Perleberger zu 18 Monaten verurteilt : Brandstifter muss ins Gefängnis

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Perleberger Gericht verurteilt einen 57-Jährigen. Freispruch aus Mangel an Beweisen für Vorfall in Wittenberge

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27. Februar 2018, 21:00 Uhr

Seit September 2014 wurde gegen Reiner B. ermittelt. Gestern ging der Strafprozess vor dem Perleberger Schöffengericht mit einer Verurteilung zu 18 Monaten Gefängnis ohne Bewährung zu Ende.

Gleich zwei Brandstiftungen sind dem 57-jährigen Perleberger angelastet worden: So soll er am 10. September eine Gartenlaube in der Quitzower Straße angezündet haben, und am 15. April 2015 die Wohnung der Lebensgefährtin seines Bruders in Wittenberge. Verurteilt wurde Reiner B. für den Brand in der Laube. Der Brand in der Wittenberger Wohnung konnte ihm nicht zweifelsfrei nachgewiesen werden. „Die Indizien reichen nicht zu einer Verurteilung“, sagte Roger Schipper, Amtsgerichtsdirektor und Vorsitzender Richter in der Urteilsbegründung. „Deshalb im Zweifel für den Angeklagten.“ Für diese Tat wurde B. freigesprochen.

Der dritte Verhandlungstag begann mit einer 25-minütigen Verspätung, da Staatsanwalt Philip Schumacher auf der Anreise in einen Unfall verwickelt war. Nach seinem Eintreffen wurde die Beweisaufnahme fortgesetzt. Bei der Befragung eines Polizeibeamten und des damaligen Einsatzleiters der Perleberger Feuerwehr wollte sich das Gericht noch einmal ein genaueres Bild vom Tattag machen, um die Widersprüche zwischen den Zeugenaussagen und den Einlassungen des Angeklagten auflösen zu können („Der Prignitzer“ berichtete).

Zum Wittenberger Fall hingegen verlas Richter Schipper noch einmal die Protokolle der Kriminaltechnischen Untersuchungen in der Wohnung, wonach DNA-Spuren von Reiner B. an einem Bettbezug nachgewiesen werden konnten, allerdings auch Spuren von anderen Männern.

Auf Antrag von Rechtsanwalt Andreas Winkler wurde gestern der geschädigte Laubenbesitzer noch einmal befragt. Aus gesundheitlichen Gründen musste dies in seiner Wohnung – als nicht öffentlicher Teil der Verhandlung – durchgeführt werden.

In seinem Plädoyer sah Staatsanwalt Philip Schumacher die beiden Vorwürfe voll bestätigt. Die Taten habe Reiner B. „mit einer hohen kriminellen Energie ausgeführt und in böswilliger Absicht verwirklicht“. Auch auf Grund seiner enormen Vorbelastung beantragte er für den Laubenbrand eine Haftstrafe von einem Jahr und sechs Monaten sowie für den Wittenberger Wohnungsbrand zwei Jahre Haft. „In der Gesamtheit und unter Berücksichtigung aller Umstände denke ich an eine Gesamthaftstrafe von zwei Jahren und neun Monaten.“

Rechtsanwalt Andreas Winkler sah nur, „dass alle Beweise auf Indizien beruhen“. Es gäbe keinerlei Tatzeugen. So plädierte er für die fahrlässige Brandstiftung zu einer Verurteilung zu zehn Monaten Haft, „die selbstverständlich zur Bewährung auszusetzen sind“, für den Wohnungsbrand einen Freispruch.

Letztlich folgte das Gericht dem Staatsanwalt beim Brand in Perleberg und dem Rechtsanwalt beim Wohnungsbrand. „Beim Laubenbrand sprechen alle Indizien gegen Sie“, so Richter Roger Schipper. „Sowohl die Zeugenaussagen als auch die Ergebnisse der kriminaltechnischen Untersuchung.“ Auf Grund der negativen Sozialprognose konnte keine Bewährung ausgesprochen werden.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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