Ärger nach ZDF-Bericht : „Dallmin steht nicht für Wendeverlierer“

Das ZDF-Drehteam bei Interviews mit Dallminer Spielern auf dem Sportplatz, von denen im Beitrag überhaupt nichts gezeigt wurde.
Das ZDF-Drehteam bei Interviews mit Dallminer Spielern auf dem Sportplatz, von denen im Beitrag überhaupt nichts gezeigt wurde.

Dallminer enttäuscht und verärgert von ZDF-Bericht über ihr Dorf: „Zu einseitig – Dallmin steht bestimmt nicht für Wendeverlierer“

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16. November 2017, 12:00 Uhr

„Dallmin steht bestimmt nicht für ,Wendeverlierer’“, ist Ortsvorsteher Andreas Much sauer. Er sei aus allen Wolken gefallen, als er in der ZDF-Mediathek am Abend des 8. November den Bericht über das Prignitz-Dorf Dallmin im Mittagsmagazin unter dem Titel „Wendeverlierer“ sich angesehen hatte. „In den Tagen danach gab es viele rege Diskussionen in Dallmin. Und das Fazit lautet: „Das war nicht unser Dorf“, so Much gegenüber dem „Prignitzer“ weiter. Er war auch ziemlich verärgert darüber, dass sich ZDF-Redakteurin Katrin Lindner zwar bei ihm gemeldet hatte und er natürlich zu einem Gespräch bereit war – aber dazu ist es nie gekommen.

In dem etwa fünfminütigen Beitrag wurde ein Rentner gezeigt, der mit seiner kleinen Rente von 672 Euro sich im Stich gelassen fühlt, die Arztpraxis, die ihre Patienten sogar mit einem Fahrdienst abholen muss, zwei Häuserruinen, das Gasthaus Schwieger, das zum Jahresende schließt, wenn kein Nachfolger gefunden wird. Das Dorf hat nach der Wende ein Drittel an Bevölkerung verloren und heute nur noch 550 Einwohner. „Das ZDF wollte etwas zum Strukturwandel und zu Pendlern machen, so hatten die Leute es uns gesagt. Hätten wir gewusst, dass es um ,Wendeverlierer’ geht, hätten wir sofort abgewunken. Wir fühlen uns nicht als Wendeverlierer. Aber wahrscheinlich war das der Auftrag für den Bericht“, ist auch Martin Ehmke vom TuS Dallmin enttäuscht und verärgert, der in dem ZDF-Beitrag zu Wort kommt.

Der 32-Jährige hatte noch am Abend des 8. November über die sozialen Netzwerke reagiert und erhielt darauf über 70 positive Meldungen und etliche Kommentare. „Wir haben dem Drehteam immer wieder gesagt, dass wir uns in Dallmin wohlfühlen, es uns hier gut gefällt“, so Ehmke.

Interviews mit Spielern, die eben pendeln, wie zum Beispiel Matthias Zabback, wurden überhaupt nicht verwendet. Dass Fußball-Abteilungsleiter Michael Schulz aus Hamburg wieder zurück nach Dallmin gekommen ist, wurde ebenso wenig erwähnt. „Dieser Bericht war zu einseitig. Wahrheit soll auch Wahrheit bleiben. Natürlich gibt es die Häuserruinen, dann hätten sie aber auch schön renovierten Häuser aus unserem Dorf zeigen sollen. Wenn Herr Heisler seine kleine Rente anspricht, ist das vollkommen in Ordnung. Wenn die Gaststätte Schwieger schließt, natürlich bricht damit eine Tradition weg. Dass die Arztpraxis einen Fahrdienst organisiert, ist doch nicht schlimm – so kam es zumindest ’rüber – das ist doch ein guter Service“, äußerte sich der Ortsvorsteher.

Wer den Bericht gesehen hat und Dallmin nicht kennt, der bekommt den vollkommen falschen Eindruck. Dallmin kann man auch kurz folgendermaßen beschreiben: Mit 550 Einwohnern ist Dallmin das zweitgrößte Dorf in der Gemeinde Karstädt. Es gibt mit der Avebe Kartoffelstärkefabrik, der Agrargenossenschaft Dallmin und dem Brügger Hof drei große Arbeitgeber. Junge Familien wollen sich in dem Dorf niederlassen, Grundstücke kaufen, Häuser bauen. Die Kita ist vollkommen ausgelastet. Aus der alten Schule ist das Dorfgemeinschaftshaus geworden, das von den Vereinen genutzt wird. Und in diesem Jahr hat die Gemeinde die Turnhalle mit Fördermitteln für über 100 000 Euro saniert. „Die hat das Drehteam überhaupt nicht interessiert“, so Ehmke. Und auch als weitere Beispiele mit Eisdiele, Poststelle, Schulbusverkehr – auch das alles ist Dallmin, auf das die Einwohner stolz sind. „Das hätte in einem ausgewogenen Bericht auch erwähnt werden müssen“, betont Martin Ehmke.

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