Tauchturm Wittenberge : Das Atlantis der Prignitz

Tauchlehrer Ralf Baumann probt die Rettung eines Verunglückten im Tauchturm.
Tauchlehrer Ralf Baumann probt die Rettung eines Verunglückten im Tauchturm.

Retter trainieren den Ernstfall: Ab Sonntag abtauchen und die versunkene Ölmühle entdecken

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09. Juli 2015, 08:00 Uhr

Das Wasser schimmert blau, der Blick verliert sich in der Tiefe. Gefühlt könnte jeden Moment ein Rochen elegant das Wasser durchpflügen. Platsch. Ein Taucher springt ins Wasser, lässt sich hinab sinken. Einen Rochen wird er nicht entdecken, auch keinen bunten Clownfisch – dafür wird er das Atlantis der Prignitz sehen. „Wir haben 3D-Bilder an der Wand befestigt. Sie zeigen die versunkene Ölmühle“, sagt Lutz Lange, Gesellschafter der Genesis GmbH. Sie eröffnet diesen Sonntag den einzigen öffentlichen Tauchturm ganz Norddeutschlands. „Ganz bewusst haben wir uns gegen Karibikmotive entschieden“, sagt Lange. Der Tauchturm als weiteres Puzzleteil auf der Ölmühle soll nicht wie ein Fremdkörper wirken, sondern zur Region und zu dem historischen Ensemble passen.

Dienstagabend gab es eine Übung. Im Beisein von Notärzten und der Wasserwacht wurde ein Tauchunfall simuliert. Jeden einzelnen Schritt mussten die Beteiligten proben: Von der Bergung des Verunglückten aus dem Wasser bis hin zum Absetzen des Notrufes und der Wiederbelebung. Das Ergebnis ist eine Liste mit Vorschlägen an die Betreiber. Als schwierig erwies sich das Herausholen der Person aus dem Wasser. Die Differenz zwischen Wasser und Steg ist zu hoch. „Wir brauchen ein Hilfsmittel, um sie zu überbrücken“, sagt Ernst Günter Böhmfeld, Wasserwacht Wittenberge.

Notarzt Christian Berndt regt die Installation eines Alarmknopfes an, der Beschäftigte auf der Ölmühle über einen Unfall informieren soll. Dr. Thomas Libuda, Chefarzt der Klinik für Anästhesie und Intensivmedizin am Kreiskrankenhaus Perleberg, schaut sich den Rettungsweg auf der schmalen Treppe an. „Hilfreich wäre ein Handlauf auf der rechten Seite, damit Träger einen festen Halt haben“, sagt er. Auch ein Automatisierter Defibrillator (AED, ugs.: Laiendefibrillatoren) sollte im Turm vorhanden sein. Gerade für Laienhelfer seien diese mittlerweile weit verbreiteten Geräte bei einem möglichen Herzstillstand des Opfers eine gute Sache. Lutz Lange notiert diese Vorschläge, will sie umsetzen. „Beim Handlauf werden wir mit der Bauaufsicht sprechen müssen“, sagt er.

An der Übung nimmt Ralf Baumann teil. Er wird als Tauchlehrer für die Genesis GmbH arbeiten. In Plau am See betreibt er seit 17 Jahren eine eigene Tauchschule, blickt persönlich auf 27 Jahre Taucherfahrung zurück. Gemeinsam mit Böhmfeld und den Notärzten bespricht er weitere Details. „Mit Tauchunfällen haben wir in der Region bisher keine Erfahrung“, sagt Libuda. Vieles müsse bedacht werden, vor allem, wenn eine Druckkammer für eine Dekompression nötig sein sollte. In diesem Fall müsste der Patient schnell nach Berlin verlegt werden. Da sei es gut, dass der Rettungshubschrauber direkt auf der Ölmühle landen kann, und bei Dunkelheit könnte ein Flieger den Patienten in Perleberg übernehmen. Der Landeplatz am Krankenhaus ist für Nachtlandungen offiziell zugelassen.  

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