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Kleinower Ziegeleikuhlen : Bürgerinitiative erwirkt Baustopp

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Die Landschaft und das noch vorhandene Biotop an den Kleinower Ziegeleikuhlen sollen erhalten bleiben. Ein Gespräch mit dem Landrat ist bereits geplant

svz.de von
erstellt am 05.Okt.2017 | 04:45 Uhr

„Das Fass ist voll“, sagt Detlef Richter von der Bürgerinitiative für den Erhalt der Kleinower Ziegeleikuhlen in freier Landschaft. „Nein“, korrigiert er sich sofort: „Das Fass läuft über!“

Seit 2004 geht der Streit mit dem jetzigen Eigentümer Siegfried Ryll und der Bürgerschaft. Dieser hatte damals das Gelände mit den Teichen von einer Erbengemeinschaft erworben, sich ein Haus auf dem Gelände gebaut und um zwei Teiche einen Zaun gezogen. Dieses Schicksal droht nun auch dem dritten Teich. „Die Entwicklung vor Ort ist nicht mehr nachvollziehbar“, so Richter.

In Kleinow und Uenze hatte es eine spontane Unterschriftensammlung gegeben. Mehr als 400 Bürger fordern darin vom Landrat, dass die aus ihrer Sicht illegale Einzäunung der Kleinower Ziegeleikuhlen beseitigt werden muss. Auch fordern sie, das wertvolle Biotop vor einer weiteren Zerstörung zu schützen. In der Vergangenheit hat der jetzige Eigentümer Bäume gefällt und Sträucher gerodet, sich ein Luxusanwesen geschaffen, das inzwischen durch geschaffene Kanäle eine Insellage hat, berichten die Vertreter der Bürgerinitiative. Mit dem Eingriff in die Natur verstieß er gegen das Bundesnaturschutzgesetz. Darin heißt es: „Handlungen, die zu einer Zerstörung oder einer sonstigen erheblichen Beeinträchtigung von Biotopen führen können, sind verboten.“

Siegfried Ryll weist die Vorwürfe zurück. „Bis heute fand kein Gespräch zwischen der Bürgerinitiative und mir statt“, so der Unternehmer. „Ich denke, dass wir im Dialog die Probleme hätten ausräumen können.“ Dann geht er auf die Vorwürfe ein: „Für die Errichtung der Zäune gab es eine ordentliche Baugenehmigung und mit entsprechenden Auflagen.“ Dazu gehörten auch Ausgleichsmaßnahmen für die gefällten Bäume und Sträucher. So habe er mehrere Gebäude abgerissen und 32 neue Bäume gepflanzt.

„Ich habe weder ein Biotop zerstört, noch habe ich Kanäle geschaffen“, erwidert Siegfried Ryll auf die Vorwürfe. „Ich denke eher, dass ich ein Biotop geschaffen habe. Denn Tonnen an Müll habe ich aus den Teichen und von den Flächen entsorgt.“ Dabei verweist er auch auf Medienberichte, als er 2013 einen BMW aus einem Teiche geborgen und entsorgt hat.“ Für Ryll sind dies alles Gründe, um sein Eigentum mit einem Zaun zu sichern.“

Rechtsanwalt Hans Bubenzer, der die Bürgerinitiative vertritt, berichtet, dass mit dem erwirkten Baustopp ein erster Teilerfolg erreicht sei. Damit mussten die aktuellen Arbeiten am Zaunbau eingestellt werden.

„Mit diesem Baustopp ist mein Landwirtschaftlicher Betrieb, den ich ordnungsgemäß angemeldet habe, in seiner Existenz gefährdet“, so Siegfried Ryll, der auf dem Grundstück Bio-Rinder, Westernpferde und Schafe züchten will. Daher befindet er sich jetzt auch mit dem Landkreis in einem Rechtsstreit, „denn in der Baugenehmigung steht, dass ich eine genehmigungsfreie Einfriedung errichten darf.“ „Der Landkreis hat hier in eklatant gesetzeswidriger Weise eine Baugenehmigung im Außenbereich erteilt“, so die BI. Nach dem Urlaub von Landrat Torsten Uhe soll es zeitnah zu einem Gespräch zwischen ihm und der BI kommen. Wie auch Pressesprecher Frank Stubenrauch bestätigt: „Den Termin mit dem 1. Beigeordneten Christian Müller hatte die BI kurzfristig mit der Begründung abgesagt, nur mit dem Landrat sprechen zu wollen. Dabei soll es um folgende klaren Forderungen gehen: „Der illegale Sperrzaun muss beseitigt, eine nachträgliche Genehmigung darf nicht erteilt werden! Die Kette von Machenschaften des Eigentümers erfordern einen absolut strengen Umgang! Die Natur- und Umweltbehörde muss alles Mögliche ernsthaft und entschlossen unternehmen, um das Restbiotop vor weiterer Zerstörung zu schützen.“ Die Ziegeleiteiche sollten wieder öffentlich zugänglich sein und als Biotop und Naherholungsgebiet der Allgemeinheit zur Verfügung stehen.

Hierzu sagt Siegfried Ryll abschließend, dass es sein Grundstück sei, und es nach wie vor Zutritt zu den Teichen gäbe, aber nur mit seiner Genehmigung. Jetzt richtet sich der Blick zunächst auf den Gesprächstermin mit Landrat Torsten Uhe, um die Kleinower Ziegeleikuhlen als Biotop zu erhalten.

 

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