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Großbrand in Perleberg : Dach verrußt – Familie hingehalten

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Aus der Redaktion des Prignitzers

Nach dem Großbrand vom 22. Januar wohnt Familie Britz noch nicht in ihrem Haus und streitet sich mit ihrer Versicherung

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erstellt am 09.Mai.2015 | 08:00 Uhr

Dreieinhalb Monate nach dem Großbrand in der Berliner Straße 1, der seinen Ausgangspunkt im ehemals hier ansässigen Raumausstattermarkt Haack nahm, sitzen nicht nur Mieter dieses Hauses, sondern auch die Besitzer des Nachbar-Wohnhauses noch immer auf einer Baustelle.

Von der bösen Bescherung hatte Kornelia Britz erst am späten Abend des 22. Januar etwas mitbekommen. Sie selbst war in Havelberg, hatte ihr Handy nicht dabei, ihre Tochter war bei der Großmutter, ihr Mann arbeitet die Woche über auswärts. Was da tatsächlich in der Januarnacht verbrannte, wie gefährlich und giftig die Rückstände sind, das war der Familie zunächst nicht bewusst.

Fakt ist, dass ihr Haus über einen längeren Zeitraum komplett dem schwarzen Qualm ausgesetzt war aufgrund der an diesem Abend vorherrschenden Windrichtung. „Wir haben in der Nacht noch dort geschlafen, wollten mit Duftkerzen die üblen Gerüche vertreiben“, erinnert sich Kornelia Britz. Ab dem dann folgenden Wochenende quälten sie und ihre Tochter Hautausschläge und schwere Verdauungsstörungen.

Ihr vor kurzem erst fertig saniertes Haus wurde zum Sanierungsfall und ist es bis zum heutigen Tage. In der Schadensregulierung wurden zwei Versicherungsgesellschaft aktiv. Was den Hausrat betrifft, sind die umfangreichen Arbeiten abgewickelt. Mit der Gebäudeversicherung, der Ergo AG in Düsseldorf, laufen indes seit Monaten Auseinandersetzungen, die die Familie, so Kornelia Britz, zermürben.

Zwei der Streitpunkte: die nur zögerliche Wahrnehmung von Orts- und Klärungsterminen sowie ständig neue Ansprechpartner innerhalb der Ergo AG. Für die Zeit der Bauarbeiten und der professionellen Reinigungsarbeiten zog die Familie ins Hotel „Deutscher Kaiser“, wohnte dort viele Wochen, wurde, wie Kornelia Britz betont, äußerst freundlich und fürsorglich behandelt. Aber das Hotelleben im Doppelzimmer ersetzt die eigenen vier Wände nicht.

Mittlerweile lebt die Familie vorübergehend in einem Gebäude auf dem Hinterhof des Grundstückes, das zu früheren Zeiten als einfache Wohnunterkunft diente – und kämpft derzeit insbesondere um die umfassende Sanierung des Wohnhaus-Daches. Hier waren teils 14-fach erhöhte PAK-Werte festgestellt worden.

PAK steht für „polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe“, sie gelten nachgewiesenermaßen als krebserregend. Die Ergo habe lediglich einer Reinigung des Daches zugestimmt. Damit, so die Familie, würde man aber zum einen die Dachsteine beschädigen und hätte zum anderen Rückstände und Gestank nach wie vor in der Dämmung. Der Versicherer vertritt die Meinung, dass man mit den am Gebäude geplanten Sanierungsmaßnahmen wieder einen unbedenklichen Gebäudezustand erreichen könne und keine gesundheitlichen Beeinträchtigungen aus dem Brandschaden zu befürchten seien. In Abrede stellt die Ergo auch, dass Termine hinausgezögert worden sind und man auf Zeit spielt. „Das liegt generell nicht in unserem Ansinnen, da wir Schadenfälle schnellstmöglich abschließen möchten“, so Sprecherin Dr. Monika Stobrawe.

Unterschiedliche Standpunkte gibt es überdies zur Reparatur an der durch den Brand beschädigten Fassade. Sie sei bereits im Rahmen des Gutachtens umfänglich berücksichtigt worden, so Ergo – Reinigung auf der Straßenseite und malermäßige Instandsetzung der Hofseite seien abgerechnet. Was bleibt, sind jedoch augenscheinliche Schäden an der Außenwand. Juristisch konnte die Familie übrigens bislang keine Schritte einleiten – weil die Ermittlungsakte der Polizei noch nicht geschlossen ist. „Die Ermittlungen dauern an“, so jüngst die Aussage der zuständigen Polizeidirektion Neuruppin. Hinhaltetaktik? Zumindest aus Sicht der betroffenen Familie ist es das auf jeden Fall.

 

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