Perleberg : Brautkleider erzählen Geschichten

Das Thema Hochzeit ist sehr vielschichtig, war über die Jahrhunderte immer wieder anders. Im Stadt- und Regionalmuseum ist dazu jetzt eine Sonderausstellung zu sehen.
Das Thema Hochzeit ist sehr vielschichtig, war über die Jahrhunderte immer wieder anders. Im Stadt- und Regionalmuseum ist dazu jetzt eine Sonderausstellung zu sehen.

Ausstellung „Brandenburger Bräute. Frauenschicksale und Hochzeitstraditionen in der Mark“ im Stadt- und Regionalmuseum eröffnet

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17. Juli 2019, 05:00 Uhr

Lächelnd steht Reinhold Hesse vor einer Tafel am Ausstellungspavillon im Stadt- und Regionalmuseum. Gleich neben ihm ein hellblaues Brautkleid. „Dieses Kleid hat meine Frau getragen, als wir am 3. Mai 1960 heiraten“, erzählt er. „Wir haben mit Absicht diese Farbe gewählt, denn meine Frau wollte es auch noch als Tanzkleid nutzen.“ Eine Geschichte, die der Potsdamer am Sonntagnachmittag mehrmals erzählen muss. Der 82-jährige ist ein begehrter Gesprächspartner – nicht nur bei den Journalisten. Die Hochzeitsgeschichte von Reinhold und Ilse Hesse ist eine von vielen, die im Rahmen der Sonderausstellung „Brandenburger Bräute. Frauenschicksale und Hochzeitstraditionen in der Mark“ zu sehen ist.

Mit dieser Ausstellung, die bis zum 28. August gezeigt wird, stellen sich Lothar Binger und Susann Hellemann vom Archiv historische Alltagsfotografie Kleinmachnow zum zweiten Mal in Perleberg vor. Vor Jahresfrist waren sie mit ihrer Silvester-Ausstellung zu Gast. Erstmals wurden die „Brandenburger Bräute“ in Potsdam 2010 im Rahmen des Kulturlandthemas „Mut & Anmut. Frauen in Brandenburg-Preußen“ erstmals gezeigt.

„Fast jedes Familienfotoalbum beginnt mit dem Hochzeitsfoto“, sagt Lothar Binger. „So kamen wir auf diese Ausstellungsidee.“ Doch zu sehen sind nicht nur Hochzeitsbilder. Eine Auswahl von Brautpaaren aus vielen Jahrzehnten sind an ein Brautkleid drapiert. Sie sind für viele Besucher ein Hingucker. Aber sie interessieren sich auch für Hochzeitsbräuche oder Begebenheiten aus vergangenen Jahrhunderten, als Ehen noch arrangiert wurden, was nicht nur beim Adel gang und gäbe war. Die Dichterin Anna Louisa Karschin (1722 bis 1791) brachte ihre Gefühle über ihre vom Vater arrangierten Ehen in Gedichten zum Ausdruck. Davon erfährt man in der Ausstellung ebenso, wie von der fünfjährigen Verlobungszeit Fontanes, der dann am 16. Oktober 1850 Emilie Rouanet-Kummer ehelichte.

Und dann steht da wieder Reinhold Hesse, gibt gerade ein Interview. Er erzählt, wie er und seine Frau damals oft im Bürgerhaus Schlaatz waren, dort auf Lothar Binger und Susann Hellemann trafen. Sie wurden interviewt. Und so ist ihre Kennlern-, Hochzeits- und Ehegeschichte in die Ausstellung gekommen, ebenso das Brautkleid. „Im nächsten Jahr sind wir 60 Jahre verheiratet. Soweit bringt man es nur, wenn man sich gegenseitig vertraut, sich hilft und unterstützt“, sagt Hesse. „Eine Ehe ist immer ein Geben und Nehmen.“

Kulturamts- und Museumsleiter Frank Riedel ist mit der Ausstellungseröffnung ebenso zufrieden, wie die beiden Kuratoren. „Einige Besucher sind auf mich zugekommen“, sagt Riedel. Und so werde die Ausstellung wohl demnächst um einige Exponate erweitert. Brautkleider und Hochzeitszeitungen aus dem eigenen Bestand oder dem der Eltern oder sogar Großeltern würden sie demnächst ins Museum bringen wollen.

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