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Debatte um historische Maschine : Dampf ’raus für Dampfmaschine?

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Grundsatzbeschluss über Verbleib des historischen Kleinods jetzt im Finanzausschuss / Stadtentwicklungsausschuss blieb Antwort schuldig

von
erstellt am 28.Sep.2016 | 05:00 Uhr

Wollen wir die historische Dampfmaschine aus dem einstigen Ritterschen Sägewerk überhaupt? Die Antwort darauf lässt vieles offen – zumindest, wenn man vom Stadtentwicklungsausschuss ausgeht. Um es vorwegzunehmen, ein angestrebter Grundsatzbeschluss zum Verbleib der Dampfmaschine in Perleberg wurde im Ausschuss nicht gefasst. Ging auch nicht, denn von den acht Mitgliedern waren nur fünf anwesend. Dr. Ritter gehört das historische Kleinod, er war damit befangen. So waren sie nur noch vier und nicht mehr beschlussfähig. Dennoch wollte man seitens der Verwaltung zumindest ein Signal, in welche Richtung es laufen könnte. Und das war alles andere als eindeutig. Selbst die sachkundigen Bürger bezog man mit ein – doch letztlich waren es nur drei, die die Dampfmaschine ins Oldtimermuseum holen würden. Bei den anderen überwog Skepsis. So wurde auch nicht, oder nur am Rande, über mögliche Varianten einer Unterstellmöglichkeit am Ziegelhof diskutiert. Ein Grund wohl auch, weil eine Förderung über die LAG Storchenland aus dem Förderprogramm Leader innerhalb der Stadtkulisse nicht möglich ist. So hatte die Verwaltung von vornherein eine bauliche Minimallösung in Betracht gezogen. Kostenpunkt: Grob geschätzt 133 000 Euro, so Bauamtsleiter Hagen Boddin.

Der Projektentwurf sieht vor, dass ein rechteckiger Anbau sich in die Nische zwischen Oldtimermuseum und Turnhalle der Rolandschule einfügt. Das Gebäude wäre unbeheizt, was auch nicht erforderlich sei, es biete dann aber zugleich einen barrierefreien Zugang zum Oldtimermuseum und könnte in einem schlichten modernen Design ausgeführt werden. Die Minimalforderungen an die museale Präsentation wären damit gegeben, heißt es in der Beschlussvorlage.

Für Frank Brauer, Vorsitzender der Oldtimerfreunde, ist die Dampfmaschine ein Kulturgut, „und so ’was gibt man nicht einfach weg“. Derartige Zeitzeugen technischer Entwicklung wachsen nicht mehr nach, „was weg ist, ist weg“, betont der Vereinsvorsitzende. Perleberg könne mit Recht stolz auf die Dampfmaschine sein. Einst trieb sie etliche Maschinen im Sägewerk Ritter an, erzeugte Strom und Wärme. Seit mehr als 20 Jahren steht das ehrwürdige Dampfmobil aber nun schon auf dem Altenteil. Als technisches Denkmal sollte es eine Renaissance erleben, als Relikt vergangener Zeiten heutige Generationen faszinieren bzw. vom technischen Können ihrer Erbauer künden. Die Oldtimerfreunde selbst wollen den Ab- und Aufbau der Dampfmaschine sowie deren Transport übernehmen. „Und wir werden sie auch weiterhin hegen und pflegen“, betont der Vereinsvorsitzende. Es werde für vieles oft sehr viel Geld ausgegeben, für ein vollständig erhaltenes technisches Denkmal und eines der letzten Zeitdokumente der Epoche der industriellen Revolution des 19. Jahrhunderts reicht es nicht. „Wir haben die letzte Dampfmaschine in der Region und damit ein Alleinstellungsmerkmal“, so Frank Brauer.

Die Denkmalbehörde ihrerseits begrüßt es, wenn der gewichtige technische Zeitzeuge in Perleberg bleibt. Dr. Ritter als Eigentümer ist bereit, die Dampfmaschine der Stadt kostenlos zu überlassen. Jene will zudem versuchen, über den Stadt-Umland-Wettbewerb vielleicht noch Fördermittel auszuloten. Voraussetzung aber ist letztlich, dass die Abgeordneten sich für den Verbleib der Dampfmaschine in Perleberg aussprechen. Als nächstes geht der Entwurf des Grundsatzbeschlusses nun in den Finanzausschuss, dann folgt der Hauptausschuss und schließlich wird die Stadtverordnetenversammlung zu entscheiden haben.

 

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