Auferstehung eines Kult-Zuges : Das dritte Leben der Baureihe ET 403

Der ET 403 in Putlitz: Eine Zuggarnitur stand knapp zehn Jahre auf den Abstellgleisen in der Prignitz. Das Foto vom April 2009 zeigt  den Zug von Vandalismus und Witterung gezeichnet.
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Der ET 403 in Putlitz: Eine Zuggarnitur stand knapp zehn Jahre auf den Abstellgleisen in der Prignitz. Das Foto vom April 2009 zeigt den Zug von Vandalismus und Witterung gezeichnet.

Im Jahre 2000 von der Prignitzer Eisenbahngesellschaft gekauft, rottete der ICE-Vorgänger zehn Jahre in Putlitz vor sich hin – Nach einem Besitzerwechsel soll er jetzt wieder auferstehen

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27. Februar 2014, 08:00 Uhr

Eingeschlagene Scheiben, kaum ein Quadratzentimeter ohne Graffiti, Schimmel in aufgerissenen Sitzpolstern und in der Umgebung verstreutes Inventar: Das Bild, das der in Putlitz abgestellte Triebzug der Baureihe ET 403 im Frühjahr 2009 bot, ließ sich allenfalls mit Worten wie „bemitleidenswert“ oder „jämmerlich“ umschreiben. Damals berichtete der „Prignitzer“ über die Pläne, die die Prignitzer Eisenbahngesellschaft einst mit den insgesamt drei Zuggarnituren realisieren wollte und gab in der Überschrift des Beitrages die Einschätzung eines Eisenbahnexperten des Technikmuseums Berlin wieder: „Das Objekt wird sterben“.

Irreparable Korrosions- und Vandalismusschäden, mögliche Asbestverseuchung und die lange Standzeit ließen wenig Grund zur Hoffnung, den einstigen Paradezug der Deutschen Bahn – der technologisch als Wegbereiter der heutigen ICE-Züge gelten kann – auch nur als Ausstellungsstück zu erhalten, zumal Museen kein wirkliches Interesse zeigten. An eine betriebsfähige Aufarbeitung war nicht annähernd zu denken.

Erhalt nur mit „rollender“ Nutzung
Umso mehr überrascht, dass sich das Blatt doch noch gewendet hat. 2010 stellte die PEG die drei Züge zum Verkauf, ein Privatmann erwarb sie und stellte sie dem Eschenauer Kulturlokschuppen, einem Eisenbahnverein in Mittelfranken, zur Nutzung und Vermarktung zu Verfügung. „Für ein Objekt dieser Größe ist musealer Erhalt faktisch nur mit gleichzeitiger Nutzung möglich“, sagt Tobias Richter, Geschäftsführer von National Express Deutschland, einer Tochter des britischen Verkehrskonzerns National Express, und zudem Vorsitzender des Kulturlokschuppens. „Allein die Unterstellkosten für einen 100 Meter langen Zug sind so hoch, dass sie kein Verein aufbringen kann, vom Platzproblem ganz zu schweigen.“ Dies sei, so vermutet Richter, auch der Grund für das Desinteresse der Eisenbahnmuseen gewesen – Nürnberg hätte allenfalls einen Endwagen des Zuges ausgestellt. „Ähnliche Probleme gab es auch bei anderen Triebzügen wie dem als TEE bekannten VT 11.5, und es wird auch in Zukunft auftreten, wenn in 20 oder 30 Jahren mal ein ICE museal erhalten werden soll. Ein Triebzug muss rollen und Geld erwirtschaften, sonst ist er nicht zu unterhalten.“

So gab es für Richter und seine Mitstreiter nur den Weg über ein solides Nutzungskonzept. „Der Kulturlokschuppen verhandelt mit National Express über eine Anmietung der Fahrzeuge für 15 Jahre“, sagt Richter. Das Unternehmen habe mehrere Ausschreibungen für SPNV-Leistungen in Nordrhein-Westfalen gewonnen und wolle einen der Züge als Repräsentationsfahrzeug und Werbeträger einsetzen. „Der Vertrag ist unterschriftsreif“, kommentiert er den Verfahrensstand.

Am Anfang der Bemühungen zur Rettung der insgesamt drei Züge stand die Klärung wichtiger Fragen, um die Erfolgschancen des Projekts überhaupt abschätzen zu können. „Neben der Finanzierung mussten wir den technischen Zustand der Fahrzeuge ermitteln, es galt, die Betriebs und Zulassungsdokumente auf Vollständigkeit zu überprüfen, Beschaffungsquellen für Ersatzteile auszuloten und nicht zuletzt die rechtlichen Belange der erneuten Zulassung mit dem Eisenbahnbundesamt abzuklären“, erklärt Tobias Richter. Dann erst wurde die Rollfähigkeit der Züge wiederhergestellt und die Einheiten nach Halberstadt bzw. Neustrelitz überführt.

Die ganze Geschichte um die Wiederauferstehung des ET 403, die technischen und logistischen Schwierigkeiten sowie die Entwicklungs- und Einsatzhistorie dieses ungewöhnlichen Technologieträgers lesen Sie in unserer Printausgabe oder im E-Paper.

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