Geschichte der Elbschifffahrt Teil 2 : Buhnen machen Elbe schmaler und tiefer

Stromzustände um 1850 und 1900 im Vergleich.  Zeichnung: Roland schneider
Stromzustände um 1850 und 1900 im Vergleich. Zeichnung: Roland schneider

Der historische Mittelwasserausbau der Stromes in der Prignitz, Teil 2 / Wo 1850 Schiffe zu Tal fuhren, stehen heute bei Wittenberge Kühe auf der Weide

svz.de von
15. Juni 2016, 12:00 Uhr

Der Mittelwasserbau der Elbe im Bereich der Prignitz erfolgte zwischen 1830 und 1900. Hierbei wurden die Ufer mit Buhnen befestigt, die Gewässerbreite vereinheitlicht und eine Fahrrinne mit berechenbaren Wassertiefen für die Elbschifffahrt hergestellt. Die Buhnen sind auf dem Niveau mittlerer Wasserstände angeordnet, daher der Name Mittelwasserausbau.

Das Erscheinungsbild der Elbe in der Gegenwart entspricht daher im Wesentlichen dem Ausbauzustand von 1900. Die stärksten wasserbaulichen Aktivitäten waren von 1860 bis 1890 zu verzeichnen.

Die Fixierung des Gewässerbettes mittels Buhnen ist gleichbedeutend mit der Schiffbarmachung des Stroms im wasserbaulichen Sinne.


Wasserbauer drehen an der Stellschraube


Die Aufgabe bestand darin, die Gewässerbreite und -tiefe durch gezielte Eingriffe in ein für die Schifffahrt günstiges Verhältnis zu bringen. Hauptsächlich ging es um einen Zugewinn an Wassertiefe, der durch eine bewusste Eingrenzung oder Einschränkung der Gewässerbreite mittels Buhnen erreicht wurde.

Was dem Strom durch die Buhnen an Breite genommen wird, versucht er durch eine Sohlenvertiefung auszugleichen. Es ist das Bestreben des Flusses, ein hydraulisches Gleichgewicht zwischen Durchflussmenge, Durchflussquerschnitt und Fließgeschwindigkeit zu erzeugen.

Die Stellschraube für diesen wasserbaulich steuerbaren Prozess ist die Veränderung der Gewässerbreite. Durchflussquerschnitt und Fließgeschwindigkeit müssen bei optimalen Verhältnissen so aufeinander abgestimmt sein, dass ein ungehinderter Geschiebetransport erfolgen kann und keine unerwünschte Weitervertiefung (Erosion) an der Gewässersohle erfolgt.

Zum Mittelwasserausbau insgesamt gehört auch eine Harmonisierung der Gewässergeometrie, hierbei insbesondere der Krümmungsradien. Die menschlichen Eingriffe am Gewässerbett der Elbe bedürfen der ständigen Beobachtung und Überprüfung.

Der Vergleich der beiden Stromkarten mit den Zuständen von 1850 und 1900 zeigt auf eindrucksvolle Weise, wie in einem Zeitraum von 50 Jahren das Bett der Elbe oberhalb von Wittenberge durch wasserbauliche Aktivitäten radikal verändert wurde. Die rote gestrichelte Linie markiert den Talweg oder die Fahrrinne von 1850. Zum Vergleich wurde die rote Talweglinie in den Stromzustand vom 1900 eingezeichnet, der auch dem Jetztzustand entspricht. Wo 1850 Schiffe fuhren, stehen heute Kühe auf der Weide. Der oberhalb von Wittenberge liegende Streitwerder, eine Insel beziehungsweise Halbinsel, wurde bei der Umgestaltung des Elbbettes abgebaggert.


zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen