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Sammeleidenschaft : Briefmarken – gibt es die noch?

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Dank des Engagements von Hans Burwig ist das alte Hobby in Perleberg jünger denn je. AG an der Scholl-Schule und aktive Jugendgruppe

von
erstellt am 27.Sep.2016 | 12:00 Uhr

David Anwand ist zwölf Jahre und seit sieben Jahren ein begeisterter Briefmarkensammler. Mit seinem Freund habe er mal beim Treff der Jugendgruppe vorbeigeschaut. Seither lasse ihn das Hobby nicht mehr los. Als Fußballfan stehe er auf Dortmund und das sehe man auch seinen Briefmarken an. „Aber ich habe noch weitaus mehr“, fügt er sogleich an. Fische, Fahrzeuge – eigentlich gebe es nichts, was nicht zu sammeln lohne und nichts, was nicht auch auf Briefmarken gedruckt werde. Mit der Post kommen inzwischen aber schon die wenigsten, räumt der Zwölfjährige ein. Er schreibe noch ab und an eine Karte, zumindest aus dem Urlaub, „aber wer macht das heute schon, außer meiner Oma? Die bekommt so auch noch Post und ich die Marken“. Das Gros aber habe er von Hans Burwig, der seit vielen Jahren die Jugendgruppe Perleberg der Deutschen Philatelisten-Jugend leitet.

„Die Briefmarken sind ein Abbild unserer Welt, das macht sie auch so spannend für den Nachwuchs“, sagt er. Nicht von ungefähr besteht so seit Jahren im Rahmen des Ganztagsangebotes eine Arbeitsgemeinschaft Philatelie an der Grundschule „Geschwister Scholl“. Die Sammelleidenschaft zu lenken, eine Auswahl in dem Überangebot zu treffen, sei ein wichtiger Schritt hin zum Aufbau einer eigenen Sammlung. Im Austausch mit den anderen Briefmarkenfreunden und erfahrenen Sammlern lernen die Kinder, dass die Welt der Briefmarken vielfältig geworden ist. Also doch kein aussterbendes Hobby? „Nein, jedenfalls so lange es Briefmarken gibt und Leute, die sich für dieses interessieren. Und nicht zuletzt, weil wertvolle Marken eben auch eine Wertanlage sind“, so Hans Burwig. Weltweit werden auch heute noch unzählige Briefmarken gedruckt – inzwischen vielleicht weniger, um damit einen Brief von A nach B zu befördern, sondern zusehends, um die Leidenschaft der Sammler zu befriedigen. „Briefmarken bekommt man zumindest noch dort, wo es Postkarten gibt. Einen Briefkasten zu finden, ist da schon schwieriger“, berichtet Hans Burwig von seiner Suche in einem Seebad an der Ostsee.

Und man muss nicht selbst Sammler sein und doch sammeln, weiß der Perleberger. Denn viele der Briefmarken, die er seinen Schützlingen zur Verfügung stellt, stammen von der Post, die bei der Awo eingeht, beim Kreisjugendring, im Freizeitzentrum „Effi“. Und auch übers Internet habe er schon vieles für seine Jugendgruppe angeboten bekommen. „Ich bin in der glücklichen Lage, den Kindern und Jugendlichen ihre gezähnten kleinen Kunstwerke gratis zur Verfügung stellen zu können. Insofern kann jeder mitmachen, er muss nur Interesse haben.“

Und dass so eine Briefmarke weitaus mehr ist, als nur ein Postwertzeichen, Geschichten erzählt, Entwicklungen bildhaft darstellt und Wissen zu einzelnen Sachbereichen vermittelt, auch das ist für Hans Burwig ein Beleg dafür, dass die kleinen gezähnten Kunstwerke Bestand haben werden. Mittlerweile gibt es schon ganze Klassensätze im Rahmen der Reihe Bildung und Briefmarke. Das Thema derzeit: Fische. Ein Fingerzeig vielleicht für Biologie bzw. Sachkunde.

Doch nicht nur Marken gehören in eine Sammlung. Ganze Umschläge und Postkarten sind interessant. „Nicht die Marken ausschneiden, sondern alles behalten“, rät der Experte. Bilder oder Stempel auf den Umschlägen können eine wertvolle Bereicherung sein.

Hans Burwig ist in sechs Jahrzehnten manchen Motiven nachgejagt, hat die ganze Welt gesammelt und wieder eingetauscht. Acht Jahre war er alt, als die Sammelleidenschaft ihn erfasste. So um die 17 Jahre sind die meisten seiner zehn Mitglieder der Jugendgruppe. „Auch sie begannen mal als Steppke“, so Burwig. Übrigens, wer jetzt auf den Geschmack gekommen ist, die jungen Philatelisten treffen sind immer am ersten Mittwoch im Monat im „Effi“.  

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