Prignitzer Innungen : Dachdeckern fehlt der Nachwuchs

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Obermeister Jens Hildebrandt spricht über Anforderungen seines Berufes und rät Schülern zu einem Praktikum

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26. Februar 2018, 22:00 Uhr

Zehn Innungen sind in der Kreishandwerkerschaft Prignitz organisiert. Wir stellen in loser Serie die jeweiligen Obermeister vor. Heute: Jens Hildebrandt aus Pritzwalk, Obermeister der Dachdecker-Innung.

Jens Hildebrandt ist Obermeister der Dachdeckerinnung. Er führt den Familienbetrieb in fünfter Generation weiter. „Wir können anhand von Urkunden den Betrieb bis ins Jahr 1870 nachweisen. Es gibt ihn wohl schon länger, aber uns fehlen dazu eindeutige Unterlagen“, sagt Hildebrandt. In seinem Betrieb beschäftigt er sechs Gesellen und einen Auszubildenden.

Wer in diesem Metier arbeitet, ist in einem sehr traditionellen Gewerk tätig. „Dachdecker ist ein unheimlich vielseitiger Beruf. Man kommt mit historischem Handwerk bei der Denkmalsanierung ebenso in Berührung wie mit moderner Technik bei Dacherneuerungen und Neubauten“, erzählt Hildebrandt. Es ist ein Beruf an der frischen Luft, bei dem man aber auch Wind und Wetter trotzen sollte.

Dachdecker müssen umsichtig sein, flexibel auf die unterschiedlichen Ansprüche der jeweiligen Baustelle reagieren. „Kein Dach ist wie das andere und dennoch gibt es auch bei uns technische Entwicklungen“, sagt Hildebrandt. Zum Beispiel werden fast nur noch gasbetriebene Nagelgeräte verwendet um Konterlattung und Dachlatten an den Sparren zu befestigen. Seine Firma habe einen mobilen Kran angeschafft. Per Fernsteuerung kann mit diesem das Material wie Latten oder Dachziegel aufs Dach geschafft werden. „Das bedeutet eine enorme Arbeitserleichterung“, so Hildebrandt. Neben der Verarbeitung von Holz und Ziegeln müssen Dachdecker aber auch Löten und Rinnen anbringen, mit anderen Gewerken am Bau eng zusammenarbeiten.

Wer Dachdecker werden will, sollte eine handwerkliche Grundbegabung mitbringen, aber ohne Mathematik gehe es nicht. Dachdecker müssen planen, messen und Flächen berechnen. „Ich halte sehr viel von Praktika und Ferienarbeit. Auf diese Weise können junge Leute den Beruf kennen lernen“, sagt Hildebrandt. Wer dabei feststellt, dass das nichts für ihn sei, habe auch etwas erreicht, könne sich viel Zeit und Mühe ersparen.

Eine Beobachtung besorgt ihn. Auf Ausbildungsmessen seien es häufig die Eltern, die ihren Kindern von einem handwerklichen Beruf abraten. Da heiße es dann: Geh doch in die Verwaltung oder zur Bundeswehr. „Erst wenn keiner mehr da ist, der ihr Dach repariert und keiner mehr da ist, der ein Haus bauen kann, werden die Menschen merken, wie wertvoll das Handwerk ist“, mahnt der Obermeister. Ganz abgesehen davon, sei das Handwerk für junge Leute finanziell attraktiv. Viele Betriebe würden sogar über Tarif bezahlen. Azubis im dritten Lehrjahr hätten schon 1100 Euro brutto auf dem Lohnzettel zu stehen.

Bisher erschienen:

  • Kfz-Innung 1. Februar, S. 14
  • Elektro-Innung, 7. Februar, Seite 11
  • Metallbauer-Innung, 17. Februar, Seite 11
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