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Der Prignitzer

12. Dezember 2017 | 11:31 Uhr

Brot und Bockwurst aus dem Bus

vom

svz.de von
erstellt am 27.Jan.2012 | 09:20 Uhr

Prignitz | Es ist morgens kurz nach 9 Uhr. Lore Look wartet am Straßenrand von Kuhbier auf den Einkaufsbus. "Ich bin froh, dass es den gibt, ohne ihn wäre ich aufgeschmissen", bekennt die Seniorin. Und Udo Finkelmann pflichtet ihr bei. Der alte Herr kann sich nur mit einer Gehhilfe fortbewegen, kommt in keinen Bus, um in die Stadt zu fahren. Da ist der Einkaufsbus die einzige Gelegenheit. In den kann er zwar auch nicht klettern, aber dafür ist ja Carsten Barner da. Denn der chauffiert nicht nur die mobile Einkaufsstätte, sondern er betreut die Kunden auch, hilft ihnen beim Packen, kassiert, bringt ihnen die schweren Taschen auch nach Hause, wenn sie es wünschen.

Dieses Gebraucht-werden, die Dankbarkeit gerade der älteren Leute in den Dörfern, die sonst nicht wüssten, wo sie das tägliche Brot herbekommen sollen, der Kontakt zu den Menschen, das mache den Job so angenehm, gesteht er. Deshalb auch hatte er sich im vergangenen Jahr, als Familie Gall das Geschäft mit den Einkaufsbussen aufgab, entschlossen, zu Jürgen Neher zu wechseln. Denn der betreibt in Berge einen Nahkauf-Markt, übernahm im Oktober 2011 einen der Busse von Galls. Das hieß aber auch, dass die Touren optimiert werden mussten, die Orte nicht mehr zweimal, sondern nur noch einmal pro Woche angefahren werden können. "Und wir haben danach entschieden, wo es den größten Bedarf gibt, denn wirtschaftlich muss natürlich auch der Einkaufsbus betrieben werden", erläutert Neher.

So ist Baner jetzt montags in den Orten zwischen Wittenberge und Lenzen unterwegs sowie um die Elbestadt herum, dienstags deckt er den Bereich rings um Pritzwalk ab, mittwochs um Perleberg herum, um nur einige Beispiele zu nennen. Insgesamt sind es rund 50 Dörfer in der Prignitz, die auf diese Weise versorgt werden. Und das, so betont Neher, nicht nur mit Lebensmitteln, sondern mit einem vielfältigen Sortiment. Auch auf Kundenwünsche könnte reagiert werden. Erweitern werde er den mobilen Einkaufsservice aber wohl nicht. "Wir haben schon für den einen Bus keine ordentliche Unterstellmöglichkeit", macht Neher deutlich. Zudem müsse es ja auch Ersatz für den Fahrer geben. Derzeit helfe da noch ein ehemaliger Mitarbeiter von Galls aus. Künftig wolle das aber Nehers Sohn Enrico übernehmen, der ohnehin schon mit in das Geschäft seines Vaters in Berge eingestiegen ist, im Anger einen Landhandel betreibt. Er mache extra den für den mobilen Einkaufsbus erforderlichen Führerschein.

Einen zweiten Bus wird es also nicht geben, aber Neher will sich trotzdem auch um Kunden kümmern, die nicht mobil versorgt werden können. "Gülitz ist so ein Beispiel. Da haben wir eine Kundin, die gern bei uns einkaufen würde. Doch für eine Person lohnt es sich nicht, die Tour auf Gülitz auszudehnen. Also haben wir die Dame mit dem Pkw zum Einkaufen nach Berge gebracht und natürlich danach auch wieder nach Hause", berichtet Neher. Anfragen für diesen, wie Neher betont, kostenlosen Service habe er auch schon aus Dambeck erhalten. Wie er überhaupt darüber nachdenkt, auch eine Bustour ins Mecklenburgische zu verlagern, denn Berge liegt ja an der Landesgrenze.

Auf jeden Fall, so verspricht der Geschäftsmann, werde der jetzige Bus, der schon einige Jahre auf den Rädern hat, ersetzt, wenn er mal ausrangiert werden muss.

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