An der alten Badeanstalt von Wittenberge : Büsche und Bäume behindern die Elbe

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Hochwasserschutz im Deichvorland: Aufwuchs muss für schnelleren Wasserabfluss weichen.

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20. Februar 2014, 08:00 Uhr

Von der alten Wittenberger Flussbadeanstalt ist nur die Eingangsplattform in Deichhöhe geblieben. Unterhalb dieser Plattform haben nach Schließung des Volksbades – wie es hieß – und Abriss der Becken gleich nach der Wende Bäume und Sträucher das Gelände erobert. Vor allem Pappeln und Weiden haben dort gewurzelt. Seit Anfang des Monats ist es mit dem Wäldchen vorbei. Bäume und Sträucher türmen sich zu großen Haufen aufgeschichtet im Deichvorland.
Landesumweltamt und die untere Wasserbehörde beim Landkreis sprechen von einer Maßnahme im Interesse des Hochwasserschutzes. Bei einer Flut könne die Elbe schneller ablaufen, erklären Thorsten Thaddey als zuständiger Referatsleiter im Landesumweltamt und Bernd Lindow, Sachbereichsleiter Natur- und Gewässerschutz beim Landkreis, die Maßnahme.

Ausdrücklich weist Lindow auf eine entsprechende Nachfrage des „Prignitzers“ darauf hin, dass das Freischlagen der Fläche in keinem Gegensatz stehe zu der Auffassung, Wasser müsse sich in der Fläche verteilen können und darin zurück gehalten werden, als eine Maßnahme gegen Hochwasser. Lindow sagt, es kommen immer auf die jeweiligen Gegebenheiten an, und er verweist auf hydrologische Untersuchungen, die belegen würden, dass hier ein erhöhter Bewuchs das Abfließen der Elbe verlangsame, während aus dem Oberlauf bei einer Flut weitere Wassermassen herantransportiert werden. „Das führt zusätzlich zu einem höheren Wasserstand“, so der Fachmann.

Diese Zentimeter mehr können aber bei einer großen Flut wie der im Juni für die Sicherheit der Menschen hinter dem Deich entscheidend sein.

In Mecklenburg-Vorpommern und in Niedersachsen, also unterhalb des Prignitzer Elbverlaufs, wird bereits seit einiger Zeit der Gehölzaufwuchs im Deichvorland systematisch reduziert. Nach der Wende haben auch in der Prignitz neu angesiedelte Sträucher zum „verbuschen“ des Vorlandes geführt. Das nützt dem Naturschutz. Seine Aspekte müssten auch dort berücksichtigt werden, wo die Eingriffe in den Baum- und Strauchbestand des Vorlandes erfolgen, so Lindow.

Den Auftrag zum Roden unterhalb der Badeanstalt erteilte als Grundstückseigentümer die Stadt. „Wir haben einschließlich der Wurzeln roden lassen, um einen Neuaustrieb der Pappeln weitgehend zu verhindern“, so Peggy Heyneck, Umweltfachfrau im Wittenberger Bauamt.

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