Abschied aus Perleberg : Caritas geht, Diakoniewerk kommt

Geschäftsführer Martin Kruse (r.) hier mit Pflegedienstleiterin Bianka Bahlke und Uwe Sommer, künftiger Bereichsleiter sozialer Dienst.
Geschäftsführer Martin Kruse (r.) hier mit Pflegedienstleiterin Bianka Bahlke und Uwe Sommer, künftiger Bereichsleiter sozialer Dienst.

Trägerwechsel am 1. Juli in der Wittenberger Straße 58 / Übernahme der Beschäftigten / Geschäftsführer: „Wir bilden dann auch aus“

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22. Juni 2017, 05:00 Uhr

Das Kronenkreuz als sichtbares Zeichen der Diakonie wird ab 1. Juli in der Wittenberger Straße 58 prangen. Die Caritas zieht sich aus Perleberg zurück, „wir als Diakoniewerk Karstädt-Wilsnack e. V. übernehmen“, schildert Geschäftsführer Martin Kruse den „kleinen Betriebsübergang“ wie er ihn bezeichnet. Übernommen werden auch 34 Mitarbeiter, zwei hätten sich mit der Caritas anderweitig geeinigt. Die Konditionen gebe die Arbeitsvertragsrichtlinie vor, „denn bei uns gibt es keine Tarifverträge“, erläutert der Geschäftsführer des Vereins. Doch keinem gehe es schlechter, betont Uwe Sommer, der bis dato in der Jugendhilfe bei der Caritas tätig war und unter dem neuen Betreiber als Bereichsleiter sozialer Dienst agieren wird.

Auch an der eigentlichen Struktur werde sich nichts ändern. „Alle Angebote von der Altenhilfe, sprich Sozialstation, über das für psychisch Kranke, die Jugendhilfe und den ambulanten Hospizdienst werde es weiter geben. „Und auch die Mitarbeiter, das heißt, die Ansprechpartner bleiben die gleichen, selbst die Festnetznummern“, ergänzt Martin Kruse. Einzig der Träger ändert sich und so auch die Firmierung auf den T-Shirts, Autos und am Haus.

Warum aber dieser Wechsel? Kurze Antwort: Verbandspolitische Entscheidung, und die traf nicht nur Perleberg, wie Uwe Sommer sagt. Die Zentralisierung war da sicher auch ein Grund – denn die Caritas trotz engagierter Mitarbeiter von Berlin aus zu steuern, war äußerst schwierig, nennt Martin Kruse einen weiteren Beweggrund. Ein Problem, das es fortan nicht mehr geben werde, „denn wir haben unseren Hauptsitz in Karstädt.“ So seien seitens des Vorstandes, der aus Ehrenamtlern besteht, auch schnelle Entscheidungen möglich. Und darauf baut auch Uwe Sommer, denn „Berlin war oft zu weit weg“.

Die Caritas sei an einem christlichen Träger als Nachfolger interessiert gewesen. So fiel die Entscheidung des Vorstandes des Diakoniewerk Karstädt-Wilsnack, Anfang des Jahres in Gespräche zu gehen, sehr schnell. Zu Beginn ging es nur um die Sozialstation, dann auch um die sozialen Maßnahmen, die im Haus laufen.

Die Skepsis und Unsicherheit der Mitarbeiter seien anfangs sehr groß gewesen, räumen Uwe Sommer und Pflegedienstleiterin Bianka Bahlke offen ein. Viele sind seit 26 Jahren bei der Caritas. Knall auf Fall erhielten sie das Schreiben, dass sich diese Einrichtung zurückzieht. Frust, Angst, Resignation machten sich breit, doch inzwischen schauen alle vielleicht noch nicht vollends hoffnungs- aber zumindest erwartungsvoll in die Zukunft. Und so haben alle auch die neuen Verträge unterschrieben.

Rund 130 Mitglieder plus Kirchgemeinden als juristische Mitglieder zählt der Diakoniewerk Karstädt-Wilsnack e. V. „74 Mitarbeiter haben wir, ab 1. Juli sind es 34 mehr“, so der Geschäftsführer. Und für beide Seiten sieht er im künftigen Miteinander einen Gewinn – an Erfahrung, Know-how und Ideen. In Karstädt und Bad Wilsnack sei man in der Palliativpflege bereits sehr engagiert, hier in Perleberg in der ambulanten Hospizarbeit. Palliativpflege, Hospiz und das Trauercafé – diese Einheit wolle man nun für den gesamten Bereich ausbauen, nennt Martin Kruse erste konkrete Vorstellungen.

Die Caritas habe ein exzellentes Pflegedokumentationssystem selbst entwickelt. Das habe man als Verein käuflich erworben und werde damit dann auch in den anderen Bereichen arbeiten. Bestrebt sei man auch, den guten Kontakt zur katholischen Kirche weiterzuführen. Und noch in diesem Jahr soll zudem in der unteren Etage im Haus in der Wittenberger Straße 58 wieder Leben einziehen. „Wir stellen zwei gesetzliche Betreuer neu ein.“

Auch das ist bereits beschlossen: Das Diakoniewerk wird ausbilden. „Die Argumente von Frau Bahlke haben uns überzeugt“, gesteht der Geschäftsführer. Der erste Azubi für Altenpflege wird seinen Vertrag in diesem Jahr unterschreiben.

Jetzt gehe es aber erst einmal darum, die Übernahme zu vollziehen, durchzuatmen, um dann durchzustarten. 

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