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Besuch im Fundbüro Perleberg : Brille, Schlüssel oder Börse, verloren wird immer

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Gabriele Gall und ihre zwei Kolleginnen verwalten im Rathaus, was anderen abhanden gekommen ist.

von
erstellt am 01.Feb.2017 | 05:00 Uhr

Seit 1981 verwaltet Gabriele Gall, was andere verlieren. Und da gab es schon recht kuriose Dinge, die da im Fundbüro im Rathaus abgeben wurden. Das außergewöhnlichste Fundstück war zweifelsohne ein Korsett. Es fand sich allerdings auch nie ein Besitzer. Das schnittigste, was Gabriele Gall so unter die Hände bekam, war ein Paddelboot.

Der größte Fund hingegen präsentierte sich gleich nach der Wende genau auf dem Großen Markt. Ein Händler war sich seines Verkaufszelts mit allerhand Schnickschnack wohl überdrüssig. Er ließ es samt Waren einfach stehen und die Stadt hing damit an. Das Zelt wurde irgendwann dann doch noch abgeholt, aber für die Waren hatte der Händler keine Verwendung mehr. Und so wurden Körbe, Kunstblumen und dergleichen dann an Einrichtungen verschenkt, erinnert sich Gabriele Gall.

Heute sind es vor allem Schlüsselbunde, Fahrräder und Handys, die im Fundbüro abgegeben werden. Da die Handybesitzer ihre vermissten Geräte zumeist sperren lassen oder die Akkus den Geist längst aufgeben haben, ist es schwer, den rechtmäßigen Besitzer über sein eigenes Handy zu orten.

Brillen, ab und an auch noch ein Regenschirm, Schmuck- aber auch ein Eheringe, all das findet sich bei Gabriele Gall und ihren Kolleginnen Martina Langer und Wanda Hoppe an. Und zumeist auf ewig, denn nur selten wird es offensichtlich auch vermisst, meldet sich der Eigentümer.

Im Rathaus führen Gabriele Gall und ihre zwei Mitstreiterinnen genauestens Buch über all das, was hier abgegeben wird. Alles unter einem Wert von 50 Euro werde gut ein halbes Jahr aufbewahrt, alles andere mindestens ein Jahr. Anschließend geht es an den ehrlichen Finder, vorausgesetzt, er möchte es haben. Ausgenommen sind davon natürlich Schlüssel. Und die verliert man immer, weiß die freundliche Mitarbeiterin im Rathaus. Heute allerdings weniger, räumt sie ein. Früher hingegen konnte man schon das Gefühl bekommen, dass ganz Perleberg im Rathaus seine Schlüssel deponiert habe, fügt sie schmunzelnd an. Drei Jahre werden die Türöffner in Sicherheit gewogen, dann trennt und vernichtet man sie. Herrenlose Fahrräder hingegen, elf an der Zahl waren es im vergangenen Jahr, kommen zumeist unter den Hammer. Die Versteigerungen auf dem Suren-Hansen-Markt oder dem Kartoffelmarkt waren all die Jahre stets ein Besuchermagnet. Im vergangene Jahr spendete die Stadt besagte Räder der Initiative „Perleberg hilft“. In der Selbsthilfewerkstatt im Keller des CJD in der Reetzer Straße bringt Tom Hölzer die Drahtesel wieder zum Rollen. Ober aber sie dienen als Ersatzteilspender, denn etliche der Fahrräder haben ihre besten Jahre längst hinter sich.

Ehrliche Finder sind vielleicht seltener geworden, aber sie sind nicht ausgestorben. Und so werden auch immer wieder Geldbörsen abgegeben. Nicht selten samt Papiere. „Wenn der Besitzer ermittelt werden kann, dann rufen wir ihn an oder benachrichtigen ihn und das auf schnellstem Wege, um ihn zu beruhigen.“ Denn was für Laufereien an so einem Verlust hängen, das weiß jeder, der schon mal Ausweis, EC-Karte, Fahrerlaubnis und dergleichen verloren hat.

Unter Umständen gehen Fundsachen auch schon mal per Einschreiben auf Reisen zum rechtmäßigen Besitzer, wie ein Fotoapparat. Ein Tourist hatte jenen bei seinem Perleberg-Besuch liegen gelassen. Natürlich freuen sie sich mit, wenn jemand erleichtert wieder sein Eigentum in Empfang nehmen kann, gesteht Gabriele Gall. Und genauso tue es ihnen leid, wenn sie nicht helfen können. Denn vor allem seien es ältere Bürger, die nachfragen, wenn sie was verloren haben.

Ein Tipp, der für alle gilt, die etwas verloren haben: Auch wenn das gute Stück noch nicht abgegeben wurde, eine Verlustmeldung wird dennoch aufgenommen und man wird benachrichtigt, wenn es sich angefunden hat. Eine Anzeige bei der Polizei sollte man in jedem Fall machen, wenn es sich um Wertgegenstände handelt.

 

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