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Oldtimermuseum Perleberg : Dampfmaschine auf Abstellgleis

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Aussichten auf Fördermittel für notwendigen Anbau an Oldtimermuseum laufen derzeit gegen Null

von
erstellt am 08.Dez.2017 | 05:00 Uhr

Die Aussichten, dass die Dampfmaschine demnächst ein richtiges Domizil in Nachbarschaft des Oldtimermuseums bekommt und man hier dann authentisch nachvollziehen kann, was deutsche Ingenieure vor fast 100 Jahren bereits vermochten, sind gelinde gesagt trübe. Wie die Stadtverordneten dem Bericht der Verwaltung zur Recherche von Fördermitteln entnehmen konnten, gibt es keine bzw. sind die Chancen nahezu aussichtslos. Die Leaderförderung greife innerhalb der Stadtkulisse nicht, die Denkmalpflege fördere nur Industriedenkmäler, die Kulturförderung nur museale Präsentationen, Lottomittel gebe es nur bis zu 30 000 Euro, listete Henry Schweigel, Fachbereichsleiter Bildung, Soziales, Integration, Jugend und Sport bei der Stadt, auf. Was bleibt ist die sogenannte dritte Förderperiode Stadtumbau, die 2018 aufgelegt werden soll und eine größere Gebietskulisse vorsehe. Das Oldtimermuseum würde in diese fallen und gar einen, wie von der Stadt angestrebten attraktiven Übergang zum Neubaugebiet Ost schaffen. Ob das allein aber ausreiche, wagen selbst Fachleute zu bezweifeln. Zudem weiß niemand, welche Prämissen im Förderprogramm gesetzt werden.

Und auch die Messlatte der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) liegt extrem hoch, verlangt ein die klimatischen Ressourcen schonendes Bauen. Die Dampfmaschine in einem Holzhaus?

Der Nachweis, dass das technische Kleinod, Baujahr 1923, übrigens das letzte seiner Art in der Region, schon vor fast 100 Jahren effizient mit Holz Wärme erzeugte und Energie zum Antreiben von Produktionsprozessen lieferte, dürfte da die kleinste Hürde sein. Denn das hat die Stadt bereits wissenschaftlich angepackt. Sie nahm Kontakt zur Technischen Uni Magdeburg und den dortigen Technischen Museum auf.

Inzwischen ist die Stadt Eigentümerin der Dampfmaschine, erhielt sie geschenkt. Und sie wollte sie auch, dafür sprach sich nicht zuletzt die Stadtverordnetenversammlung aus allerdings mit dem Auftrag an die Bürgermeisterin, Fördermöglichkeiten auszuloten. Die Aussichten darauf sind jedoch alles andere als rosig.

Die Oldtimerfreunde, die die die Dampfmaschine gern präsentieren wollen, heben sprichwörtlich die Hände. „Was wir machen konnten, haben wir gemacht“, betont Vereinsvorsitzender Frank Brauer. Am 7. Oktober haben sie die Dampfmaschine in den Hangar des Aeroclubs umgesetzt. Aus Sicht des Vereins seien die für die Unterbringung der Dampfmaschine am Oldtimermuseum veranschlagten Kosten von 150 000 Euro gewaltig hoch gegriffen. Das Argument der Stadt: „Es soll kein Provisorium werden.“ Die Dampfmaschine solle nicht schlechthin ein Ausstellungsstück sein, sondern lebendiges Zeugnis von einer Zeit ablegen, in der es bereits energieeffiziente Produktionskreisläufe gab. So konnte die Feuerung der Dampfmaschine mit Sägespänen betrieben werden, der riesige Kessel wurde mit Wasser aus der fabrikeigenen Wasserversorgung gespeist. Zwei Gatter, ein Doppelsäumer sowie mehrere kleinere Anlagen wurden durch die Dampfmaschine angetrieben, über einen Generator wurde Strom erzeugt und mit der Abluft die Zimmerei beheizt sowie Holz getrocknet. Faktisch ein technisches Multitalent, das da bis 1986 in Betrieb war und nun auf dem Abstellgleis steht.

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