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Prignitztag auf der Grünen Woche : Burnout für die Geschmacksnerven

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Kirschbier, Parmaschinken, Elchwurst und Knieper – die Sinne laufen auf der Grünen Woche Marathon

svz.de von
erstellt am 19.Jan.2015 | 08:00 Uhr

„Bei Srajer in Abbendorf haben wir das erste Mal Knieperkohl gegessen“, sagt Angelika Dännichen und beißt herzhaft in die Kohlwurst, die Torwächter-Koch Jean Duwe zum Gemüse aus Preddöhl reicht. „Seitdem können ich, meine Schwester und unsere Männer am Prignitzstand auf der Grünen Woche nicht mehr vorbei gehen, ohne zu naschen.“ Kohl als Botschafter für einen Landkreis. Das Kalkül des Prignitzer Tourismusverbandes scheint tatsächlich aufzugehen. Nebenan gibt es Bier vom Brauhaus Alte Ölmühle, dessen Koch im pro agro-Kochstudio Schnitzelfilet im Biertreber-Senf-Schinkenmantel live zubereitet.

Doch nicht nur kulinarische Geschütze fährt die Prignitz auf, auch kulturell wird die Werbetrommel gerührt. Auf der Bühne von Antenne Brandenburg zeigt neben Bläserensembles und Tanzgruppen die junge Band Audio Flat ihr Können und weist damit auf die Landesmusikschultage hin, die in diesem Jahr in Wittenberge und damit zum dritten Mal in der Prignitz stattfinden. Und Schließlich schafft es auch der Knieper noch einmal auf die Bühne, als Jean Duwe seine Kreationen für die Besucher erklärt.

Das Kalkül der Aussteller scheint überall dasselbe: Individuelle Spezialitäten setzen sich durch und verankern die Region ihrer Herkunft nicht nur im Kopf, sondern dank des Geschmacks regelrecht im Gefühl. Kürbissekt aus Beelitz – das merkt man sich. Tannenlikör aus Werder – kaum zu vergessen. Oder die fruchtige Note des rubinroten Neuzeller Klosterbräu Kirschbieres – sowas bleibt hängen.

„Mit Nischenprodukten von höchster Qualität können sich auch kleine Erzeuger am Markt halten“, weiß Rosemarie Borchert von der Neuzeller Brauerei. Den Gästen am Stand schmeckt es in jedem Fall. „Das ist zwar ein Frauenbier, aber eins, das man als Mann auch trinken kann“, sagt Peter Döhring und lässt mit seiner Frau und einem befreundeten Ehepaar die Gläser klingen.

Arbeiten die Geschmacksnerven in der Brandenburghalle und auf der „Deutschlandtour“ durch die Bundesländer noch in vertrauter Umgebung, beginnt spätestens in den internationalen Schauen der Aroma-Marathon. Dabei konzentrieren sich manche Länder auf wenige, ausgewählte Spezialitäten, während andere die volle Breitseite ihrer Kulinarik präsentieren. Am Stand von Norwegen offeriert der Wikinger höchstpersönlich Räucherlachs und Elchwurst, das kleine Litauen verwöhnt mit Šakotis, kurios geformtem Baumkuchen mit sanftem Aroma, Südafrika macht vor allem mit edlen Weinen auf sich aufmerksam.

Individuell gibt sich auch Lettland, das in diesem Jahr Partnerland der Grünen Woche ist: Kräftiges Schwarzbrot mit Kümmelaroma und süßen Nuancen, dazu mit Beeren verfeinerte Honigsorten. „Wenn etwas wirklich typisch lettisch ist, dann der Kümmel. Daran spart kein lettischer Koch“, sagt Sandris Akmans, der seine Bioprodukte aus nachhaltiger Produktion vorstellt. Auch als Urlaubsland will sich die baltische Republik, die etwas kleiner ist als der Freistaat Bayern, vorstellen. „Man glaubt es kaum, aber neun von zehn Leuten, mit denen wir ins Gespräch kommen, waren schon einmal in Lettland“, sagt Intars Bars von der lettischen Forstmarketing, die die großen Wälder als Eldorado für Naturliebhaber vermarkten will. „Und wer einmal bei uns war, der kommt meist wieder.“

Andere Regionen fahren traditionell alles auf, was sie zu bieten haben. Wer sich in Parma auf zahllose Kostproben von Schinken, Salami und Käsesorten einlässt, fragt sich irgendwann zwangsläufig, ob sich der Superlativ „am leckersten“ nicht doch noch irgendwie steigern lässt. Böse Falle: Ein paar Stände weiter liegen gelbe und weiße Seifenstücke in der Auslage. Wer hier im Rausch der Aromen herzhaft zugreift, erlebt ein Geschmackserlebnis der ganz besonderen Art.

Wer dem Strom der Menschen entfliehen will, findet in der Blumenhalle eine Oase der Entschleunigung. Der Nationalpark Hainich stellt sich hier vor und vermittelt zwischen zahllosen Baumstämmen, Blumenwiesen und Grünpflanzen zumindest einen ungefähren Eindruck, wie sich Besucher im dortigen Baumkronenpfad fühlen könnten. Wenn man nach vielen Stunden Messebummel die Hallen unterm grün beleuchteten Funkturm verlässt, empfiehlt sich eine kräftige Currywurst. So können sich die Geschmacksnerven von ihrem Burnout zumindest einigermaßen erholen.

 

 

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