Bunt gemixte Weihnachtsbräuche

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Nordamerikanische und europäische Einflüsse machen den peruanischen Heiligabend zu etwas ganz Besonderem

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29. November 2014, 12:00 Uhr

Andere Länder – andere Sitten. Das trifft insbesondere auf die Advents- und Weihnachtszeit zu. In unserer Serie „Weihnachten international“ geht es heute nach Peru.

So bunt wie die Weihnachtskrippen, so bunt gemixt sind die Weihnachtsbräuche in Peru. Ganz besonders macht sich das in der Hauptstadt Lima, der 7-Millionen-Metropole am Pazifik, bemerkbar. Die das erzählt, muss es wissen: Neida Colqui, Wahl-Perlebergerin, geboren in La Oroya in den Anden, dann mit ihrer Familie, zu der neben ihren Eltern noch acht Geschwister gehören, verzogen nach Lima, wo sie bis 2007 lebte und arbeitete. „Ja, das stimmt, was man dazu so im Internet nachlesen kann. Es ist wirklich gemischt und farbenfroh bei uns“, sagt sie.

Wie in allen Ländern auf dem südamerikanischen Kontinent geht Weihnachten auf die Kolonialzeit zurück, in der das christliche Fest von den Europäern eingeführt wurde. Im Laufe der Jahrhunderte verwurzelten sich die weihnachtlichen Bräuche in Peru und wurden zu einem wichtigen Bestandteil nicht nur der städtischen Kreolen-Kultur. In jeder Stadt und in jedem Dorf entwickelten sich eigene Weihnachtsbräuche, stets angelehnt an die Grundpfeiler des Christentums.

In Lima, dem einstig kolonialen Zentrum, nimmt die weihnachtliche Symbolik eine wichtige Rolle ein: Traditionell wird in allen Kathedralen und Kirchen des Landes die Ankunft des Christuskindes gefeiert. Und auch in allen Familien, die Heiligabend für gewöhnlich gemeinsam feiern. Um Mitternacht wird das Jesuskind begrüßt und in die Krippen gebettet. Dann gibt es die Geschenke. Religion spielt eine wichtige Rolle im Leben vieler Peruaner. Auch Neida Colquis Familie ist katholisch. Der Kirchgang gehört selbstverständlich zum Weihnachtfest dazu. Und – ganz wichtig – auch die Weihnachtskrippe: Die ist in Peru, wie kann es anders sein, bunt und vor allem groß. „Und selbst gemacht“, ergänzt die sympathische Peruanerin. In ihrem Wohnzimmer in Perleberg sucht man allerdings vergeblich nach einem solchen Prachtexemplar. „Wir sind gerade erst eingezogen, und ob sie in dieser Größe hier hinein passt? Da bin ich mir unsicher. Außerdem benötige ich die richtigen Materialien dafür.“ Damit sie nicht ganz auf die heimatlichen Bräuche verzichten muss, schmücken zwei kleine Exemplare, original aus Peru, die Regalteile. Ebenfalls natürlich bunt.

Wer nun zum Heiligabend oder an den Tagen danach ein exotisches Festessen in Peru erwartet hätte, wird sich wundern: Traditionell gibt es am 24. Dezember gefüllten Truthahn, aufwändig und mit viel Liebe von der ganzen Familie vorbereitet. Neida Colqui schwärmt davon. Das Fleisch wird sorgfältig mariniert und schmecke einfach unvergleichlich gut. „Bei uns ist die Soße zum Essen wirklich nur Beiwerk und nicht Geschmacksträger“, klärt sie auf. Warum Truthahn? Aufgrund der zahlreichen Migrationswellen in der Vergangenheit gelangten auch für Peru untypische Lebensmittel in den Andenstaat. Der gefüllte Truthahn ist vermutlich auf den Einfluss der USA zurückzuführen, wo er beim Erntedankfest auf den Tisch kommt. Wo es keinen Truthahn gibt, sieht man häufig ein gebratenes Ferkel auf der Weihnachtstafel, so Neida Colqui.

Leckereien in der Vorweihnachtszeit, etwa aus dem Adventskalender oder auf Weihnachtsmärkten, so etwas kennen die Peruaner nicht. Stattdessen fühlt sich bei ihnen ein anderer, ebenfalls weit gereister kulinarischer „Gast“ heimisch: Im Anschluss an das Abendessen zu Heiligabend wird Panettone, ein typisch italienischer Kuchen aus Mailand, gegessen. Dieses leckere Dessert gelangte um die 1950er Jahre mit der italienischen Unternehmerfamilie D’Onofrio nach Peru. Ganz zum Schluss gibt es dann noch eine Tasse mit leckerer, heißer Schokolade, die nach einem alten Familienrezept mit peruanischem Kakao zubereitet wird. Und man stößt um 24 Uhr mit Sekt oder Champagner an, ganz nach französischer Art.

Ganz und gar peruanisch ist das Temperament, mit dem sowohl Weihnachten als auch Silvester gefeiert wird. „Die Leute sind draußen – was natürlich auch an den angenehmen Temperaturen liegt – tanzen, gehen aufeinander zu. Auch wenn ich Adventsbräuche in Deutschland schön finde – das vermisse ich doch sehr“, sagt die 41-jährige Betriebswirtschaftlerin, die einst hierher kam, um in Kiel Wirtschaftswissenschaften und Soziologie zu studieren. Das klappte nicht so, wie sie es sich vorgestellt hatte. Aber: In Hamburg begegnete ihr im Januar 2012 ihre große Liebe: Andreas Fester. Mit dem Perleberger ist sie seit diesem Jahr verheiratet. „Auch eine Familie, die sehr zusammenhält – so wie meine“, meint Neida Colqui. Das macht die vielen tausend Kilometer, die zwischen hier und Lima liegen, erträglich und zaubert ein Lächeln auf ihr Gesicht, wenn sie an das bevorstehende Fest denkt.


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