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Der Prignitzer

21. November 2017 | 02:07 Uhr

Feuerwehr Karstädt : Brandmeister wirft hin

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Nach drei Jahren als Gemeindewehrführer ist Heino Gerloff Schluss / Differenzen mit einigen Ortswehrführern und dem Bürgermeister

von
erstellt am 13.Jan.2015 | 12:00 Uhr

„Meine Entscheidung ist definitiv“, bestätigte gestern Heino Gerloff auf Nachfrage des „Prignitzers“. Der 43-jährige Garliner legte sein Amt als Gemeindewehrführer Karstädt zum 31. Dezember des vergangenen Jahres nieder. Seit Dezember 2011 bekleidete er diese Position. „Es ist nicht gut, dass ich aufhöre“, so Gerloff, aber die gesamten Umstände seien für ihn nicht mehr tragbar gewesen. „Es gab keine vernünftige Diskussion mehr mit einigen Ortswehrführern. Wenn man da den Halt verliert … Ich wusste, dass es schwierig wird, aber ich hätte auch nicht geglaubt, dass alles so arbeitsintensiv ist“, räumt der Garliner ein.

„Das kann man alles allein gar nicht schaffen. Die Zusammenarbeit mit meinen Stellvertretern war super“, betont Heino Gerloff, der teils bis zu zwölf Stunden täglich beruflich auf dem Bau tätig ist. Doreen Henke (Pröttlin), Maik Hortig (Nebelin) und Raik Sohns (Glövzin/Premslin) wurden am 1. Juni 2014 auf Gerloffs Forderung hin offiziell per Beschluss der Gemeindevertretung zu den Stellvertretern ernannt.

Es brodelte schon lange beim Gemeindebrandmeister. Im vergangenen Jahr füllte sich das Fass immer mehr, bis es letztendlich wie im Nachhinein bekannt wurde, im Herbst übergelaufen war. Da teilte der 43-Jährige mit, dass er zum 31. Dezember sein Amt niederlegt. Mit Gerloff an der Spitze stellte die Gemeindewehrführung immer wieder die mangelnde Ausstattung und somit den Bedarf bei den Ortsfeuerwehren dar. Ein Kampf gegen Windmühlen. „Das fängt schon bei der Schutzkleidung an“, sagte Gerloff im Gespräch mit dem „Prignitzer“. Ein wesentlicher Punkt war auch die Umrüstung auf Digitalfunk. Die Gemeinde hatte im vergangenen Jahr rund 45  000 Euro zur Verfügung gestellt. Damit ist erst gut die Hälfte an Funkgeräten angeschafft, wie Gerloff in der Vergangenheit mehrfach erläuterte.

Die Gemeindewehrführung vertrat die Auffassung, dass man das Geld für Dargardts Ersatzfahrzeug besser für die Anschaffung weiterer Funksprechgeräte einsetzen sollte. Denn Dargardt habe ein noch fahrtüchtiges Fahrzeug, so die Argumente, und außerdem sei man fahrzeugtechnisch in der Gemeinde gut aufgestellt. Doch da sprach der Bürgermeister im März 2014 auf der Gemeindevertretersitzung ein Machtwort. „Ich fange im nächsten Jahr die Diskussion nicht wieder an. Auf die Feuerwehr kommen noch ganz andere Aufgaben zu“, so Staeck damals mit Verweis auf die Fertigstellung der A  14 Ende 2015. Die Mehrheit der Gemeindevertreter ging da seinerzeit mit. In den Haushalt für 2014 wurden 30  000 Euro für ein Dargardter Ersatzfahrzeug eingestellt, das in den nächsten Wochen offiziell übergeben werden soll.

Auch der Kauf eines notwendigen Spreiz- und Schneidgerätes war ein Kraftakt. Nach langen Diskussionen und Bereitstellung der rund 22  000 Euro wurde es Ende vergangenen Jahres angeschafft. „Wir als Gemeindewehrführung haben nur die Vorarbeit zu leisten. Wenn der Bürgermeister anderer Meinung ist …“, sagte Gerloff, der weiter aktives Mitglied in der Freiwilligen Feuerwehr Garlin/Bootz bleibt.

„Die Gemeindevertretung entscheidet, es gab damals eine Mehrheit“, sagt Bürgermeister Staeck kurz und knapp dazu. Er scheint das alles gar nicht so dramatisch zu sehen. „Wir haben funktionierende Ortswehren, das haben wir ja am Wochenende bei dem Sturm, wo sie im Einsatz waren, gesehen.“ Das sieht auch Gerloffs bisheriger Stellvertreter Maik Hortig so, aber es trage schließlich jemand die Verantwortung. „Die Verwaltung ist in der Handlungspflicht. Schon vor drei Jahren war es schwierig, die Position des Gemeindebrandmeisters zu besetzen. Die Frage für mich ist, warum sollte man das machen?“, so Hortig. Doreen Henke appellierte an jeden: „Ich bedauere es sehr, dass Herr Gerloff aufgehört hat. Er hat sehr viel Wissen, hat sich sehr viel auf Eigeninitiative hin weitergebildet. Man sollte auch das Finanzielle, die Aufwandsentschädigung, auf den Prüfstand stellen. Jeder sollte mal selbst darüber nachdenken, ob er eine solche ehrenamtliche Tätigkeit mit Vollzeitjob und Familie ausüben kann.“

Man werde nun die Ortswehrführer zusammenholen, die Stelle zum Gemeindebrandmeister in Absprache mit dem Kreisbrandmeister Holger Rohde ausschreiben, wie Staeck erklärte. Bis dahin ist er erst einmal der Ansprechpartner. Denn in dem Beschluss zu Gerloffs Stellvertretern heißt es eindeutig: „Maik Hortig, Doreen Henke und Raik Sohns werden mit Wirkung vom 1. Juni 2014 bis zum Ende der Amtszeit des Gemeindewehrführers Herrn Heino Gerloff längstens bis zum 31. Dezember 2017 zur Stellvertretung des Gemeindewehrführers ernannt“. Das heißt: Die Gemeinde Karstädt steht derzeit ohne Gemeindewehrführung da.

 

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