurst stärken möchte, steht um 12.30 Uhr vor leeren Töpfen. Je 150 Bock- und Bratwürste samt der 300 dazugehörigen Brötchen sind ausverkauft. „Wir holen gerade Nachschub“, sagt Kathrin Grützmacher vom Organisationsteam. Sie tröstet mit Kuchen, der dazugehörige Kaffee ist alle. „Wir kochen frischen.“

Es ist nicht so, dass die Haarener unerfahren in Sachen Feste wären oder ihre Besucherzahlen unterschätzen. Aber egal wie gut sie sich vorbereiten, der Ansturm wird von Veranstaltung zu Veranstaltung größer. 50 Verkaufsstände waren geplant. „60 Händler hatten sich im Vorfeld angemeldet, gekommen sind noch mehr“, so Kathrin Grützmacher.

Seit 5 Uhr sind sie und ihre Mitstreiter auf den Beinen, wenig später kamen die ersten Autos vorgefahren, obwohl offizieller Beginn erst 8 Uhr war. Wer nach Gründen für diese Beliebtheit sucht, kann bei Sigrid Schulz anfangen. Sie ist seit dem ersten Flohmarkt dabei: „Das Dorf ist klein, der Markt gemütlich.“ Sie kommt aus Quitzöbel, bietet vorwiegend Kindersachen an. Auch Grillbücher seien heute gefragt. „Man trifft Leute, die ich teils jahrelang nicht gesehen habe, wir erzählen miteinander. Es ist einfach ein entspannter Tag im Grünen.“

Bücher, Videokassetten deren Cover vergilbt sind, ausrangierte Blumentöpfe, alte Gläser, Spielzeug. Es gibt nichts, was sich nicht auch auf anderen Märkten finden ließe. Vieles geht für einen Euro weg. Aus den geforderten 30 Euro für eine DDR-Fahne, werden nach dem Handeln 15 Euro.

Roland Mengel hat für einen Zehner eine Marionette angeboten. „Ich bin zufrieden mit meinem Umsatz, der Tag hat sich gelohnt“, meint der Düpower. Eigentlich sei er immer Besucher, heute erstmals Verkäufer. „Man hat so viele Dinge, die man nicht mehr anfasst, aber andere freuen sich darüber.“

Den gleichen Gedanken formuliert Norbert Neumann aus Nitzow. Seit bei ihm aus zwei Haushalten einer wurde, fährt er zu Flohmärkten. In Haaren war er mehrfach und auch heute wohl nicht das letzte Mal. Als Nachbarn bei einigen Regentropfen eilig zusammenpacken, bewahrt er die Ruhe: „Ein echter Trödler lässt sich davon nicht vertreiben.“

Doris Huth schlendert von Stand zu Stand. Hier findet sie ein Bierglas aus Lübz, dort ein Kinderbuch. Das sei perfekt, denn bald komme ihr siebenter Enkel zur Welt. Sie schwatzt mit den Händlern, erzählt aus ihrem Leben, über ihre Arbeit und wer ihr zuhört, der darf von ihren Gummibären naschen. Man kennt sich nicht und doch wirkt der Flohmarkt wie ein großes Familientreffen. Vielleicht ist das das große Geheimnis von Haaren.

Es gibt wieder Bock- und Bratwurst, am Kuchenbüfett duftet es nach Kaffee. Geduld braucht, wer abfährt. Ein Autocorso schiebt sich in Richtung Parkplatz.

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