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Projekt für Apfel, Birne und Co. : Chance für das Obst von der Wiese

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Förderverein des Biosphärenreservats will Bestände an Streuobstwiesen erfassen und Strategien für ihre Vermarktung finden.

svz.de von
erstellt am 27.Okt.2014 | 08:00 Uhr

Die Streuobstwiesen in der Prignitz zwischen Quitzöbel und Boberow sind in der Regel nicht riesig groß. Zehn, zwölf Bäume wachsen dort in der Nähe von Grundstücken, manchmal sind es auch noch einige mehr. Aber in Richtung Plantagen gehen diese Bestände nicht, sagt Silke Last. Beruflich hat sich die Groß Breeserin der Stadt- und Regionalplanung verschrieben. In ihrer freien Zeit engagiert sie sich im Förderverein Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe-Brandenburg.

Das neue Projekt, das der Verein Ende August angeschoben hat, trifft einen Nerv von Silke Last. Es geht um besagt Streuobstbestände, die sich durch Artenreichtum und zum Teil auch alte und nur noch selten kultivierte Sorten auszeichnen. „Keine Frage, sie sind erhaltenswert“, formuliert Silke Last die Position des Vereins, die sich mit der des Landes und der EU deckt. Es gibt Fördergeld in Höhe von 30 000 Euro für das Projekt, das auf ein Jahr angelegt ist. 85 Prozent der Summe sind Fördermittel aus dem Leader-Programm, also dem EU-Programm für den ländlich-
en Raum. Der Landesanteil
darin beträgt fünf Prozent.

Ein Jahr hört sich erst einmal lang an, ist so lang dann aber auch wieder nicht. Denn in diesen zwölf Monaten sollen jene, denen das Streuobst im wahrsten Sinne des Wortes Jahr für Jahr auf die Wiese plumpst, ohne dass sie immer etwas damit anzufangen wissen, und jene, die Obst suchen, um beispielsweise hochwertige Säfte oder Apfelschorlen daraus zu gewinnen, besser zu einander finden.

Silke Last fasst dieses Projekt-Bestreben in drei kurzen Begriffen zusammen: „Verwerten, verarbeiten, vermarkten.“ Nur wenn die Eigentümer wüssten, was sie mit den Äpfeln, Birnen, Pflaumen oder Kirschen von ihren Bäumen anfangen können, dann hätten sie auch ein Interesse am Erhalt der Bestände, macht die Pflege der Bäume Sinn, besteht Interesse, Nachpflanzungen vorzunehmen.

Aber wozu der ganze Aufwand, wenn es doch im Handel das ganze Jahr über Ost zu kaufen gibt?

Auf diese Frage antwortet Silke Last mit einem Lächeln und einer Geste – hin zu einer Schale mit Äpfeln auf ihrem Tisch. „Hier sind die verschiedensten Sorten versammelt, jede ist anders, schmeckt anders. Der eine Apfel eignet sich hervorragend fürs Backen, andere wollen sofort gegessen werden, wenn sie vom Baum kommen. Wieder andere geben hervorragenden Saft. Diese Vielfalt ist es doch wert, bewahrt zu werden“, sind Last und ihre Mitstreiter im Verein überzeugt. Und sie erzählt vom Wendland, wo eine Route der alten Obstsorten entstanden ist, außerdem ein kleines Museum.

Soweit ist die Biosphäre noch nicht. Der Förderverein konnte zum 1. Oktober an ein Fachbüro aus Niedersachsen den Auftrag vergeben, „sich mit der Erfassung und mit Vermarktungsstrategien für unsere Streuobstbestände im Biosphärenreservat zu befassen“. „Wenn wir Vermarktung sagen, dann können das auch ganz niederschwellige Angebote sein“, erklärt Last. Geholfen wäre so manchem Besitzern doch schon, wenn es gelänge, eine Tour für eine mobile Mosterei auf die Beine zu stellen, die in Dörfer kommt. Wie eine solche Mosterei funktioniert, war auf dem Apfelmarkt in Wittenberge zu erleben, an dem der Förderverein sich auch beteiligt.

Sehr wichtig ist Last, „dass alles, was in den kommenden Wochen und Monaten geschieht, natürlich nur funktioniert, wenn wir engen Kontakt zu den Besitzern der Streuobstwiesen finden, sie mitmachen, weil wir nur gemeinsam gangbare Wege finden“. Vor diesem Hintergrund freut sie sich auch, „dass uns schon Leute auf das Projekt angesprochen haben, auch das eine oder andere wissen wollten“. Der Verein seiner will im größeren oder kleineren Rahmen noch Informationsrunden organisieren.

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