Dampflokfreunde: "Ludmilla" kommt

<strong>Stadtführer</strong> Jürgen Schmidt vor der  Dampflok von 1939, die ebenfalls zum Vereinsbestand gehört. Neben den Veranstaltungen, die die Dampflokfreunde anbieten, gibt es auch spezielle Angebote des Kultur- und Tourismusbetriebes. Schmidt führt  als Eisenbahner ins Depot. <foto> Gerhard Baack</foto>
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Stadtführer Jürgen Schmidt vor der Dampflok von 1939, die ebenfalls zum Vereinsbestand gehört. Neben den Veranstaltungen, die die Dampflokfreunde anbieten, gibt es auch spezielle Angebote des Kultur- und Tourismusbetriebes. Schmidt führt als Eisenbahner ins Depot. Gerhard Baack

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29. Januar 2013, 09:50 Uhr

Wittenberge | Die Dampflokfreunde im Historischen Lokschuppen Wittenberge sind glücklich: Sie können ihren Fuhrpark um drei Loks vergrößern. Und nicht nur das. Es handelt sich um Diesellokomotiven, wie sie typisch für die 70er und 80er Jahre am hiesigen Bahnstandort bzw. für das Bahnbetriebswerk waren, sagt Dirk Endisch, 2. Vorsitzender der Dampflokfreunde. Der Verein ist im letzten Jahr von seinem bisherigen Standort Salzwedel in den wieder aufgebauten denkmalgeschützten Lokschuppen im alten Bw umgezogen. Fördermittel machten die Sanierung möglich. "Uns geht es derzeit wie jedem Mieter, der eine neue Wohnung bezieht", sagte der Vizevereinschef gestern. "Wir sind dabei uns einzurichten, mit allem, was dazu gehört: Lager Werkstatt, Büroräume. Viel Arbeit eben für alle."

Aber zurück zur neuen alten Technik, die die Sammlung des Eisenbahnmuseums - denn um ein solches handelt es sich offiziell beim Historischen Lokschuppen Wittenberge -, sinnvoll ergänzt, wie Endisch es im Gespräch mit der Redaktion ausdrückt. Ihren Platz in dem rekonstruierten Lokschuppen hat bereits die Rangierlok der Baureihe V 60 gefunden. In wenigen Tagen rollen auch die anderen beiden Dieselloks an: Eine Streckenlokomotive V 100, und eine große in der Sowjetunion gefertigte Lok der Baureihe 132, in Eisenbahnerkreisen auch als "Ludmilla" bekannt.

Supermärkte für historische Loks existieren nicht. Wo bekommt man als Dampflokfreund diese technischen Zeitzeugen auf Rädern her?

"Wir haben als Verein sehr gute Beziehungen zu einem Werk, das ist traditionell gewachsen. Dort werden die Loks für Betriebsdienst nicht mehr benötigt. Deshalb können wir sie als Dauerleihgaben in unsere Sammlung aufnehmen."

Am 30. März, also Ostersonnabend, beginnen die Dampflokfreunde , die mit dem hiesigen Verein historischer Lokschuppen sehr eng zusammen wirken, die Saison. "Von da an bis zum 26. Oktober öffnen wir an jedem Samstag den Historischen Lokschuppen", erklärt Endisch und betont ausdrücklich, dass man dabei sehr eng mit dem hiesigen Verein zusammenarbeite. Jeweils von 10 bis 17 Uhr könne dann jeder die schwergewichtige Technik begucken und bestaunen.

Kein Blatt vor den Mund nimmt der Vizevereinschef, wenn es um Eintrittsgeld geht. Ja, der Verein, der das Museum ja auch ehrenamtlich betreibt, kassiert einen Obolus. "Anders können wir gar nicht", sagt Endisch und verweist auf die Kosten, die die Ehrenamtler zu stemmen haben. Das sind ja nicht nur die Betriebskosten für die Immobilie. Eine Tonne Kohle koste beispielsweise mal eben 275 Euro. Und mit einer Tonne komme man im wahrsten Sinne des Wortes nicht sehr weit. Dreimal im Jahr wollen die Vereinsmitglieder mindestens unter einem Kessel Feuer machen, nämlich zu den Dampflokfesten. Diese Feste hatten in Salzwedel Tradition. Nun werden sie in Wittenberge gefeiert. Die Termine stehen: Am 4./5. Mai, am 6./7. Juli sowie am 12./13. Oktober. "Das sind die jährlichen Höhepunkt, zu denen erfahrungsgemäß sehr viele Eisenbahnfreunde kommen", weiß der Verein. Was die Leute nicht wissen und was sie auch nicht wissen müssen, um das Fest zu genießen, sind die vielen Stunden, die für die Vorbereitung draufgehen. Endisch meint, wenn er davon spricht, nicht allein die direkte Festvorbereitung. Instandhaltung und Reparatur nehmen sehr viel Zeit in Anspruch, kosten viel Kraft. Dazu kommen noch die regelmäßigen Unterweisungen zu Vorschriften, Richtlinien und Dienstanweisungen für die Mitglieder. Hält der Verein sich nicht daran, muss er seine Technik nämlich im Depot lassen. Die Bahn nimmt es auch mit den Ehrenamtlern sehr genau.

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