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Radtourismus in der Prignitz : Das E-Bike ist noch die Ausnahme

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Aus der Redaktion des Prignitzers

Interesse steigt zwar, aber Vermieter sprechen nur von geringen Zahlen. Ältere wissen jedoch die Vorteile zu schätzen.

An Elektro-Fahrrädern scheiden sich in der Prignitz noch die Geister. Am Elberadwanderweg verspüren Vermieter ein wachsendes Interesse an elektrisch unterstützten Zweirädern, in Städten wie Perleberg und Pritzwalk ist die Resonanz dagegen geringer und eine Anschaffung der nicht billigen Gefährte scheint derzeit noch unwirtschaftlich. Einige Verleiher gehen trotz der Schwierigkeiten diesen Weg, stoßen aber auf ein Problem. Einem Teil der potenziellen Kunden sind die sehr günstigen Verleihpreise in der Prignitz, die deutlich unter denen anderer Regionen liegen, immer noch zu hoch.

„Wir haben zwei E-Bikes im Angebot, die gut nachgefragt werden. Vor allem Ältere nutzen sie, um etwas weitere Touren auf dem Elberadwanderweg und durch die Prignitz in Angriff zu nehmen. Das bietet sich aufgrund der Weitläufigkeit auch an“, sagte Nancy Hermann vom Wittenberger Hotel Ölmühle.

Steigende Verkäufe von Elektro-Fahrrädern und eine steigende Zahl an Nachfragen nach der Ausleihe entsprechender Gefährte haben Fachhändler Detlef Schukat aus Wittenberge veranlasst, für das nächste Jahr Elektro-Fahrräder in das Verleihprogramm auszunehmen. Die Zielgruppe sieht er nicht nur in Senioren. „Es sind auch das Abenteuer und das Experimentieren, die viele Zweiradfreunde reizen“, meint er.

So etwas wie eine Stammkundschaft hat sich bei Steffen Raugsch in Wittenberge herausgebildet. „Einige ältere Damen leihen sich regelmäßig Elektro-Fahrräder aus und sind immer sehr zufrieden.“ Gelegentlich muss er im Sommer schon auf ein privates Reserverad zurückgreifen oder noch ein zusätzliches beschaffen.


Anspruchsvolle Nutzer

Aber auch Kehrseiten des Beförderungsmittels kennt Raugsch. „Ich biete die Räder schon seit drei Jahren an, das ist einigen trotz bester Wartung nicht mehr gut genug.“ Ein besonderes Problem sind für ihn Nutzer, die unterwegs mit dem E-Bike „experimentieren“. Und dann nach dem Laden den Akkus schräg einschieben, woraufhin das Rad natürlich nicht elektrisch weiterrollt, was prompt einen Hilferuf zur Folge hat.

„Wir setzen weiter auf unsere mit Muskelkraft betrieben Räder“, sagt Hans-Jürgen Kiefer vom Gästehaus in Perleberg, der auch mit vielen Hotels und Gastronomiebetrieben kooperiert. Anfragen nach E-Bikes gibt es bei ihm kaum. Daher und wegen des nicht unerheblichen finanziellen und technischen Aufwandes verzichtet er vorerst auf E-Bikes „Der Radtourismus ist hier abseits des Elberadwanderweges noch nicht so weit entwickelt.“

Ähnliche Erfahrungen hat Arno Wachter von der Firma Spieker in Pritzwalk gemacht. „Hier fehlt noch die Basis für Elektroräder, selbst günstige normale werden nur wenig ausgeliehen. Daran haben auch Aktionen wie das Aufstellen von zehn Rädern am Bahnhof und die ohnehin günstigen Gebühren wenig geändert. Anfragen zu E-Bikes gebe es nur ein oder zwei im Jahr. Eine deutliche Veränderung sei nur möglich, wenn die Prignitz insgesamt noch stärker für den Fahrradtourismus erschlossen werde.

Und ein zweites Hemmnis kommt noch hinzu. Viele, die mit dem Zweirad die Region erkunden wollen, nutzen dafür ihr eigenes. „Das sehe ich an den vorbeifahrenden Autos mit den Zweirädern auf dem Dach oder der Hängerkupplung und an jenen, die ihre Bikes bei uns reparieren oder einstellen lassen“, so Wachter.

Auf eine etwas andere Nutzergruppe zielen die Stadtwerke Pritzwalk ab. Ihre beiden E-Bikes stehen den Kunden zur Verfügung und werden besonders an Wochenenden nachgefragt.


Gefragt für Naturtouren


„Fahrradverleih in der Prignitz ist stets ein Nebengeschäft, davon allein kann man nicht leben“, resümierte Fachhändler Ralf Behrens aus Lenzen. „Dennoch bemühe ich mich, als Verleiher den Kunden immer moderne und zuverlässige Zweiräder zur Verfügung zu stellen und habe als erster in der Region E-Bikes ausgeliehen. Inzwischen befinden sich sechs im Bestand, die auch gut angenommen werden. Besonders oft werden sie ausgeliehen, wenn Gäste der Region weitere Touren unternehmen wollen oder sich größere Gruppen auf den Weg mache, zu denen auch ältere Touristen oder Naturfreunde gehören, die mithalten wollen.“

Zwei Räder mit elektrischer Unterstützung werden auch am Bahnhof in Bad Wilsnack verliehen. Sie finden besonders im Sommer großen Anklang, wenn Touren auf dem Elberadwanderweg anstehen. Dabei lockt meist der Spaßfaktor Radler aller Altersklassen, einmal ein E-Bike zu besteigen.

 

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erstellt am 12.Mai.2016 | 14:00 Uhr

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