Aus den Erinnerungen : Carl von Jagows Erinnerungen an den „Abschied von Rühstädt“

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09. März 2018, 15:25 Uhr

In seinen Erinnerungen am 26.11.1945 schreibt der letzte Besitzer Carl von Jagow (1882-1955) im niedersächsischen Nette: „Ende September 1945 meiner sämtlichen Güter […] beraubt, […], erhielt ich am 9. Oktober den Befehl, bis zum 10. Oktober Rühstädt, mein Heimatdorf, zu verlassen. […] Am 11. früh fuhr ich nach Lenzen, vom Landrat dorthin gewiesen mit dem Auftrage, mich dortselbst um die Ausbesserung der Kriegsschäden an den dortigen Deichen zu bekümmern. […] Wir verließen Rühstädt mit den besten Wünschen der Einwohner, von ihnen ausgerüstet mit vielen Liebesgaben, in der Hoffnung, bald nach Durchführung der Bodenreform, die übereilt in Angriff genommen werden mußte, zurückzukehren.“ Anfang November ’45 entschloss er sich, sich und seine Familie „auf die Auswanderungsliste in Lenzen“ zu setzen. „Zwei Tage vorher war eine Anordnung von den russischen Behörden gekommen, daß alle Flüchtlinge, die ins englische, resp. ins amerikanische Gebiet gehörten, sofort zusammenzuziehen seien und in ihre Heimat zu befördern wären. Leute, die den Wunsch hätten, mit über die Grenze zu gehen, könnten sich anschließen.“ Carl von Jagow verlässt trotz seiner Zuneigung die Region mit einem Gefühl von Enttäuschung: „Von eigenen Volksgenossen sind wir beraubt und enteignet und aus der Heimat verwiesen worden. Das ist das besonders Schwere“, aber „Immer wieder muß ich betonen, wie wir in dieser Zeit die Liebe […] der alten Rühstädter empfunden haben.“

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