Unterschriftenaktion gegen neuen ÖPNV-Entwurf : Busfahrplan: Protest hält an

Übergaben die Unterschriften an Landrat Torsten Uhe: Yvonne Heimann, Andrea Radloff und Juliane Thiele (v. l.).
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Übergaben die Unterschriften an Landrat Torsten Uhe: Yvonne Heimann, Andrea Radloff und Juliane Thiele (v. l.).

Elterninitiative sammelte 2138 Unterschriften und hat „zumutbar“ zum Unwort des Jahres gekürt

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22. Juni 2016, 21:00 Uhr

2138 Unterschriften hat die Elterninitiative „Busfahrplan 2016“ zusammengetragen. (wir berichteten). „Es hätten noch weit mehr seien können, wenn wir mehr Zeit gehabt hätten. Doch wir wollten die Unterschriften rechtzeitig vor der nächsten Kreistagssitzung am 30. Juni übergeben, um auf unser Anliegen aufmerksam zu machen“, erklärt die Elternsprecherin des Perleberger Gymnasiums, Juliane Thiele.

Gemeinsam mit der Elternsprecherin des Pritzwalker Gymnasiums, Yvonne Heimann, und mit Andrea Radloff aus Groß Pankow übergab sie die Unterschriftenmappe am Dienstag Landrat Torsten Uhe, denn der Landkreis ist für den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) verantwortlich.

Die einhellige Kritik der Elterninitiative: Der neue Busfahrplan, der am 1. August in Kraft tritt, wenn er in der jetzigen Form vom brandenburgischen Landesamt für Bauen und Verkehr genehmigt wird, benachteilige ländliche Bereiche, vor allem aber die Region an der B 189 zwischen Perleberg und Pritzwalk. Denn hier wird der Busverkehr, von ein paar Schülerbussen morgens und nachmittags abgesehen, völlig eingestellt zu Gunsten einer besseren Auslastung der Bahnlinie.

Auch die Schüler, die weiterführende Schulen in Pritzwalk oder Perleberg besuchen, sollen vorrangig den Zug nutzen. Der Bahnhof in Groß Pankow biete aber kaum Unterstellmöglichkeiten als Schutz vor Witterungsunbilden. Für Bewohner umliegender Orte, die selbst nicht mobil sind, sei das aber längst nicht das einzige Problem, denn es gebe auch keine Zubringerbusse zum und vom Bahnhof.

Selbst Städter, wie beispielsweise Pritzwalker, die in Perleberg arbeiten, seien von der neuen Fahrplanregelung betroffen. Zum Beispiel, wenn sie künftig morgens kurz nach 6 Uhr den Zug Richtung Perleberg nutzen wollen. Denn dann gebe es noch keinen Stadtverkehr, der starte erst um 6 Uhr. Wer weit entfernt vom Bahnhof wohne, habe das Nachsehen, braucht ein Auto oder muss zu Fuß gehen. Zudem sei die Bahn unzuverlässig. Komme es zu Verspätungen, fielen Züge auch mal gänzlich aus, berichten die Initiatoren der Aktion von bisherigen Erfahrungen.

Selbst die Schulbuslinien zur Grundschule Groß Pankow seien für viele Mädchen und Jungen alles andere als ideal. Kinder, die bisher auf direktem Weg nach Groß Pankow gebracht wurden, „haben künftig Heimatkundeunterricht“, denn sie würden eine viel längere Rundreise durch die Gemeinde machen müssen, wie die Elterninitiative kommentiert.

Torsten Uhe hörte sich die Kritik an, dankte den Eltern für ihr Engagement, verwies aber darauf, dass der neue Busfahrplan auf dem Nahverkehrswegeplan sowie der Schülerbeförderungssatzung des Landkreises basiere und die darin vorgegebenen Kriterien bzw. Zeiten berücksichtige. Dem voraus gegangen seien in den Jahren 2011/12 Verkehrserhebungen zur Auslastung der Buslinien mit einem teilweise ernüchternden Ergebnis sowie eine deutliche Kritik am Parallelverkehr von Bus und Bahn.

„Wir sind Gefahr gelaufen, dass der Schienennahverkehr eingestellt wird“, betonte er. Deshalb habe der Kreistag 2013 „intensiv an der Erarbeitung des neuen Verkehrswegeplanes gearbeitet, ihn 2014 verabschiedet und damit auch die Grundsätze für den neuen Busfahrplan beschlossen“, machte der Landrat deutlich. Allerdings räumte er ein, dass das Anliegen öffentlich nicht ausreichend kommuniziert worden sei.

Auf den Hinweis, dass zwischen Perleberg und Wittenberge trotz des regelmäßigen Zugverkehrs sehr wohl auch Busse unterwegs seien, hieß es von Seiten der Kreisverwaltung, dass diese Strecke die am stärksten befahrene des Kreises sei, die Busse zudem nur in den Taktlücken der Bahn führen, man damit noch bessere Anschlussmöglichkeiten an den überregionalen Verkehr schaffen wolle.

Fazit des Gesprächs: Der neue Busfahrplan wird, wenn das brandenburgische Amt für Bauen und Verkehr ihn so genehmigt, am 1. August in Kraft treten. Uhe versprach Nachbesserungen, sollten Vorgaben nicht eingehalten werden wie beispielsweise Zeiten für die Schülerbeförderung. „Aber wir werden nicht jeden Wunsch erfüllen können“, denn die jetzt ausgehandelten Linien und Zeiten seien zumutbar.
Die Elterninitiative will die Entwicklung weiter begleiten. Das Wort „zumutbar“ hat sie für sich jedoch bereits zum Unwort des Jahres 2016 gewählt.  

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