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Internationaler Museumstag : „Darf’s auch etwas mehr sein?“

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Dittmerschen Kolonial- und Delikatesswarenladen öffnete zum internationalen Museumstag

von
erstellt am 18.Mai.2015 | 12:00 Uhr

Zwei Heringe – ein Groschen, zwei saure Gurken – 15 Pfennige. Das macht 25 Pfennige würde die alte Registrierkasse im Dittmerschen Kolonial- und Delikatesswarenladen anzeigen, wenn sie dann noch funktionierte. Den fast 120 Jahre alten Laden aber gibt es noch, auch wenn man hier nicht mehr einkaufen kann. Er ist einer der Hingucker des Perleberger Stadt- und Regionalmuseums. 1988 erwarb die Einrichtung dieses Kleinod Perleberger Verkaufskultur, das einst in der Wittenberger Straße 2 stand.

Neben Waren des täglichen Bedarfs gab es hier eben auch jene, die nicht in Deutschland hergestellt wurden, sondern aus den Kolonien kamen, erläutert Frank Riedel, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Museums, den Besuchern. Zum gestrigen internationalen Museumstag hat er den kleinen Dittmerschen Laden wieder geöffnet.

Kaffee, Tabak, Rohrzucker, allerlei Gewürze füllten die 99 Schübe im großen Schrank, ebenso wie Maccaroni, Mehl und die unterschiedlichsten Sorten Sago, Graupen und dergleichen. „Alles gab es lose – heute schon von wegen der Hygiene gar nicht mehr denkbar“, ergänzt Frank Riedel, der in standesgemäßer Robe hinter dem Ladentisch die Kundschaft an diesem Tag statt mit Perleberger Senf oder saurem Hering aus der Tonne mit Informationen „bedient“. Selbst Benzin bekam man in dem kleinen Tante Emma-Laden, wie er später im Volksmund hieß. „Autos gab es zu der Zeit nicht viele, Tankstellen keine, also tankte man in der Apotheke oder bei Tante Emma. Benzin gab es hier in Flaschen“, erfährt man vom Museumsmitarbeiter.

Um 1880, wo Deutschland Kolonien erwarb, entstanden die ersten Kolonialwarenläden, die zumeist mit Geschäften, in denen es Waren des täglichen Bedarfs oder eben Delikatessen gab, gekoppelt waren. Vom Hosenknopf über Puddingpulver bis zum Ofenrohr bekam man hier alles, weiß Frank Riedel zu berichten.

Bis nach dem 2. Weltkrieg waren die Kolonialwarenläden verbreitet, ihre Hochzeit hatten sie in der erste Hälfte des 20. Jahrhunderts. Verblichene Schriftzüge an alten Häusern künden ab und an noch davon. Übrigens, auch die Aldi-Brüder begannen einst mit so einem Kolonialwarenladen und machten daraus einen Weltkonzern. Was wäre wenn die Dittmersche Dynastie damals derartige Ambitionen gehegt hätte. Perleberg als Geburtsstätte eines Riesenkonzerns? Darüber zu philosophieren, das hat schon einen gewissen Charme.

Während im Westen bereits in den 50er Jahren die ersten Supermärkte die kleinen Geschäfte immer mehr verdrängten, hielten sich diese im Osten noch, allerdings wechselten vielfach die Besitzer – eingekauft wurde fortan im HO und im Konsum. Mit dieser Entwicklung blieb auch die Kommunikation immer mehr auf der Strecke. „Ohne miteinander zu reden hat man früher absolut nichts bekommen“, weiß Frank Riedel noch aus eigener Erfahrung. Den Hosenmatz mit Zettel einkaufen zu schicken, wenn er noch nicht lesen kann – geht nicht mehr, es sei denn, er merkt sich alles und weiß wo es steht. Anschreiben? Früher gang und gäbe, heute schon etwas Besonderes, eine Nische, um als Kleiner zu bestehen.

Doch nicht nur die Verkaufskultur hat sich gewandelt, auch das Zahlungsmittel. Zehn Pfennig oder auch ein Groschen genannt – bei den Älteren werden da Erinnerungen wach. Der Nachwuchs hingegen macht große Augen als er als kleine Einkaufsüberraschung einen Pfennig aus der Privatsammlung vom Museumsmitarbeiter bekommt.  

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