zur Navigation springen
Der Prignitzer

22. November 2017 | 19:25 Uhr

Das Fiasko kam im vergangenen Jahr

vom

svz.de von
erstellt am 29.Mär.2011 | 06:05 Uhr

Karstädt | "Hiermit wird das Ende des Bierpubs ,Ins Kaff bekannt gegeben" - seit dem 15. März hängt dieses Schild an der Gaststätte in Karstädts Marktpassage. Geschlossen sind auch das dazugehörige Bistro "Mac Kaff" und das "Eis Kaff ee". Betreiber Gordon Strecker gab auf und meldete Insolvenz an (wir berichteten).

"Das tut wahnsinnig weh, denn dieser Beruf war für mich mehr als ein Job", blickt der 36-Jährige auf die Jahre seit 1998 zurück, als er den Pub eröffnete und damit vor allem jugendliches Publikum ansprach. Einen Draht zur Jugendarbeit hatte Gorden Strecker, der in der Lehr- und Studienzeit in der Berlin-Brandenburgischen Landjugend ehrenamtlich sehr aktiv war, schon immer. "Die ersten Jahre waren Wahnsinn - viele Gäste und Events", resümiert Strecker.

Besonders an den Wochenenden wurde das "Kaff" zum Anlaufpunkt für auswärts arbeitende, lernende und studierende Jugendliche. Auch zahlreiche Klassentreffen fanden hier statt, ebenso Vereinsveranstaltungen. Mit dem "KaffnRoll" machte sich der Jung unternehmer überregional einen Namen und wurde Gastgeber für Nachwuchsbands bis hin nach Berlin und Hamburg. Ein Sky-Beamer verriet am Abendhimmel, dass im "Kaff", in der Mehrzweckhalle oder auf der Freilichtbühne wieder was los ist.

Zur festen Größe wurde das Karstädter Oktoberfest, das Strecker 1999 aus der Taufe hob. Gemeinsam mit Thomas Wurbs organisierte er 2000 erstmals den Karstädter Weihnachtsmarkt und hat ebenso Aktien an der Gewerbeausstellung in der Marktpassage sowie dem Seifenkistenrennen im Gewerbegebiet.

"Eigentlich hätte ich schon 2009 die Notbremse ziehen müssen, weil ich in dem Jahr einiges an Schulden abtragen konnte. Doch brachte 2009 auch Hoffnung, dass sich der positive Trend fortsetzt", resümiert Strecker. 2010 wurde jedoch zum Fiasko - Investitionen zahlten sich nicht aus, der Sommer war kein Renner, auch gab es Besuchereinbrüche beim Oktoberfest. Der Januar/Februar 2011 brachte gerade mal so viel, dass die fixen Kosten für einen Monat bezahlt werden konnten.

Unter der angespannten Situation litt auch die Familie - Strecker lebt mit einer Lebensgefährtin zusammen, hat mit ihr zwei Kinder. Strecker weiß, dass man hinterher immer klüger ist, er selbst Fehler machte, teils falsche Investitionen vornahm bzw. sich übernahm und nicht immer die richtige Beratung hatte. Den Rückgang an Gästen führt er unter anderem auf eine "massive Abwanderung junger Leute zurück, die sich auch nicht mehr in dem Maße mit ihrem Ort identifizieren". Und: Kannte er früher viele Besucher aus Jugendklubzeiten, fehlt jetzt diese Kontaktebene.

"Manch einen hat auch die strenge Umsetzung des Rauchverbots in meinen Räumen fern gehalten", mutmaßt Strecker. Wovon er von Anfang an nicht profitieren konnte, ist die Lage in der hinteren Marktpassage. "Wir sind zwar im Ort, aber weit weg."

Jetzt also die Reißleine, das Insolvenzverfahren, die Beantragung einer Hartz IV-Bedarfsgemeinschaft. Lange werde er diese Leistungen nicht in Anspruch nehmen, so Strecker, dafür sei er zu ungeduldig. Ob er in den erlernten Erzieherberuf einsteigt oder wieder auf dem Veranstaltungssektor tätig wird - Letzteres dürfte eher wahrscheinlich sein. Das Ziehen der Reißleine brachte auch die Entlassung von zwei festen Mitarbeitern, einer Neben- sowie 400 Euro-Kraft. Weiteres Personal wurde bereits im vergangenen halben Jahr reduziert. Übrigens: Die 2. Ultimative Schlagernacht am 2. April in der Löcknitzhalle mit Schlagerstar Wolfgang Ziegler findet trotz Insolvenz statt. Strecker übergab die Regie an den Mankmußer Veranstaltungsservice.

Reaktionen:

  • Dietmar Dahse, Gast- und Erbhof Glövzin: „Es stimmt mich traurig, dass Gorden Strecker aufgeben musste, denn er hat eine Menge gemacht und experimentiert.“

  • Eckhard Wonneberger, Landgasthof Karstädt: „Jeder hatte sein Publikum und ergänzte sich mit unterschiedlichen Veranstaltungen.“

  • Udo Staeck, Bürgermeister: „Gorden Strecker hat mich über den Insolvenzantrag informiert und erklärt, dass er versuchen will, wieder auf kultureller Strecke tätig zu sein, was wir als Gemeinde sehr begrüßen würden.“
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen